Tagung

Philosophen analysieren Popmusik: "Die Musik muss Groove haben"

Kassel. Philosophen beschäftigen sich mit so ziemlich allen Dingen, über die man sich Gedanken machen kann. Popmusik zählte bislang aber kaum dazu.

Die Workshop-Tagung „Philosophie der Popmusik“, die Donnerstag und Freitag in Kassel stattfindet, soll das nachholen.

Die Organisatoren

Dirk Stederoth

Die Idee zur Tagung hatten Dirk Stederoth (46) und Carsten Kries (44) im Proberaum. Die beiden Kasseler forschen am Institut für Philosophie unter anderem über klassische deutsche Philosophie und Philosophie der Musik. Zudem spielen sie in den Bands Jennes und Backyard Bones Gitarre und Bass. Bei einer Session im Proberaum fragten sie sich: „Was passiert hier gerade? Was ist Sound eigentlich?“

Die Fragen

Bislang behandelten Philosophen Popmusik wie manche Eltern einen Sohn, der auf die schiefe Bahn geraten ist. Lieblingskind der Denker war stets die klassische Musik – oder wie Kries es sagt: „die Kunstmusik“. Dabei sind „95 Prozent der Musik, die wir hören, Popmusik, aber 99 Prozent der Publikationen haben nichts mit Pop zu tun“, rechnet Stederoth vor.

Den Kasselern geht es weniger um Popkultur als Massenphänomen, sondern um das, was Popmusik von der Kunstmusik unterscheidet. Zentral ist für Kries dabei die Körperlichkeit: „Wenn körperlich gar nichts passiert, ist es schwierig.“ Und vielleicht auch keine Popmusik.

Pop muss vor allem Groove haben, was musikwissenschaftlich eine Abweichung vom Taktmaß bezeichnet, aber auch das Gefühl, das beim Zuhörer erzeugt wird und zur Interaktion wie Tanzen führt. „Eine bewusste Produktion von Groove“ hält Kries für „fast unmöglich“. Stederoth zitiert den US-Jazz-Schlagzeuger Jo Jones, der sinngemäß sagte: „Groove ist, wenn man spielt.“ Ein Satz voller philosophischer Schönheit.

Die Tagung

Auf dem Flyer zur Tagung sieht man ein buntes Pop-Art-Porträt von Jimi Hendrix. Einige Kollegen fragten sofort, was der Rockgitarrist denn mit Pop zu tun habe. Aber Pop wird hier nicht als Kategorie aus dem Plattenladen verstanden. Auch Jazz und Schlager sind für die Referenten Pop.

Zwei Tage lang beantworten Philosophen und Musikwissenschaftler interdisziplinär Fragen wie: Entsteht Popmusik erst während der Performance? Warum braucht Popmusik Groove? Und hört der Tanzende nur mit den Ohren?

Der Ort

Normalerweise finden Tagungen in Hörsälen oder im Gießhaus der Uni statt. Die Pop-Philosophen treffen sich dagegen im K 19, wo sonst Punk-Konzerte und Rap-Battles stattfinden. Nach Impulsreferaten wird miteinander diskutiert. „Das meiste wird verständlich sein“, verspricht Stederoth. Donnerstagabend gibt es zudem eine offene Musikbühne. Dort wird gemeinsam gejammt – hoffentlich mit ordentlich Groove.

4. Dezember (ab 12 Uhr) und 5. Dezember (ab 10 Uhr) im K 19, Moritzstraße 19. Eintritt frei. Komplettes Programm im Internet

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