Koreaner in Kassel: „Wir haben keine Angst“

Myong-Ree Song-Boden

Kassel. In den vergangenen Tagen hat sich der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea verschärft. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht der Diktator Kim Jong-Un. Diese Entwicklung beobachten auch Koreaner genau, die in Kassel leben. Sie geben sich allerdings gelassen: „Wir haben keine Angst.“

Choi Kil-Bong (50) hat erst kürzlich mit seiner Familie in Korea telefoniert. Die Krise sei dabei kein Gesprächsthema gewesen, sagt der 50-Jährige, der in seiner Schule die koreanische Kampfkunst Hapkido unterrichtet.

Die Situation in Korea sei oft ähnlich gewesen und der Norden wisse genau, dass ein Krieg das Ende des Regimes wäre. „Das ist nur eine Drohung, um sich bemerkbar zu machen“, sagt er.

Gelassen trotz Kriegsdrohungen: Choi Kil-Bong betreibt in Kassel eine Kampfkunstschule und ist Großmeister im Hapkido. Foto: Zgoll

„Andere Leute machen sich viele Sorgen, die Koreaner weniger“, erklärt Myong-Ree Song-Boden. Die 65-Jährige ist Leiterin der koreanischen Schule in Kassel. Beispielsweise habe sie die Anfrage zweier deutscher Lehrer weitergeleitet, die sich sorgten, ob eine Reise nach Südkorea noch gefahrlos möglich sei. Die Antwort aus Korea sei gewesen, dass man keine Bedenken habe.

Myong-Ree Song-Boden sieht drei Gründe für die Drohgebärden der Nordkoreaner: Der 30-jährige Diktator sei jung und habe die Macht vom Vater geerbt. Deswegen müsse er etwas Extremes tun, um seine Position gegenüber alten Funktionären zu sichern. Oft drohe der Norden auch, um später Forderungen durchzusetzen. Außerdem steuere das Regime auf einen besonderen Tag zu: Am 15. April wäre der Opa des Diktators, Kim Il-Sung, 101 Jahre alt geworden. Der junge Diktator habe angekündigt, an diesem Tag „etwas zu bombardieren“.

Regelmäßig Kontakt mit der Heimat hat auch Songhun Hong. Der 56-Jährige ist Pastor der Koreanischen Evangelischen Gemeinde in Kassel. Der Gottesmann gibt sich etwas nachdenklicher: Er habe schon ein bisschen Sorge um sein Land. Die Krise hält ihn vom Heimatbesuch aber nicht ab: Im nächsten Monat soll es wieder nach Korea gehen.

Von Göran Gehlen

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