Unternehmer Lukasz Gadowski bringt in Kassel Schülerforschungsnetzwerk Deutschland auf den Weg

„Wir wollen inspirieren und nicht reden“

Lukasz Gadowski
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Lukasz Gadowski

Vom Schülerforschungszentrum Nordhessen zum Schülerforschungsnetzwerk Deutschland: Der Lehrer im Ruhestand Klaus-Peter Haupt hat große Pläne für Jungforscher. An seiner Seite steht der Sponsor Lukasz Gadowski, ein ehemaliger Schüler.

Das Tempo ist eindrucksvoll: Erst vor wenigen Monaten wurde die Idee öffentlich gemacht, in Kassel nach dem Vorbild des Schülerforschungszentrums Nordhessen (SFN) ein noch breiter aufgestelltes Schülerforschungsnetzwerk Deutschland (SFN-D) zu gründen. Jetzt nimmt das Vorhaben konkrete Gestalt an. Ein qualifizierter ehrenamtlicher Geschäftsführer ist bereits gesetzt: CEO Klaus-Peter Haupt, der pensionierte Gründer des SFN brennt für das neue Projekt mit dem zusätzlichen D im Namen und zieht sämtliche Register. Eine attraktive Adresse in der Kasseler City mit Platz und geeigneten Räumen für das Zentrum haben Haupt und sein Team schon ins Auge gefasst. Feststeht: Im April soll es mit dem Betrieb losgehen.

Motor und Financier für das Projekt SFN-D ist der aus Kassel stammende international agierende Investor und Unternehmer Lukasz Gadowski. Er war an der Albert-Schweitzer-Schule Schüler von Klaus-Peter Haupt und ist in den vergangenen Jahren mehrmals als Großsponsor des SFN in Erscheinung getreten.

Als Unternehmer ist der 44-jährige Gadowski – laut Wirtschaftswoche „eine der wichtigsten Figuren der deutschen Gründerszene“ – äußerst erfolgreich. Unter anderem hatte er 2011 in Berlin den Lieferdienst Delivery-Heroes gegründet, der es bald in den Dax geschafft hatte, und 2020 einen Jahresumsatz von 2,5 Milliarden Euro verzeichnete.

Wir führten mit Lukasz Gadowski ein Interview:

