Wintershall entdeckt Ölfeld vor norwegischer Küste

Ölfund in der Nordsee: Von der Plattform Songa Deepsea Delta hat die Kasseler Wintershall eine Bohrung niedergebracht und ist 80 Kilometer vor der norwegischen Küste auf eine Öllagerstätte gestoßen. Foto: Songa Ofshore

Kassel. Von einem „wichtigen Meilenstein“ spricht Martin Bachmann, im Vorstand der Wintershall zuständig für die weltweite Exploration (Suche und Erforschung von Lagerstätten) und Produktion.

Der größte deutsche Erdöl- und Erdgasproduzent wartete am Montag mit einer Erfolgsmeldung auf: Bei der von dem Kasseler Unternehmen betriebenen Explorationsbohrung Skarfjell vor der norwegischen Küste stießen die Geologen in einem Sandstein auf ein Ölvorkommen von hoher Qualität.  

Nach ersten Schätzungen lassen sich aus der Lagerstätte 60 bis 160 Millionen Barrel Leichtöl (ein Barrel sind 159 Liter) gewinnen. Der Skarfjell-Fund ist die bisher größte im norwegischen Kontinentalschelf entdeckte Öllagerstätte der Wintershall. Zum Vergleich: Die vor zwei Jahren entdeckte Lagerstätte Maria hat nur ein förderbares Volumen von 60 bis 120 Mio. Barrel, und die Bundesrepublik Deutschland verbraucht am Tag etwa 2,5 bis 2,7 Mio. Barrel.

Weitere Bohrungen nötig

Ob sich die Förderung wirtschaftlich lohnt, müssen allerdings erst weitere geologische Bohrungen erweisen. Diese sogenannten Appraisal- (Erweiterungs-)Bohrungen sollen Aufschlüsse darüber bringen, wie groß das Feld ist und mit welcher Technologie das Öl gefördert werden könnte. Durchschnittlich vergehen fünf bis acht Jahre von der Exploration bis zur Förderung, erklärt Wintershall-Pressesprecherin Verena Sattel.

Skarfjell liegt rund 80 Kilometer vor der norwegischen Küste nahe der Stadt Bergen. Nach Wintershall-Angaben wurde die Bohrung von der schwimmenden Bohrplattform Songa Delta vertikal bis auf 2976 Meter unter dem Meeresspiegel niedergebracht. Die Wassertiefe beträgt an dieser Stelle 368 Meter. Nach umfangreichen Datenerfassungen und Probeentnahmen wird das Bohrloch dauerhaft verfüllt, bevor die Appraisal-Bohrungen beginnen. Wann es dazu kommt, steht noch nicht fest: Derzeit gebe es in der nördlichen Nordsee mehr Bohrprojekte als verfügbare Plattformen, erläutert Verena Sattel.

Wintershall verfügt im Bereich Norwegen über mehr als 40 Lizenzen, darunter über 20 Lizenzen als Betreiberin. Das Kasseler Unternehmen hat große Pläne: Bis zum Jahr 2015 soll die tägliche Ölfördermenge aus dem norwegischen und britischen Kontinentalschelf mehr als verzwölffacht werden, von gegenwärtig 4000 Barrel auf 50 000 Barrel Öläquivalent (BOE). Die Maßeinheit BOE ist eine Maßeinheit, mit der Erdöl- und Erdgasreserven in einer Zahl zusammengefasst werden können, weil beide Rohstoffe zusammen in einer Fundstätte vorkommen. Ein BOE entspricht einem Barrel Erdöl.

Für diese gewaltige Ausweitung der Förderung sollen nach Angaben von Verena Sattel vor allem die Felder Maria, Luno und Knarr (vor der norwegischen Küste) sowie Cladhan (vor der britischen Küste) sorgen. Diese Funde befinden sich aber in unterschiedlichen Entwicklungsphasen.

Dem Skarfjell-Fund, den das Unternehmen mit vier Partnern erschließen will, wird noch ein erhebliches Potenzial zugerechnet, erläutert Bernd Schrimpf, Managing Director der Wintershall Norge AS: „Skarfjell kann als zentraler Punkt für weitere Funde im selben Gebiet dienen.“

Von Detlef Sieloff

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