Bis zu zwölf Grad

Winter treibt Blüten: Milde Temperaturen treiben Hobbygärtner in die Beete

Liebt ihren Garten: Maria Oster nutzt den milden Tag.

Kassel. Seit sechs Jahren hat Maria Oster ihren Kleingarten am Mattenberg, aber zum ersten Mal kann sie schon im Februar im Beet loslegen. Bei Temperaturen bis zu zwölf Grad lockte es am Wochenende nicht nur Spaziergänger, sondern auch viele Hobbygärtner ins Freie.

Maria Oster jedenfalls hofft, dass sich der Winter nun auch nicht mehr blicken lässt. „Der Garten ist alles für mich“, sagt sie und nutzt den milden Tag, um Stauden zurückzuschneiden und Unkraut zu entfernen.

Frühling im Angebot: Sabrina Appel verkauft an der Markthalle Tulpen und andere Frühjahrsblüher. Fotos:  Heise-Thonicke

Unterdessen schaut Johann Kessler auch bei seinem Bienenvolk nach dem Rechten. „Es gibt immer etwas zu tun“, sagt der 62-Jährige. Mit dem Fahrrad fährt er auch im Winter jeden Tag in seinen Schrebergarten, in dem er neben Obst auch Kartoffeln, Radieschen und Gurken anbaut. Mit dem Aussäen oder Pflanzen ist er aber noch zurückhaltend, „denn es könnte ja noch einmal frostig werden.“ Auch seine Nachbarn im Kleingärtnerverein Mattenberg werden in diesem Jahr wieder beherzt die Ärmel hochkrempeln, denn Vorsitzender Hartmut Spohn wurde mit dem Generationengarten Sieger im Landeswettbewerb „Gärten im Städtebau“ und nimmt somit in diesem Jahr auch am Bundeswettbewerb teil. Lust auf bunte Blumen und Abwechslung im Wintergrau haben jetzt schon viele Hobbygärtner und Balkonbesitzer. So waren auf dem Kasseler Wochenmarkt, in Gärtnereien oder im Gartencenter Meckelburg in Fuldabrück Frühjahrsblüher bereits gefragt. Hornveilchen und Stiefmütterchen könne man jetzt schon recht bedenkenlos raussetzen, sagt Marktleiter Eckhard Feisel. Sollte es noch einmal starken Frost geben, kann man die Blüten mit einer Gardine oder einem Gartenvlies abdecken.

Auf Fensterbänken oder anderen hausnahen Standorten fühlen sich bei diesen milden Temperaturen auch schon Primeln oder Narzissen wohl.

„Die Kunden fragen schon seit Januar nach Tulpen“, kennt auch Jennifer Jablonski, die an der Markthalle den Stand der Gärtnerei Thiele betreut, die Sehnsucht vieler nach Frühling.

Sicher untergebracht: Johann Kessler kümmert sich um seine Bienen.

Die Natur kommt diesem Wunsch entgegen: Winterlinge, Christrosen und Schneeglöckchen blühen schon. Krokusse, Tulpen und Narzissen treiben eifrig aus. Und bei Sandershausen ist sogar der Storch schon wieder eingeflogen, auch die ersten Kraniche und Wildgänse wurden auf dem Weg in nördliche Sommerquartiere erneut gesichtet.

Heuschnupfengeplagte freilich reagieren auf die Winterpause mitunter gereizt. Denn wegen der milden Witterung hat die Pollensaison schon im Januar begonnen, und Hasel und Erle können bereits für allergische Reaktionen sorgen.

Die Wetterprognosen gehen derzeit davon aus, dass es bei Tagestemperaturen um die zehn Grad so vorfrühlingshaft bleibt. Dann sollten am Ende auch die Zugvögel Recht behalten.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.