Fünf-Jahres-Vertrag für bisherigen Vize bei der Wirtschaftsförderung Region Kassel

Wirtschaftsförderung Region Kassel: Wittrock wird Geschäftsführer

Kai Lorenz Wittrock Foto: nh

Kassel. Kai Lorenz Wittrock wird offiziell Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Region Kassel (WFG) und damit Nachfolger von Thilo von Trott zu Solz, der Ende Juni in Ruhestand gegangen ist.

Dessen bisheriger Vize Wittrock habe als Nachfolger einen Fünf-Jahres-Vertrag erhalten, teilte Landrat Uwe Schmidt am Freitag nach einer Gesellschafterversammlung der WFG mit. Unter 60 Bewerbern habe sich das Gremium nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren für Wittrock entschieden.

Der 39-jährige Wirtschaftsgeograf und Betriebswirt stammt aus Kassel. Nach beruflichen Stationen in den USA und in Frankfurt am Main kam Wittrock als Projektleiter zur WFG, wo er 2009 zum stellvertretenden Geschäftsführer bestellt wurde. Einige Monate später hatte die Gesellschafterversammlung von Trotts Vertrag lediglich noch um zwei Jahre verlängert.

Die Hauptaufgaben der WFG sind Firmenbetreuung und Standortmarketing für die Region Kassel. Ihre Träger sind Stadt und Landkreis Kassel mit je 25,5 Prozent, die Kasseler Sparkasse mit 24,5, die Kasseler Bank mit 10,6 Prozent, die Industrie- und Handelskammer mit 10,3 und die Handwerkskammer mit 3,6 Prozent.

Für die Gesellschafter ist nach Angaben von Oberbürgermeister Bertram Hilgen bei der Personalie ausschlaggebend gewesen, „dass Wittrock nicht nur die Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten ausspielen, sondern auch Perspektiven für eine Weiterentwicklung der WFG aufzeigen konnte“.

Unter diesem Aspekt war an Vorgänger von Trott zu Solz Kritik von politischer Seite laut geworden. Er zeige zu wenig Elan und setze für den Wirtschaftsstandort keine überregionalen Akzente, hatte es hinter vorgehaltener Hand geheißen. Auch das Verfahren der Nachfolgersuche sorgte bei Beobachtern für Stirnrunzeln: Obwohl von Trotts Ausstiegstermin lange vorab bekannt gewesen sei, hätten die Gesellschafter unüblicherweise erst nach der offiziellen Verabschiedung begonnen, per Stellenausschreibung einen Nachfolger zu suchen.

Die Bestellung Wittrocks zum WFG-Geschäftsführer dürfte SPD-Vertretern in der Wirtschaftspolitik von Stadt und Kreis nicht schmecken. Sie hatten hinter den Kulissen versucht, eine andere Personalentscheidung zu erreichen.

Der Hintergrund: Wittrock wurde aufgebaut von Alfred Schmidt, dem Vorsitzenden des WFG-Beirats. Der frühere hessische Wirtschaftsminister (FDP) gilt als Graue Eminenz der Wirtschaftsförderung Region Kassel und treibt dort vor allem sein Lieblingsprojekt voran, das bundesweit und international aktive Netzwerk Hessen-China, an dessen Aufbau Kai Lorenz Wittrock maßgeblich beteiligt war.

Die SPD hätte den Geschäftsführerwechsel gern genutzt, Schmidts Einfluss in der WFG zurückzudrängen und deren Ressourcen stärker für die Vermarktung des Wirtschaftsraums Kassel zu bündeln.

Von Axel Schwarz

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