Wann und wie ist Ihnen eigentlich die Idee gekommen, mit Klaus-Peter Haupt ein SFN-D nach dem Vorbild des Schülerforschungszentrums Nordhessen aus der Taufe zu heben?
Das ist graduell entstanden über meine Unterstützung für das SFN Kassel. Ich bin mit meiner Firma einer der Sponsoren. Ich war selber Schüler von Klaus-Peter Haupt und habe verfolgt, wie er das SFN gegründet und geleitet hat. Das hat mich sehr beeindruckt. Es gab nicht den Moment, in dem die Idee für das SFN-D entstanden ist. Vielmehr waren wir immer in Kontakt, und der Plan entstand in unseren Gesprächen nach und nach. Jetzt ist es so, dass Klaus-Peter Haupt das SFN-D mit seiner immensen Erfahrung aufbaut. Wir leisten die Anschubfinanzierung und wollen das Projekt dann auf breite Schultern stellen.
Wenn Sie die Augen schließen und sich das SFN-D vorstellen, was sehen Sie dann?
Ich sehe vor allem glückliche und zufriedene Kinder, die stolz darauf sind, forschend gelernt zu haben. Ich sehe das Future Space, Räume, in denen Schülergruppen zusammen mit den Coaches und Lehrern, die neue didaktische Prinzipien verfolgen, Spaß am Ausprobieren, Forschen und Lernen haben.
Fehlt das unserem Schulsystem?
Wir haben ein gutes Schulsystem, auf das wir stolz sein können. Aber es findet eine Evolution statt. Was Klaus-Peter Haupt ausmacht, ist sein respektvoller Umgang mit den Schülerinnen und Schülern. Er akzeptiert, dass sie unterschiedliche Interessen und Fähigkeiten haben. Diesen Kindern und Jugendlichen mit dem SFN einen Raum zur Entfaltung zu bieten, ist sein großer Verdienst. Es ist nicht so, dass wir ein Defizit von Schule ausfüllen wollen, vielmehr ist es eine Weiterentwicklung von Schule. Wir wollen auf die nächste Stufe zusteuern.
Was ist das Ziel?
Es gibt gar kein hochgestecktes Ziel. Wir wollen, dass unser Future Space mit Leben gefüllt wird. Wir werden Sommercamps anbieten, Lehrerfortbildungen, und über Kassel hinaus wird es ein großes digitales Angebot geben. Wir wollen einen Beitrag leisten zur Evolution unseres Bildungssystems. Wir haben unser Ziel erreicht, wenn eine große Zahl an Schülern sagt: Das hat mich bereichert und mir geholfen, mich zu entwickeln. Zur Evolution unseres Bildungswesens gehört – als Gegenstück zum Alphabetismus des 19. Jahrhunderts –, dass wir heute im Informationszeitalter leben; darauf müssen wir reagieren.
Mit Angeboten aus den Mint-Fächern?
Wir wollen die Schüler da abholen, wo ihr Interesse beginnt. Das Besondere, was ich an KP Haupt schätze: Er sagt nicht: Alles andere neben den Mint-Fächern ist unwichtig. Es entspricht vielmehr unserer Philosophie, dass wir allem gegenüber aufgeschlossen sind, ob es Geisteswissenschaften sind oder Sport. Wir wollen keine Elitenförderung, wollen nicht die Besten rauspicken, wir wollen Breitenwirkung. Der Starke wird unterstützt, aber auch der Schwächere wird auf das Niveau gebracht, das ihm angenehm ist. Wir wollen Selbstbewusstsein geben. Es soll eine Bewegung entstehen, eingebettet in neue Technologien, vor allem online. Letztlich wollen wir inspirieren und gar nicht so viel reden, sondern machen.
Sie sind ein sehr erfolgreicher Investor mit gutem Gespür. Warum sind Sie vom Erfolg des SFN-D überzeugt?
Es ist ja ein Sozialprojekt, eine Non-Profit-Unternehmung mit Service-Charakter. Trotzdem muss das Produkt natürlich gut sein. Und das ist es, das hat KP Haupt bewiesen: Das Unternehmen SFN ist super. Es hat Kredibilität bewiesen. Und letztlich: Das Produkt wird gebraucht. Die Zeit dafür ist reif. Wir als Team Global wollen einige ergebnisorientierte Prinzipien aus der Wirtschaft anwenden. So können wir die Fokussierung des Schülerforschungsnetzwerks Deutschland bestärken. Ansonsten ist das ein Projekt fürs Gemeinwohl ohne Gewinnerzielungsabsichten. Es geht um glückliche gebildete Leute. Ich glaube daran, dass eine gute Schulzeit zum Glück beiträgt. Wir wollen bei Kindern und Jugendlichen das Selbstbewusstsein stärken und unabhängiges Denken fördern.
Welche Rolle werden Sie spielen?
Zum einen als Unterstützer, indem wir für die Anschubfinanzierung sorgen. Dann, indem wir unser Wissen einbringen, wo es um Unternehmertum geht. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dass es sich hier um ein gesellschaftliches und soziales Projekt handelt. Meine Mission und die von Team Global ist, eine bessere Welt durch Technologie und eine friedliche Zusammenarbeit weltweit zu schaffen. Frieden und ein respektvoller Wettbewerb sind mir wichtig. Aber ich spiele auch gerne die Rolle eines Schülers und lerne eine Menge, nicht zuletzt weil Klaus-Peter Haupt eine inspirierende Führungsperson ist.
Könnte das SFN-D dem SFN Konkurrenz machen?
Nein, da wird es keinerlei Konkurrenzsituation geben. Das SFN wird weiterhin ein beliebter Anlaufpunkt für Schülerinnen und Schüler sein, die mit ihren Ideen und Forschungen in die Tiefe gehen wollen. Das SFN-D ist auch ein Angebot für Lehrer. Beides unterstützt und ergänzt sich.

Lukasz Gadowski (44), 1977 in Prudnik/ Polen geboren, besuchte in Kassel die Albert-Schweitzer-Schule, wo er 1997 Abitur machte. Er studierte Wirtschaftsinformatik in Paderborn sowie Wirtschaft in Mannheim und Leipzig. Am Georgia Institut of Technology in Atlanta/USA forschte er zum Thema Halbleiter. Seine Diplomarbeit verfasste er über Speicherbausteine. Es folgten Aktivitäten in der Gründerszene. Gadowski ist Mitgründer von Spread Group einer Dachmarke von E-Commerce-Plattformen und er hatte Anteile am Social-media-Pionier StudiVZ. 2011 gründete er in Berlin den Lieferdienst Delivery-Heroes, der bald Dax notiert war. Seit 2016 investiert er in „Luftfahrt der nächsten Generation“ und in saubere Energien. Gadowski lebt in Berlin, wo seine Technology-Holding Team Global ansässig ist.

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