Wintershall-Chef Mario Mehren: Start in turbulenten Zeiten

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Mario Mehren im HNA-Redaktionsgespräch.

Der neue an der Spitze des Kasselers Öl- und Gasförderers Wintershall hat seine Wachstumspläne bekräftigt. Mario Mehren war zu Gast beim HNA-Redaktionsgespräch.

Auf ein ruhiges Jahr 2015 hat sich der neue Wintershall-Chef Mario Mehren sicher nicht eingerichtet. Vom Polarkreis bis Feuerland holt die Kasseler BASF-Tochter Öl und Gas aus dem Boden - und die Märkte dafür werden turbulent bleiben, sagt der 44-Jährige voraus.

Seit dem 1. Juni - einen Monat früher als ursprünglich geplant - steht Mehren als Nachfolger Rainer Seeles an der Spitze des größten deutschen Öl- und Gasförderers, für den er seit 2006 arbeitet. Die Position ist neu, vertraut sind das Geschäft und Zahlen wie diese: Vor einem Jahr kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent 108 Dollar, gegenwärtig liegt der Preis für das Fass mit 159 Litern bei 65 Dollar (rund 59 Euro). Wintershall werde in diesem Jahr Gewinneinbußen hinnehmen müssen, erwartet Mehren und bleibt trotzdem gelassen. Die Kasseler produzieren vor allem Erdgas, dessen Preis sich immer weniger am Öl ausrichtet. Die Bilanz dürfte deshalb besser ausfallen als bei manch einem Konkurrenten.

Doch nicht nur an den Rohstoffbörsen, auch auf politischem Feld herrscht wenig Ruhe. Der Ukraine-Konflikt koste Kapital und Vertrauen, sagt Mehren, belaste Wintershall allerdings nicht direkt. Die Verbindung zum russischen Energieriesen und Langzeit-Geschäftspartner Gazprom steht nicht zur Diskussion: Bis 2018 wollen die Kasseler 500 Millionen Euro in die bestehenden Russlandprojekte investieren. Das Geld wird unter anderem in die sibirischen Gasfelder Juschno Russkoje und Achimgaz fließen.

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Mehren kennt das Russlandgeschäft, er sitzt in den Aufsichtsräten dreier Gemeinschaftsunternehmen, und er baut auf Russland: Nur mit diesem könne es Energiesicherheit für Europa geben. Russland wiederum brauche Europa als verlässlichen Markt. Wintershall produziert mit den russischen Gemeinschaftstöchtern 28 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Jahr - rechnerisch genug, um ein Drittel der deutschen Haushalte zu versorgen. Der Wintershall-Gashandel wird zum Großteil aus russischen Quellen gespeist, und der Ertrag des Fördergeschäfts hängt etwa zu 50 Prozent an den Aktivitäten in dem Riesenland.

Bis 2018 will Wintershall die Förderung von 136 Millionen Barrel auf eine Menge hochtreiben, die 190 Mio. Barrel Öl und Gas entspricht. Vier Milliarden Euro sollen dafür bis 2019 investiert werden, etwa die Hälfte davon in Norwegen. Ein Tauschgeschäft mit der staatlich kontrollierten Statoil hatte dort die Aktivitäten auf Touren gebracht, nun will Wintershall vor der Küste mit dem Maria-Feld den ersten Fund in Norwegen in Eigenregie zur Produktion bringen. Das zeige, dass die Entwicklung eines derartigen Projekts auch bei schwieriger Marktlage möglich sei, sagt Mehren - und gibt Wintershall sowie der ganzen Branche eine Hausaufgabe mit: Man müsse auch noch profitabel arbeiten, „wenn die Preise niedrig und die Rahmenbedingungen nicht ideal sind“.

Zur Person Mario Mehren

Mario Mehren (44) begann seine berufliche Laufbahn bei der Wintershall-Mutter BASF. Seit 2006 ist Mehren für Wintershall tätig, 2011 rückte er in den Vorstand auf, wo er zunächst für Russland verantwortlich war. Im September 2014 kamen die Zuständigkeit für Aufschluss und Förderung der Vorkommen in Russland, Nordafrika und Südamerika hinzu. Mehren stammt aus Koblenz und studierte Betriebswirtschaftslehre in Saarbrücken. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. Seine Hobbies sind Musikhören und Fußball - er ist Fan des 1. FC Kaiserlautern.

Wintershall in Zahlen

Umsatz 2014: 15,1 Milliarden Euro, 2,5 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Das Plus war dem Gashandel zu verdanken, der 12,2 Mrd. Euro (plus drei Prozent) beisteuerte. Das Explorations- und Produktionsgeschäft trat hingegen auf der Stelle.

Ergebnis vor Zinsen u. Steuern (Ebit): 1,79 Mrd. Euro (minus drei Prozent gegenüber 2013)

Überschuss: 1,46 Mrd. Euro, (minus 15 Prozent)

Mitarbeiter: 2400. In Kassel arbeiten für Wintershall sowie andere Unternehmen der Gruppe knapp 1000 Beschäftigte.

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