Türkisch-islamischer Kulturverein bleibt nach versuchter Brandstiftung gelassen - „PKK“-Schriftzug entfernt

Nach versuchtem Brandanschlag auf Moscheeverein: „Beiseite gelegt“

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Türkisch-islamischer Kulturverein bleibt nach versuchter Brandstiftung gelassen - „PKK“-Schriftzug entfernt

Kassel. Die rote Sprühfarbe mit den drei Buchstaben PKK haben sie noch am selben Tag mit weißer Farbe überstrichen. Für die Mitglieder des türkisch-islamischen Kulturvereins an der Bunsenstraße in der Kasseler Nordstadt ist nach der versuchten Brandstiftung in der Nacht zu vergangenem Donnerstag längst wieder Alltag eingekehrt.

Auch Kurden im Verein

Es wird Tee getrunken, in der Moschee gebetet, geredet, die Jüngeren machen Hausaufgaben oder spielen Brettspiele. „Wir haben die Sache beiseite gelegt“, sagt Altan Aras, Vorsitzender des Kulturvereins.

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Wer in dem Lagerraum des Kulturzentrums gezündelt hat und an zwei Stellen „PKK“, die Abkürzung der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei, auf die Fassade gesprüht hat, wisse man nicht, sagt der 46-Jährige. Er geht eher von einem Dumme-Jungen-Streich aus als von einer gezielten oder gar politisch motivierten Tat.

Er könne sich nicht vorstellen, dass der Vorfall tatsächlich etwas mit der PKK zu tun habe, sagt Aras. „Die PKK hat Probleme mit der türkischen Regierung, nicht mit dem Volk“, sagt der Türke, der seit über 30 Jahren in Deutschland lebt. „Und wir haben weder mit der türkischen Regierung noch mit der Opposition etwas zu tun. Wir sind ein Kulturzentrum.“ Im Übrigen seien unter den 90 Mitgliedern auch Kurden.

Der Schaden, der durch die versuchte Brandstiftung und die Schmiererei entstanden ist, sei nicht der Rede wert. „Das ist eine Kleinigkeit, wir haben es nicht mal der Versicherung gemeldet“, sagt Vereinsvorsitzender Aras. Man wolle den Vorfall bewusst nicht so hoch hängen. „Das war eine Provokation, von wem auch immer, und wenn man das aufbauscht, bringt das nur Hass, und das wollen wir nicht.“

Natürlich verurteile man die Tat und hoffe, dass so etwas nicht noch mal passiere. Man habe den Fall an die Polizei übergeben, wo er auch hingehöre, sagt der türkische Vereinschef. Angst habe man keine. „Wir leben in einer Demokratie, und die Polizei hat das im Griff.“

Sie wollen nicht spekulieren

Von den anderen Anschlägen auf türkische und kurdische Einrichtungen in Hessen in den vergangenen zehn Tagen haben die Männer im türkisch-islamischen Kulturverein in der Nordstadt natürlich gehört. Unter anderem war Feuer in einem Döner-Imbiss in Hess. Lichtenau gelegt worden, den ein Kurde betreibt. Über die Hintergründe der Taten wisse man nichts, sagt Vereinsmitglied Mustafa Koc. „Deshalb wollen wir uns auch nicht an Spekulationen beteiligen, das bringt doch nichts.“

Laut Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch gebe es zu dem Fall an der Bunsenstraße keine konkreten Hinweise. „Wir ermitteln in alle Richtungen.“ Man nehme den Vorfall ernst, und ein möglicher politischer Hintergrund sei nicht auszuschließen. Der oder die Täter hätten offenbar den Anschein erwecken wollen, dass die PKK hinter der Tat stecke. „Aber die drei Buchstaben kann jeder gesprüht haben.“

Von Katja Rudolph

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