Wird Kassel-Calden mit Billigfliegern punkten?

Flughafen Paderborn im Abendlicht: Die Ostwestfalen fürchten, dass sich mit dem Ausbau des Flughafens Kassel-Calden der Wettbewerb weiter verschärft.

Kassel. Flughafen Kassel-Calden eine Erfolgsgeschichte? Im Gegensatz zu Hessens Landesregierung ist Elmar Kleinert sehr skeptisch. Gut, könnte man sagen, es gehört zu seinem Job, den Konkurrenten schlechtzureden - schließlich ist der 50-jährige Westfale Geschäftsführer des Flughafens Paderborn.

Aber Kleinert kann seine Skepsis auch argumentativ untermauern.

Der Luftfahrt-Manager befürchtet, dass es mit der Eröffnung Caldens zu einem „Subventions-Wettlauf“ kommt. Der Flughafen Dortmund, ähnlich groß wie Calden und Paderborn, schreibe seit Jahren hohe Verluste - 2009 beispielsweise waren es 24 Millionen Euro, 2010 knapp 20 Millionen. In Dortmund sei der Flugverkehr durch Niedrigentgelte „künstlich stimuliert“ worden, sagt Kleinert: Es wurden Passagiere angelockt durch Billigflieger. Easy Jet zahle in Dortmund etwa drei Euro Gebühr pro Fluggast. Air Berlin müsse in Paderborn 16 bis 17 Euro zahlen, so arbeite der Flughafen kostendeckend.

Auch die EU prüft mittlerweile die Subventionierung des Flugbetriebs in Dortmund: Die Stadtwerke gleichen dort die jährlichen Millionenverluste aus. Dabei könnte es sich um eine unzulässige Beihilfe handeln.

Kleinert befürchtet, dass auch in Calden der Flugverkehr durch Subventionen und Billigflieger auf den Weg gebracht werden muss. Nach seiner Einschätzung haben die etablierten Fluggesellschaften kein großes Interesse an dem neuen Regionalflughafen, dessen Bau mindestens 225 Millionen Euro kosten wird.

Der Paderborner kann sich auch nicht vorstellen, dass die chinesische Gesellschaft Hainan Calden als Drehkreuz für ihre europäischen Passagierflüge nutzt. Das Land verhandelt seit einigen Monaten mit den Asiaten. Kleinert hatte in seiner früheren Funktion als Verkehrsleiter des Flughafens Tegel Hainan nach Berlin geholt und kennt die Chinesen nach eigenem Bekunden gut. „Ich halte es für möglich, dass Hainan innereuropäischen Frachtverkehr von Calden aus abwickelt, aber als Drehkreuz ist der Flughafen aus wirtschaftlicher Sicht nicht darstellbar, und für interkontinentale Frachtflüge ist die Start- und Landebahn zu kurz“, sagt Kleinert. Er kenne „niemanden, der Interesse an Calden äußert“.

Ein Vorteil Paderborns im Wettbewerb mit Calden sei es, dass es in Westfalen kein Nachtflugverbot gebe: „Das ist wichtig, damit Maschinen nachts zur Wartung oder zu neuen Einsatzorten gebracht werden können“, sagt Kleinert. Der Manager hofft, dass Calden sich die Entgeltordnung Paderborns zum Vorbild nimmt und und nicht auf subventionierte Billigflieger setzt - nur dann sei ein fairer Wettbewerb zwischen den benachbarten Airports möglich.

Eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit Calden sieht Kleinert nicht: „Darüber habe ich lange nachgedacht - aber keine Idee, wie so etwas aussehen könnte.“

Von Uli Hagemeier

Elmar Kleinert (50) stammt aus dem Kreis Höxter. Der Maschinenbau- und Wirtschafts-Ingenieur kennt aber auch Kassel sehr gut: Da er in seiner Jugend Leistungsschwimmer war, ist er drei Jahre lang beim CSK geschwommen und hat am Goethe-Gymnasium Abitur gemacht. In seiner Freizeit fliegt der Vater eines Sohnes als Hobbypilot selbst. Seit 2009 leitet er den Flughafen Paderborn, vorher war er Geschäftsfeldleiter für den Bereich Aviation bei den Berliner Flughäfen Tegel und Tempelhof. (hai)

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