Entscheidung nach Extremschneefällen im Februar

Stadtreiniger kündigen Winterdienst für viele Privatleute

Werden sich im nächsten Winter auf Straßen und Haltestellen konzentrieren: Die Stadtreiniger werden nicht mehr bei allen privaten Anwohnern den Winterdienst leisten. Im Februar waren (von links) Halil Karci, Melanie Ley, Heinrich Nelle und Mario Schellberg beim Schnee räumen an der Haltestelle Hasselweg zu sehen. Archivfoto: Pia Malmus
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Werden sich im nächsten Winter auf Straßen und Haltestellen konzentrieren: Die Stadtreiniger werden nicht mehr bei allen privaten Anwohnern den Winterdienst leisten. Im Februar waren (von links) Halil Karci, Melanie Ley, Heinrich Nelle und Mario Schellberg beim Schnee räumen an der Haltestelle Hasselweg zu sehen.

Wegen der starken Schneefälle im vergangenen Winter haben die Stadtreiniger ihr Dienstleistungsangebot für Privatleute eingeschränkt. So wurden nun vielen Kasseler Bürgern teils langjährige Verträge für den Winterdienst auf den Gehwegen vor ihren Häusern gekündigt.

Kassel - Mit dieser Entscheidung, die insbesondere ältere Menschen vor Probleme stellt, will der städtische Eigenbetrieb seine Kapazitäten auf die Räumung der öffentlichen Straßen konzentrieren.

Weil die Stadtreiniger wegen der Schneemassen im Februar an ihre Grenzen gestoßen waren, habe in der Folge eine Neustrukturierung stattgefunden, so ein Sprecher. So habe man vielen treuen Kunden die Winterdienstleistung bis spätestens 31. Dezember 2021 kündigen müssen. „Dieser Schritt war zum Bedauern der Stadtreiniger leider notwendig, um für die kommende Wintersaison gut aufgestellt zu sein“, so der Sprecher weiter. Höchste Priorität habe die Räumung der öffentlichen Straßen.

Um diese gewährleisten zu können, wurde 150 Bürgern gekündigt. Ihnen habe nicht länger garantiert werden können, dass in der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit geräumt wird. Teilweise seien Anwohner ganzer Straßenzüge betroffen. Die Auswahl sei auf Basis der Routenpläne gefallen. Für 1200 Kunden werde die Dienstleistung aber weiter angeboten.

Zu den Betroffenen zählt auch Ernst Meil aus Wolfsanger. Der 83-Jährige versteht zwar, dass die Stadtreiniger ihren Winterdienst optimieren wollen, um für Extremfälle gerüstet zu sein. Allerdings dürfe dies nicht auf Kosten langjähriger Kunden gehen, die wie er nicht mehr in der Lage seien, den Schnee von Bürgersteigen zu entfernen. Den Rentner ärgert besonders, dass er jahrelang für die Dienstleistung bezahlt habe, ohne dass die Stadtreiniger wegen der milden Winter viel zu tun gehabt hätten.

Jährlich bezahlte der 83-Jährige Pauschalen bis zu 330 Euro, die unabhängig davon waren, wie oft ein Einsatz nötig war. „In den Vorjahren sind die vier bis fünfmal in der Wintersaison mit dem Streuwagen über meine Bürgersteige gefahren. Jetzt fällt einmal richtig viel Schnee, und schon wird der Vertrag gekündigt. Dabei sind Pauschalen doch dafür da, dass sie den Winterdienstaufwand in den unterschiedlich strengen Wintern ausgleichen“, findet Meil.

Weil auch seine Nachbarn von der Kündigung betroffen sind, will man sich nun gemeinsam einen neuen privaten Anbieter suchen. (Bastian Ludwig)

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