Teppichbahner trafen sich in Kulturfabrik Salzmann: „Wir sind alle Tüftler“

Täuschend echt: Die Besucher Tobias Heise (links) mit seinem Sohn und Sabrina Seitz mit Sohn Luca (10) sind von den Modellen beeindruckt. Foto: Konrad

Kassel. Teppichbahning könnte man es als Extremform des Spielens mit Modelleisenbahnen bezeichnen. Zum dritten Mal haben sich Teppichbahner aus ganz Deutschland nun in Kassel getroffen.

In der Kulturfabrik Salzmann hatten sie eine Modellbahnanlage mit einer Strecke von einem halben Kilometer Länge aufgebaut und dem Publikum präsentiert. Züge mit einer Länge bis zu sechs Metern verkehrten von einem großen Knotenbahnhof aus über das Streckennetz. Das zog sich über drei Räume. „Wir mussten sogar an zwei Stellen die Wand durchbrechen“, sagte Veranstaltungsleiter Florian Kopetzki aus Kassel.

Aufbau in einer Woche

Gut eine Woche hat der Aufbau gedauert. Vorausgegangen war ein Planungsworkshop an Ostern. Geschlafen haben die 25 Teilnehmer zum Teil neben den Gleisen oder im Wohnwagen. Doch die Arbeit habe sich gelohnt, sagt der Teppichbahner Nopag, der im richtigen Leben Norbert Ortlieb heißt und aus Schwaben kommt.

Dass es sich gelohnt hat, findet auch Besucher Tobias Heise aus Kaufungen. Ihn hat vor allem die elf Meter lange Schrägseilbrücke beeindruckt, über die neben Zügen auch Miniatur-Autos wie von Geisterhand fuhren. „Es ist schon toll, so etwas für einen Tag auf die Beine zu stellen“, sagt er. Eine Woche Arbeit für einen Tag? Das ist das Wesen des Teppichbahnings. „Wir sind alle Tüftler, es macht uns einfach Spaß“, sagt Sebastian Depke aus Koblenz.

Der 26-Jährige, der mit Kopetzki die Schrägseilbrücke gebaut hat, hat zusätzlich einen Containerterminal konstruiert, der vollautomatisch funktioniert und in Kassel Premiere hatte. Unzählige Arbeitsstunden und zudem Kosten weit im dreistelligen Bereich hat er mit einem Freund in den Bau gesteckt.

Mehr zur Kulturfabrik Salzmann im Regiowiki.

„Für uns sind die Dinge interessant, die man nicht kaufen kann“, beschreibt er die Motivation, die viele Teppichbahner antreibt. Im Internet hat er sogar ein Videotagebuch (Stichwort „Plastikschnitzer“ auf Youtube) über die einjährige Bauphase des Terminals veröffentlicht. Etwa 40-mal hat sich die Teppichbahner-Gemeinde bisher zu solchen Veranstaltungen getroffen. Die in Kassel gehört zu den größten. „In der Regel finden sich etwa zwölf bis 15 Leute zusammen und bauen gemeinsam eine Anlage auf“, sagt Kopetzki. Weil sie den größten Teil der Gleise selbst gebaut hatten, war die Anlage in Kassel für alle Modelle geeignet. Damit alles reibungslos funktionierte, wurde die Anlage laut Betriebsleiter Hannes Ortlieb aus Dresden von vier digitalen Zentralen aus gesteuert.

Von Mirko Konrad

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