Angriff auf Touristen in Äthiopien: Kasseler waren kurz zuvor dort

Jürgen und Vivian Mengel im Ertale-Krater. Foto: Mengel

Kassel. Die Nachricht vom blutigen Überfall auf eine Reisegruppe im Grenzgebiet zwischen Äthiopien und Eritrea, bei dem am 17. Januar fünf Touristen erschossen und zwei entführt wurden, löste bei einigen Kasselern große Sorge um zwei Freunde aus.

Jürgen Mengel (68) und Tochter Vivian (35) waren zu einer Expedition in dieses Gebiet aufgebrochen. Für Helga Mengel, Ehefrau und Mutter, brachen Tage bangen Wartens an. Der gebürtige Kasseler und seine Tochter bekamen davon jedoch nichts mit.

Mulmiges Gefühl

Als die Nachricht zu ihnen vordrang, gaben sie Entwarnung – allerdings mit einem mulmigen Gefühl im Bauch. In seiner E-Mail aus Äthiopien schrieb Jürgen Mengel: „Grüße aus Äthiopien an alle, die wissen, dass wir hier sind und sich Sorgen um uns gemacht haben. (…) Wir nächtigten zwei Tage vor dem tragischen Vorfall an der Grenze zu Eritrea an derselben Stelle am Rand des Ertale (...). Wir hatten wirklich Glück, dass es uns nicht traf.“

Inzwischen sind beide wohlbehalten in Deutschland gelandet. Der Schock über die Nachricht vom Überfall ist Jürgen Mengel noch anzumerken. „Das war wirklich knapp.“ Mengel berichtet, wie sich der Überfall nach Aussagen Einheimischer abgespielt haben soll: „Der die Gruppe begleitende Polizist hat in der Nacht verdächtige Geräusche und Schatten vernommen. Da auf Zuruf keine Antwort kam, hat er einen Warnschuss abgegeben, der dann wohl massiv beantwortet wurde von den Angreifern in Überzahl“, erzählt Mengel.

Erfahrener Weltenbummler

Der 68-jährige, der in Barcelona lebt, ist ein Weltenbummler. Seit Jahrzehnten bereist er immer wieder die entlegendsten Gebiete fremder Kontinente. Ihn interessieren nicht die großen Städte, sondern die Lebensweise der Ureinwohner in ihren Stammesgebieten.

Nach Äthiopien reiste er nun schon das vierte Mal – und zwar nicht mit einer großen Gruppe, sondern allein mit seiner Tochter, die in der Reisebranche tätig ist. Ziel war die Durchquerung der Danakil Depression und als Höhepunkt die Besteigung des Vulkans Ertale, knapp 500 Kilometer von der Hauptstadt Addis Abeba entfernt.

Auf die Frage, warum es ihn in lebensgefährliche Gegenden ziehe, schüttelt Mengel den Kopf. Er bereite seine Reisen monatelang vor, um jedes Risiko auszuschließen. „Die Gegend am Ertale-Krater wird von vielen Naturfreunden seit Jahren bereist, es hat nie Probleme geben. Es gab auch keine Warnung des Auswärtigen Amtes.“

Und falls er doch einmal in Schwierigkeiten geraten würde, setzt er dann darauf, dass die Bundesregierung ihn schon rausholt? Darauf will er es erst gar nicht ankommen lassen. In Krisengebiete reise er nicht: „Der Ertale wird sogar in Reisekatalogen angeboten.“

Was ist das nächste Ziel? Mengel lacht. Die nächste Reise soll auf dem Landweg von Bolivien über Panama nach New York führen. Auf der gleichen Route wie vor 40 Jahren, als er und seine Frau nach ihrer Tätigkeit als Entwicklungshelfer die Heimreise antraten.

Von Peter Ochs

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