Aufführung von L‘ultimo sogno“

Im Kasseler Opernhaus gab es die erste Premiere seit dem Corona-Lockdown

Leere Ränge: Im Opernhaus waren zur Opernpremiere am Samstag nur 75 Prozent der Plätze zugelassen. 165 Gäste hatten eine Menge Platz.
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Leere Ränge: Im Opernhaus waren zur Opernpremiere am Samstag nur 75 Prozent der Plätze zugelassen. 165 Gäste hatten eine Menge Platz.

Kassel – Wie geht das: Premieren-Genuss in einem zu 75 Prozent leeren Opernhaus? Wie fühlt sich das an? An einem besonderen Abend, an dem sich viele Menschen schön anziehen, das Sehen und Gesehenwerden genießen und vor allem in der Pause bei Brezel und Getränk mit den anderen Besuchern über die Aufführung diskutieren möchten? In Kassel war die Freude über das Live-Erlebnis der Oper „L‘ùltimo sogno“ nach der langen Corona-Pause groß.

Nur unter strengen Corona-Maßnahmen, mit Masken und profanen Desinfektionsmittelspendern am Eingang konnte die Uraufführung der Oper „L’ultimo sogno – Der letzte Traum“ mit Musik von Giuseppe Verdi und Carlo Ciceri überhaupt über die Bühne gehen. So viel sei verraten: Das Publikum war von dem Einakter nicht nur begeistert – es war am Samstagabend schlicht glücklich, nach so langer coronabedingter Abstinenz wieder in der Oper sein zu dürfen.

„Wir waren schon richtig ausgehungert“, sagt Hansgeorg Kling, leidenschaftlicher Opernfan und Vorsitzender des Richard-Wagner-Verbands: „Es fühlt sich an wie eine Befreiung.“ Seit der Lockerung des Lockdowns habe er – mit den gegebenen Einschränkungen – „alles wahrgenommen, was möglich war“, von kleineren Konzerten bis zum Sinfoniekonzert. „Man entbehrt das Live-Erlebnis sehr, wenn man es gewöhnt ist“, sagt er.

Großer Tag: Aus Bad Dürkheim ist die Familie des Opernregisseurs Bruno Klimek angereist, um mit einer Kasseler Freundin, der Mezzosopranistin Julia Juon (Vierte von links), die Uraufführung zu feiern. Von links: Jonas Klimek, Julia Orth, Heidi Klimek, Julia Juon und Elias Klimek.

Auch Anne und Günther Noetzel sind begeistert, im Opernhaus endlich wieder eine Oper zu hören. Das letzte Mal war das in der Premiere von Wagners Götterdämmerung am 7. März. Gleich danach kam der Lockdown, alles, auch die Theater, wurde geschlossen. „Das war eine echte Dürre“, beschreibt Günther Noetzel die vergangenen Monate. Dass jetzt nicht alle Freunde zur Premiere anwesend sein können – nur die ersten bekamen Karten, die anderen Abonnenten müssen zu reduzierten Preisen auf die anderen Vorstellungen ausweichen – finden die Noetzels schade. In diesen Zeiten müsse man schnell sein: Deshalb haben sie sich für die nächste Premiere im Oktober, für die Rossini-Oper „La Cenerentola“, jetzt schon die Karten besorgt.

„Ich bin froh, überhaupt wieder unter die Menschen zu kommen“, sagt auch Edda Breithaupt: „Das war nach so langer Zeit dringend nötig.“

Einen Vorteil hatten die Corona-Auflagen für die 165 Besucher im Großen Haus durchaus: Platz. Jeder konnte zwei Sesselarmlehnen für sich alleine beanspruchen. Niemand musste auf dem Stuhl hin- und herrutschen, weil davor ein Sitzriese Platz genommen hatte: Jeder Gast hatte so viel freie Sicht wie nie. Dafür gaben sich auch alle beim Applaus große Mühe, so laut und intensiv zu klatschen, dass es fast so klang, als seien 500 Gäste im Saal. Zahlreiche Bravo-Rufe schallten in Richtung Bühne.

„Das haben Sie richtig gut gemacht“, lobte Staatstheaterintendant Thomas Bockelmann die Theaterbesucher während der Premierenfeier.

Am Theater Wiesbaden dürften 50 Prozent der Sitzplätze besetzt werden, erzählte er. „Mal schauen, ob wir da nicht auch bald hinkommen.“ »  (Christina Hein)

Kein Andrang am Buffet: Edda Breithaupt (links) und Ingeborg Horn holen sich bei Nadja Ahmad (Mitte) Getränke.

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