Wintershall und Gazprom ziehen Milliardentausch durch

Kassel. Die Wintershall-Mutter BASF und die russische Gazprom ziehen ihr umstrittenes Milliardengeschäft durch:

Der Kasseler Öl- und Gasförderer gibt Speicher und Gashandel, samt der Kasseler Wingas, wie geplant komplett ab und bekommt dafür 25 Prozent plus einen Anteil an zwei Gas- und Kondensatfeldern in Westsibirien. Zudem steigt Gazprom in die Wintershall-Gasförderung in der südlichen Nordsee ein, teilte BASF gestern mit. Der Konzern trennt sich damit von Aktivitäten, die im vergangenen Jahr 12,2 Milliarden Euro zum Umsatz beisteuerten und vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 7,2 Mrd. Euro Gewinn einbrachten.

Auf Eis gelegt

Das spektakuläre Geschäft war Ende 2013 vertraglich besiegelt, ein Jahr später aber auf Eis gelegt worden – wegen des schwierigen politischen Umfelds, wie es damals mit Blick auf die Ukraine-Krise hieß. Das Verhältnis zwischen Russland und der EU hat sich seitdem nicht nennenswert entspannt. Bei Gazprom und Wintershall ist hingegen der Nutzen des Tauschs weiter in den Vordergrund gerückt. „Das ist eine wirtschaftliche Entscheidung“, begründete Wintershall-Sprecher Stefan Leunig das wieder aufgelegte Geschäft.

Aktualisiert um 18.25 Uhr.

Im liberalisierten Gashandel ist es schwer, sich von der Konkurrenz abzusetzen. Im Upstream-Geschäft, der Erkundung und Förderung von Öl und Gas, können die Kasseler hingegen ihre technologischen Stärken ausspielen. Gazprom wiederum baut seine Präsenz in Westeuropa aus und bekommt Zugang zu etwa einem Viertel der deutschen Gasspeicherkapazität – auch zum größten natürlichen Speicher Europas in Rehden.

Und so wollen Wintershall und Gazprom den milliardenschweren Deal als Vertrauensbeweis mit Signalwirkung verstanden wissen: Ein deutsches Unternehmen erhalte „direkten Zugang zu russischen Erdgasquellen und ein russisches Unternehmen investiert in der EU weiter in Erdgashandel und Gasspeicher und somit in Versorgungssicherheit Europas.“ Kurzfristig gesehen kommt der Tausch jetzt eher zur Unzeit. Die Talfahrt des Ölpreises hinterlässt Bremsspuren in der Wintershall-Bilanz. Im ersten Halbjahr fing der kräftig gestiegene Ertrag aus dem Gashandel Gewinneinbußen wegen des niedrigen Ölpreises teilweise auf. Wintershall sieht das gelassen: Die Hinwendung zur Öl- und Gasquelle sei eine langfristige Strategie. Das Speicher- und Handelsgeschäft passt dort nicht hinein. Die EU-Kartellbehörden hatten den Tausch schon gebilligt, die Bundesregierung ebenfalls. Wenn die Vereinbarung so abgewickelt werde wie damals gemeldet, gelte die damalige Genehmigung, sagte ein Sprecher. Das Geschäft soll spätestens zum Jahresende abgeschlossen sein und rückwirkend ab April 2013 gelten. (mit afp)

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