Probleme in der Branche

Gastronomen in Kassel – „Wir mussten Filialen wegen Personalnot schließen“

Salvatore Strumbo
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Sucht Mitarbeiter: Salvatore Strumbo vom Il Teatro

In Kassel klagen Gastronomen über fehlendes Personal. Allgemein sei der Mangel an Fachkräften ein großes Problem in der Branche.

Kassel - Der Arbeitsmarkt scheint abgegrast: Jan Philipp Gresens, Geschäftsführer der Feinbäckerei Ruch, ist „erheblich auf der Suche nach Mitarbeitern“, wie er sagt. Kein Einzelfall. Die Rosdorfer Bäckereikette Ruch, die auch ein Dutzend Filialen im Raum Kassel betreibt, musste bereits Standorte zeitweise schließen und Öffnungszeiten einschränken, weil das Personal fehlte. „Das ist ärgerlich, denn wir wollen unsere Backwaren schließlich verkaufen“, sagt Gresens, der 600 Mitarbeiter beschäftigt.

Von den 80 Ruch-Filialen – darunter auch einige die unter der zugehörigen Marke „Mannamia“ firmieren – seien bislang drei Standorte von Schließungen betroffen gewesen, in fünf Filialen mussten Öffnungszeiten reduziert werden. „Sofort kamen Nachfragen von Kunden, ob wir die Filialen dauerhaft schließen würden“, sagt Gresens. Dem sei natürlich nicht so. Es fehle schlicht das zuverlässige Personal.

Kassel: Bäckereikette bietet Bike-Leasing und zahlt über dem Mindestlohn

„Manchmal frage ich mich, wo die ganzen Menschen plötzlich hin sind“, sagt Gresens. Es gebe zwar immer noch eine Reihe von Bewerbungen, viele neu angelernte Mitarbeiter würden aber bereits nach kurzer Zeit wieder abspringen. Dies sei früher anders gewesen. „Dabei zahlen wir über dem Mindestlohn von 9,60 Euro.“ Das Gehalt staffele sich nach Erfahrung und Betriebszugehörigkeit.

Sie arbeiten für die Feinbäckerei Ruch: Francisca Ullrich (links) und Leylee Junk.

Zudem dürften die Mitarbeiter während der Arbeitszeit kostenfrei Ruch-Produkte verzehren und es gebe 50 Prozent Mitarbeiter-Rabatt bei Einkäufen. Auch biete man Bike-Leasing an. „Das alles sind weiche Faktoren, die eine Beschäftigung bei uns attraktiv machen“, sagt Gresens.“ Man stelle auch ungelerntes Personal ein. Was zähle, sei die Zuverlässigkeit der Mitarbeiter und die Identifikation mit dem Unternehmen.

Gastronom aus Kassel verlor Mitarbeiter an Amazon

„Im Moment sucht irgendwie komplett jeder“, sagt Salvatore Strumbo. Der Gastronom selbst ist seit August auf der Suche nach einer Servicekraft und einer Küchenhilfe für seine beiden italienischen Lokale an der Obersten Gasse. Mehrere Weggänge aus dem Team – unter anderem zum Versandhändler Amazon – sowie ein Krankheitsfall wirken sich dort schon seit Längerem auf den Betrieb aus.

Das Restaurant Il Teatro ist seit dem ersten Corona-Lockdown nicht mehr mittags geöffnet. Das sei erst wegen der Abstandsregeln nicht rentabel gewesen, aktuell aber sei fehlendes Personal der Grund, berichtet Strumbo: „Wir müssten uns totarbeiten, wenn wir das in der Familie auffangen wollten.“ Die dem Restaurant benachbarte Weinbar sei aus gleichen Gründen momentan komplett geschlossen.

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Kassel: „Mit dem Personal ist es eine Katastrophe im Moment“

Strumbo könnte eigentlich noch mehr als zwei Kräfte gebrauchen. Seine Personalsuche auf Jobportalen im Netz, in Sozialen Medien und per Mundpropaganda habe aber keinen Erfolg: „Mal passt es wegen unserer Arbeitszeiten nicht, mal sind die Leute komplette Quereinsteiger.“ Zum Thema Bezahlung komme er mit Interessenten gar nicht erst bei der äußerst geringen Resonanz bisher.

Da sei sein Betrieb aber kein Einzelfall, weiß der Gastronom. Fast jeder Branchenkollege würde ebenfalls suchen, manche dächten aus Personalmangel über einen zusätzlichen Ruhetag pro Woche nach. Von seiner Frau, die im Modeeinzelhandel arbeitet, hört Salvatore Strumbo, dass die Probleme dort ganz ähnlich seien: „Mit dem Personal ist es eine Katastrophe im Moment.“ (Bastian Ludwig und Axel Schwarz)

Viele Gastro-Betriebe in Kassel setzen aufgrund der Corona-Pandemie auf die 2G-Zugangsregel. Auf der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel hat vor kurzem das Restaurant Green Panda eröffnet.

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