Nach dem EuGH-Urteil über die TV-Vermarktung von Fußball: Reaktionen aus Kassels Fan-Kneipen

TV-Vermarktung von Fußball: Wirte wollen nicht wechseln

Fußball gucken in der Kneipe: Am Wochenende pausierte die Bundesliga. Die von der ARD übertragene Partie Türkei-Deutschland verfolgten Sascha Wambach (linsks) und Jan Martinsohn aus Kassel in Joe’s Garage. Sonst fiebern sie dort bei Bundesliga und Champions League über Bezahlfernsehen mit. Foto: Malmus

Kassel. Wenn sich der Europäische Gerichtshof (EuGH) mit Fußball beschäftigt, hat das meist weitreichende Folgen. Jetzt haben die Luxemburger Richter entschieden, dass die Exklusiv-Vermarktung von Fernsehrechten im Profifußball nicht rechtmäßig ist.

Privatkunden können sich demnach ihre Lieblingsmannschaften nicht mehr nur über Sky und die Telekom, sondern auch via Anbieter aus dem EU-Ausland anschauen. Doch was halten Kassels Gastwirte, die Bundesliga und Champions League nur mit einem Sky-Abo zeigen dürfen, von dem Urteil? Würden sie den Anbieter wechseln?

„Ein Wechsel kommt für mich nicht infrage“, sagt Hoorang Sepehr. Der 36-Jährige betreibt das „Chevy’s“ am Holländischen Platz, eine von 29 offiziellen Sky-Sportbars in Kassel. Aktuell gebe es keinen ausländischen Anbieter mit vergleichbarem Angebot und deutschem Kommentar, sagt Sepehr, zu dem 100 Fans pro Spieltag kommen.

Ähnlich sieht das auch Gerhard Grau vom „Treff am Kö“ in der Kasseler City. „Bundesliga mit italienischem Kommentar? Nee, nee“, sagt der 63-Jährige und winkt lachend ab. Das würden weder seine durchschnittlich 60 Fußballgäste noch er selbst wollen, sagt der Hertha-BSC-Fan. Er hoffe allerdings, ergänzt Grau, dass Fußballübertragungen nach dem Urteil künftig günstiger werden. „In den 90er-Jahren habe ich dafür 100 D-Mark im Monat bezahlt, inzwischen sind es mehr als 300 Euro.“

Der Preis, wie viel ein Wirt für das Abo des Münchener Bezahlsenders berappen muss, hängt von der Größe der Fan-Kneipe ab. Bei bis zu 35 Quadratmetern Verkaufsfläche kostet das Abo 189 Euro monatlich, ab 201 Quadratmetern 589 Euro.

Carsten Bischoff (52), Inhaber von „Joe’s Garage“ an der Friedrich-Ebert-Straße, begrüßt zwar ebenfalls das Urteil, ist aber zufrieden mit Sky. „Die sind zwar teuer, machen aber einen guten Job.“ Durchschnittlich 60 Fans kommen pro Spieltag zu ihm. „Wenn die Bayern in der Champions League weit kommen, rentieren sich die 3000 Euro im Jahr allemal.“ Als Bayern-Fan fiebert er deshalb gleich doppelt mit.

Auch Kostas Vick ist Bayern-Fan und zeigt Live-Fußball in seinem „Düsseldorfer Hof“. „Ich lebe zwar nicht davon, möchte meinen Gästen aber etwas bieten“, sagt der 52-Jährige. „Und Live-Übertragungen der Champions League sind inzwischen ein Event.“ Ein Wechsel zu einem ausländischen TV-Anbieter kommt für ihn jedenfalls nicht infrage - auch weil es derzeit keine Alternativen gebe.

Was das EuGH-Urteil für Gastwirte heißt, steht übrigens noch nicht fest. Denn die Richter machten auch deutlich, dass bei der öffentlichen Wiedergabe von Fußballspielen das Urheberrecht greife, selbst wenn die Spiele keine geschützten Werke seien. Ertönt beispielsweise die Champions-League-Hymne, handelt es sich allerdings um ein geschütztes Werk. Fotos: Schaffner

Von Sebastian Schaffner

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