1. Startseite
  2. Kassel

Vandalismus in Kassel-Oberzwehren: TSV-Fußballer fühlen sich von Stadt im Stich gelassen

Erstellt:

Von: Ulrike Pflüger-Scherb

Kommentare

Der TSV Oberzwehren werde von der Stadt Kassel benachteiligt: Das sagt Carsten Becker, Jugendleiter der Abteilung Fußball. Hinter ihm sind frische Spuren vom jüngsten Einbruch in das Vereinsgebäude zu sehen.
Der TSV Oberzwehren werde von der Stadt Kassel benachteiligt: Das sagt Carsten Becker, Jugendleiter der Abteilung Fußball. Hinter ihm sind frische Spuren vom jüngsten Einbruch in das Vereinsgebäude zu sehen. © Ulrike Pflüger-Scherb

Die Fußballer des TSV Oberzwehren klagen über unhaltbare Zustände auf dem Sportgelände am Heisebach.

Kassel – Der TSV Oberzwehren sieht sich derzeit nicht mehr in der Lage, weiteren Fußballsport im Stadtteil anzubieten. „Es ist zwar äußerst traurig, dass es mit einem Kasseler Traditionsverein soweit kommen musste, insbesondere, da wir mittlerweile zehn Jugend- und zwei Seniorenmannschaften auf die Beine gestellt haben. Aber wir sind ausgebrannt“, sagt Carsten Becker. Er ist der Jugendleiter für die Abteilung Fußball des Vereins.

Grund für den Frust von Becker und den anderen Verantwortlichen sind die „unhaltbaren Zustände“, die seit vielen Jahren auf dem Sportplatz des Vereins herrschen, der zwischen der Brückenhofsiedlung und dem Mattenberg liegt. Da das Sportgelände am Heisebach Tag und Nacht zugänglich ist, das Haupttor seit Jahren kein Schloss mehr hat, könne sich jeder dort aufhalten.

Becker zählt auf: Dort tummelten sich diverse Freizeittruppen (ohne Vereinsanbindung), Spaziergänger ließen ihre Hunde frei laufen. Die Folge seien Kot und Löcher im Rasen. Familien picknickten auf dem Rasenplatz und ließen ihren Müll zurück. Es werde gezeltet und gegrillt. Bitte man diese Leute höflichst, das Gelände zu verlassen, werde man beschimpft, angepöbelt oder sogar tätlich angegriffen, sagt Becker, der als Arzt in Baunatal arbeitet. Nachts würden sich viele Jugendliche auf dem Gelände aufhalten. Sie ließen Urin, Erbrochenes und Scherben von Spirituosen zurück. Nicht selten finde man Besteck von Heroinsüchtigen.

Neben der Verunreinigung werde alle paar Wochen in die Räume des Vereinsheims eingebrochen. Vergangene Woche sei erst die Schiedsrichterkabine aufgebrochen worden, sagt Becker.

Seit Jahren verspreche die Stadt Kassel, dass das Haupttor wieder mit einer Schließanlage versehen sowie die Aufgänge vonseiten der Brückenhofsiedlung und des Mattenbergs vergittert würden, so Becker. „Aber nichts passiert.“

Der Stadt Kassel seien die Beschwerden bekannt, teilt ein Sprecher der Stadt mit. Zu den Themen habe es bereits mehrere Gespräche zwischen dem Sportamt und dem Vorstand des TSV 1891 Oberzwehren sowie mit dem Amt für Hochbau und Gebäudebewirtschaftung gegeben, zuletzt im November 2022. Dabei sei vereinbart worden, dass das Hauptzugangstor mit einem Schließzylinder versehen werden soll. Zudem habe man beschlossen, dass die Aufgangsbereiche zu den Vereins- und Funktionsräumen mit einem verschließbaren Gitter versehen werden. Demnächst sollen beide Vorhaben umgesetzt werden, so der Sprecher. Ein genaues Datum nennt er nicht.

Jugendleiter Carsten Becker kritisiert aber nicht nur die fehlenden Schlösser. Seit Jahren werde dem TSV Oberzwehren versprochen, dass er einen Kunstrasenplatz bekomme. Angeblich stehe man auf einer Warteliste. „Anscheinend rutschen wir aber immer wieder nach unten. Auch diese Vergabekriterien der Stadt sind für uns nicht transparent“, sagt Becker. Mit Blick darauf, dass die Jugendabteilung des TSV besonders aktiv bei der Integration von Flüchtlingskindern in den sozialen Brennpunkten Brückenhof und Mattenberg sei, könne er das nicht nachvollziehen. Seiner Ansicht nach werde Oberzwehren benachteiligt. „Die Flüchtlingskinder spielen alle hier, nicht in Bad Wilhelmshöhe.“

Wann die Sportanlage einen Rasenkunstplatz bekommt, stehe noch nicht fest, teilte der Sprecher der Stadt gegenüber der HNA mit. Für den kommunalen Sportstättenbau gebe es eine Dringlichkeitsliste, die die Reihenfolge regele. Der Umbau eines Rasenspielfeldes der Sportanlage Heisebach in ein Kunstrasenspielfeld stehe auf dieser Liste an Position 4. Die Umsetzung sei allerdings abhängig von den „verfügbaren Ressourcen und der haushalterischen Situation der Stadt Kassel“. (use)

Auch interessant

Kommentare