„Wir schneiden den Finger ab“

Wettbüro-Prozess: Opfer berichtet von wüsten Drohungen

Kassel. „Siehst du dieses Messer? Damit werden wir dir den Finger abschneiden!“ Mit dieser Drohung war ein Kasseler Wettbürobetreiber im Juli vergangenen Jahres gezwungen worden, Strafgeld zu zahlen und sein Geschäft aufzugeben. Am Montag sagte der 34-Jährige als Zeuge in dem Prozess gegen seine drei Peiniger und ihren Auftraggeber aus.

Der 34-Jährige hatte laut Anklage ein Wettbüro von dem 42-jährigen Angeklagten übernommen. Der 42-Jährige war damit wohl nicht einverstanden und wollte nach seiner Entlassung aus der Haft nicht nur sein Geschäft zurückhaben, sondern auch das Monopol im Wettbetrieb erlangen. So berichtete es auch der 34-Jährige am Montag. Schon vor dem Tattag habe es ein Treffen mit dem 42-Jährigen gegeben, bei dem es um die Übernahme von Büros ging.

Am Tattag sei er per Telefon zu einem Treffen mit drei der Angeklagten zitiert worden. Die drei hätten ihn in ein Auto gebeten und seien zur Wohnung des 27-Jährigen gefahren. Schon in der Tiefgarage „vermutete ich, dass etwas passieren wird“. Die Vorahnung bestätigte sich. Kaum dass er ausgestiegen war, sei er geschlagen und getreten worden. Der 28-Jährige habe sein Bein gepackt. Der 27-Jährige habe per Handy den 42-Jährigen gefragt: „Sollen wir es brechen oder nicht?“

Als die drei mit ihrem Opfer in der Wohnung angekommen seien, habe der 27-Jährige eine Folie ausgelegt, mit dem Hinweis darauf, den Boden nicht mit Blut verschmutzen zu wollen. Danach habe er mit seinem Gürtel auf den 34-Jährigen eingeschlagen. Und dann sei die Drohung gekommen, ihm den kleinen Finger abzuschneiden - so wie es bereits bei einem anderen Wettbürobetreiber geschehen sei. Dessen Blut klebe noch an der Klinge. Der 42-Jährige, so wurde die Drohung begründet, wolle das Monopol im Wettgeschäft in Kassel und werde weitere Bürobetreiber mit Gewalt zwingen, ihm ihre Geschäfte zu überlassen.

Der 27-Jährige habe ihm sein Handy abgenommen, auf dem sich Fotos seiner Kinder und seiner Frau befunden hätten. Wenn er zur Polizei gehe, würde seiner Familie Leid angetan, lautete eine weitere Drohung. Er sei aufgefordert worden, 25 000 Euro zu zahlen - als „Strafgeld“. Er habe beteuert, so viel Geld nicht beschaffen zu können. Mit vorgehaltenem Messer sei er gezwungen worden, Bekannte anzurufen, von denen einer endlich 10 000 Euro in bar bereitstellen konnte. Ein Angeklagter habe das Geld abgeholt.

Zwei der Angeklagten fuhren ihn ins Marienkrankenhaus, wo er mit diversen Verletzungen ankam. Er wollte trotzdem sofort entlassen werden, habe aber auf dem Weg nach Hause heftige Schmerzen verspürt, sodass er ins Klinikum gebracht wurde. Dort sei er von dem 42-Jährigen besucht worden. Auf seine Frage, weshalb ihm das angetan worden sei, habe der 42-Jährige geantwortet, dass er kein Geld bekommen und auch nicht gewusst habe, dass seine Handlanger den 34-Jährigen derart misshandelt haben. Er habe klargestellt, dass nur er allein erlaube, wer welche Wettbüros betreibt.

Am 2. Juni soll der Prozess fortgesetzt werden.

Von Ralf Pasch

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