Südstadt-SPD fordert: Weinbergbunker zu Museum machen

+
Faszination Unterwelt: Die Stollenanlage unter dem Weinberg - hier auf einer Aufnahme, die einen Rundumblick zeigt - weckt das Interesse von vielen Kasselern. Um sie dauerhaft zugänglich zu machen, bietet sich an, eine Art Museum einzurichten.

Kassel. Der Weinbergbunker soll ein Mahnmal für Krieg und Zerstörung in Kassel werden. Deswegen fordert die SPD Kassel Südstadt nun die dauerhafte Öffnung des Stollens und Bunkers sowie die Einrichtung eines Museums.

Der Stadthistoriker Heinz Körner ist überzeugt: „Für Kassel ging der Krieg am 4. April 1945 vor dem Weinbergbunker zu Ende.“ Damals räumten amerikanische Soldaten den Stollen, in dem zuvor Tausende von Kasselern ihr Leben vor den Bombardements der Stadt retten konnten.

Die dauerhafte Öffnung des Weinbergstollens und -bunkers sowie die Einrichtung eines Museums und Mahnmals fordert deshalb jetzt die SPD Kassel Südstadt, deren Vorsitzender Körner ist. Der Ortsbeirat Südstadt hatte diesem Vorschlag bereits zugestimmt.

Hier sehen Sie ein spektakuläres Panoramefoto vom Bunker

Die Genossen aus der Südstadt wollen sich jetzt mit einem entsprechenden Antrag an die SPD-Stadtverordnetenfraktion wenden, um auf Stadtebene weiterzuverhandeln. Sie schlagen vor, die Bunkeranlage des Weinbergs nach der documenta 13 dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich zu machen: als Mahnmal für Krieg und Zerstörung in Kassel. Es könnte gezeigt werden, wie der Weinberg in der Stadtgeschichte als Teil des Festungsgürtels, als Weinanbaugebiet, als Kühlraum für die Brauereien (ab 1825) und von 1941 bis 1945 als Schutz für die Zivilbevölkerung Bedeutung erlangte, sagt Körner, der zum Weinberg vielfältig geforscht und publiziert hat.

Seit 1941 wurden die Eiskeller zu Luftschutzbunkern umgebaut und in Betrieb genommen. Bis 1945 konnten viele Bewohner ihr Leben in den Gängen retten. Darüber gibt es viele Zeitzeugenberichte. Bereits in der Vergangenheit sei das Interesse an den Führungen durch die Anlage hoch gewesen.

Archiv-Video: Führung durch den Bunker

Körner vermutet, dass eine entsprechende Museumsanlage im hohen Maße genutzt wird. Man müsse jetzt gezielt für die Rahmenbedingungen sorgen, um einen geeigneten Betreiber zu finden. So soll zunächst die Nutzungsfähigkeit geprüft werden.

Im Zentrum steht die Frage: Gibt es Raumluftprobleme bei einer längerfristigen Nutzung? Erst wenn feststeht, ob eine Belüftungsanlage eingebaut werden muss, könnten die Kosten berechnet werden. Es müsse geklärt werden, ob die baulichen Veränderung für die documenta belassen bleiben. Eine enge Abstimmung mit den Plänen für das Museum „Grimm Welt“, für die Sanierung des Henschelgartens und der Parklandschaft Weinberg sei unabdingbar. Körners Wunsch: „Es wäre schön, wenn der Stollen zum Stadtjubiläum 2013 geöffnet werden kann.“(chr)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.