Gewerkschaft der Lokführer will Druck auf Betreiber Cantus aufrechterhalten

„Wir streiken weiter“

Wollen gleiches Geld für gleiche Arbeit: Thomas Hupfeld, GdL-Bezirksvorsitzender (links), und der stellvertretende Bundesvorsitzende der GdL, Norbert Quitter, gestern vor streikbereiten Lokführern. Foto:  Fischer

Kassel. Viele Bahnkunden, die zwischen Kassel und dem Umland pendeln, reagieren zunehmend genervt. Am Mittwoch sind wieder zahlreiche Züge der privaten Cantus-Eisenbahngesellschaft ausgefallen. Seit Februar streiken die Lokführer immer wieder.

Wie lange noch? Auch darum ging es gestern Abend bei einer Infoveranstaltung der Lokführer-Gewerkschaft (GdL) in der Gaststätte Schillereck (Nordstadt). Die klare Botschaft: „Wir wollen einen Flächentarifvertrag, es muss Schluss sein mit dem Lohndumping“, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der GdL, Norbert Quitter. Einige private Anbieter hätten das Drücken der Lohnkosten zum Geschäftsmodell erklärt. Das werde man sich nicht länger bieten lassen, sagte er und bekam dafür Applaus von 35 Lokführerinnen und Lokführern.

Kritik an Anteilseigner

Nicht alle arbeiten bei Cantus. Auch von Beschäftigen der Deutschen Bahn gab es Unterstützung. Bislang liege das Grundgehalt der 60 Cantus-Lokführer mit 2100 Euro brutto im Monat (ohne Zuschläge) 300 Euro unter dem der Kollegen bei der Deutschen Bahn, so die Gewerkschaft. Es gehe aber nicht nur ums Geld, sondern auch um die Sicherung des Arbeitsplatzes bei einem Betreiberwechsel. An der Cantus-Verkehrsgesellschaft sind jeweils zu 50 Prozent die Hessische Landesbahn (HLB) und BeNEX, ein Tochterunternehmen der Hamburger Hochbahn, beteiligt. „Mit der HLB wären wir längst einig, es hängt an BeNEX mit seinem englischen Teilhaber“, sagt der GdL-Bezirksvorsitzende Thomas Hupfeld.

Sowohl mit dem privaten Anbieter Vectus, der Bahnlinien im Bereich Westerwald betreibt, als auch mit der HLB in Südhessen gebe es bereits Vereinbarungen. Lediglich Cantus sperre sich dagegen. Die GdL ist nach Angaben ihrer Spitzenfunktionäre für weitere Auseinandersetzungen gerüstet. „Unsere Streikkasse ist voll, wir halten das noch sehr lange aus“, sagt Thomas Hupfeld. Den Ärger der Bahnkunden kann er zwar nachvollziehen. „Wir haben aber ein Ziel vor Augen, das meiner Meinung nach völlig legitim ist“, sagt er. Die GdL in Kassel habe 350 Mitglieder mit nach Angaben der Gewerkschaft steigender Tendenz. An dem Ausstand bei Cantus beteiligen sich laut GdL täglich 15 bis 20 Lokführer.

Aller Voraussicht nach gilt deshalb auch heute der Notfahrplan für die Strecken zwischen Kassel, Fulda, Göttingen, Bebra, Eschwege und Eisenach, wonach täglich 102 der planmäßig 164 Cantus-Züge ausfallen. Nach Schätzungen des NVV sind an jedem Streiktag bis zu 2000 Fahrgäste betroffen.

Kontakt und Infos zum Fahrplan: NVV, Tel. 01 80 / 234 01 80, www.nvv.de

Von Thomas Siemon

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