„Wir sind keine Quatschmacher“

Kommunalwahl in Kassel: Jennifer Rieger tritt für Die PARTEI an

Mit Islandhund Neo in der Sonne: Jennifer Rieger vor der Orangerie in der Karlsaue.
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Mit Islandhund Neo in der Sonne: Jennifer Rieger vor der Orangerie in der Karlsaue.

Vor der Kommunalwahl am 14. März 2021 stellen wir die Spitzenkandidaten der einzelnen Listen vor, die in Kassel antreten. Hier: Jennifer Rieger (Die PARTEI).

Kassel – Verstärkung hat sie mitgebracht. Den kleinen Neo. Ein wuscheliger, aufgeweckter Islandhund, gerade einmal zwölf Wochen alt. Passanten, die vor der Orangerie spazieren gehen, können den Blick nicht abwenden. Der ist aber auch süß. „Vor Kurzem ist er bei uns eingezogen“, sagt Jennifer Rieger. Kratzer auf ihrer Hand zeigen, dass die Zähnchen eines Welpen schon verdammt scharf sein können.

Tiere: Ein wichtiges Thema im Leben der Spitzenkandidatin, die für die Satire-Partei Die PARTEI bei der Kommunalwahl antritt. Rieger erinnert daran, den Namen bitte komplett in Großbuchstaben zu schreiben, sie hießen ja die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative. Wäre das auch geklärt.

Aber zurück zu den Tieren. Im Hause Rieger fühlen sich neben Neo auch zwei Katzen heimisch, ein Pferd besitzt die 34-Jährige ebenfalls, das steht allerdings in einem Stall. Und dieser kleine Zoo, wie sie sagt, sei nicht zuletzt der Grund für ihre Naturverbundenheit. Sie sei gern draußen, deswegen habe sie als Treffpunkt die Aue gewählt, die grüne Oase mitten in der Stadt. Rieger blinzelt gegen die tief stehende Sonne an und blickt in den Park: „Zu meinen schönsten Momenten gehört, wenn ich mit meinem Pferd durch den Wald reite“, sagt die Frau, die im Kasseler Jobcenter ihr Geld verdient. Dort hat sie auch ihre Ausbildung zur Fachangestellten für Arbeitsförderung gemacht.

Ansonsten spielt sich viel von Riegers Leben in Bettenhausen ab. Dort ist sie aufgewachsen, dort hat sie die Eichendorff-Schule besucht, und dort hat sie mit Ehemann Lucas ein Haus gebaut, direkt neben den Eltern. Familie sei ihr extrem wichtig. Sie bräuchte nicht viel, sagt Rieger: „Es geht darum, was du erlebst, und vor allem, mit wem du das erlebst.“

In ihren Klamotten könnte sie glatt als Frontfrau einer Punkband durchgehen. Blaue Jeans, Adidas-Sneaker Modell Samba, und oben ihr typisches Die-PARTEI-Outfit, bestehend aus grauem Sakko, blauem Hemd und roter Krawatte. Eine Art Hommage an die Geburtsstunde der Partei, als 2003 Redakteure des Satire-Magazins Titanic loszogen und Wahlkampf betrieben für Gerhard Bökel, den damals völlig unbekannten SPD-Spitzenkandidaten bei der hessischen Landtagswahl.

Politik: Hat sie seit jeher interessiert. Ihr gefällt das Konzept von der PARTEI, die alles, nun ja, nicht so bierernst nimmt. Erst vor zwei Jahren wird Rieger Mitglied: „Ich kann ja nicht nur zu Hause sitzen und motzen“, erklärt sie heute. Mit ihrem Mann könne sie wunderbar über Politik diskutieren. Auch ganz ohne Witz und Augenzwinkern. Und natürlich könne sie ernst sein. „Wir sind keine Quatschmacher“, sagt Rieger und bezieht ihre Partei-Kollegen mit ein. Aber, und jetzt grinst sie verschmitzt, die Chance auf eine gut platzierte Pointe lasse sie sich selten entgehen.

Und überhaupt. Sie wisse, dass Satire heutzutage ein schmaler Grat ist. Aber noch schlimmer wäre es, sie komplett zu lassen. Rieger kommt in Fahrt. „Ja“, sagt sie, „Realpolitik ist nicht unbedingt unsere Baustelle.“ Doch sie würden den anderen auf die Finger schauen, mit Humor auf Missstände hinweisen, wollten Interesse wecken und im besten Fall junge Menschen für Politik begeistern.

Um einen weiteren Punkt zu nennen, der sie antreibt, verwendet sie ein Zitat des Parteigründers Martin Sonneborn, Mitglied des EU-Parlaments: „Die verfickte AfD ärgern.“ Das hätte jetzt tatsächlich aus einem Punklied stammen können.

Bei der Reihenfolge der Porträts orientieren wir uns an der Reihenfolge der Listen auf dem Wahlzettel. Morgen stellen wir Bernd Hoppe von „Rettet die Bienen“ vor.

Von Robin Lipke

Hinweis in eigener Sache: Wir haben allen Kandidaten angeboten, dass sie sich auch im Video vorstellen. Frau Rieger hat dieses Angebot nicht wahrgenommen.

Alle Kandidatenporträts finden Sie hier.

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