Vorsitzender der Schwedisch-Deutschen Vereinigung Kassel

Vor Deutschland-Spiel heute Abend: „Alte Schweden nicht unterschätzen“

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Tippt auf Deutschland: Sven Vindelstam ist der Vorsitzende der Schwedisch-Deutschen Vereinigung. Der 63-Jährige, der in Felsberg lebt, ist vor 15 Jahren beruflich nach Deutschland gekommen.

Kassel. Vor dem WM-Spiel Deutschland gegen Schweden haben wir mit Sven Vindelstam dem Vorsitzenden der Schwedisch-Deutschen Vereinigung Kassel und Umgebung gesprochen.

Herr Vindelstam, welchen Stellenwert hat Fußball in Schweden?

Sven Vindelstam: Heutzutage ist Fußball wichtig in Schweden, fast jeder Spieler aus unserer WM-Mannschaft spielt sonst in Fußballvereinen außerhalb von Schweden. Das große Fußballfest möchte aber niemand verpassen.

Schaut man Spiele gemeinsam beim Public Viewing?

Vindelstam:Alles rund um den Fußball ist genauso wichtig wie die Spiele selbst. Also die Gemeinschaft, schauen mit Familie, Freunden und Kollegen unabhängig von Alter, Geschlecht und Nationalität. Es werden aber auch Public Viewings veranstaltet – zum Beispiel in Stockholm gibt es eine riesige Leinwand. Angefeuert wir mit „Heja Sverige!“, was so viel heißt wie „Auf geht’s Schweden“.

Das Spiel fällt mit dem Mitsommer-Fest zusammen. Was steht dann im Vordergrund?

Vindelstam: Die sogenannte Schwedische Schule in Kassel, die sich zwei Mal im Monat trifft, hat ein Mitsommer-Fest und ein Fußballfest parallel organisiert. Am Vormittag fordern unsere schwedischen Schüler deutsche Jugendliche auf dem Gelände des IKEA-Möbelhauses zum Torwandschießen heraus. Gleichzeitig zeigen sie die Traditionen des schwedischen Mitsommerfestes.

Dies ist ein Video der Plattform Glomex. Es wurde nicht von der HNA erstellt.

Die WM ist das erste Turnier ohne Zlatan Ibrahimovic. Wie weit kann Schweden ohne Ibrahimovic kommen?

Vindelstam: Zlatan ist wohl der am meisten dominierende und unberechenbarste Spieler den Schweden je gehabt hat. Seine Dominanz war durchaus positiv, aber aus der Mannschaft wurde dann Zlatan und zehn weitere Spieler. Jetzt musste Schweden umdenken, das Ergebnis ist eine richtige Mannschaft, die aus elf herausragenden Spielern besteht, die bis zur letzten Minute kämpfen. Hoffentlich sitzt Zlatan auf der Tribüne. Er hat noch immer eine große Bedeutung für den schwedischen Fußball.

Was sind für Sie die größten Unterschiede zwischen

Deutschland und Schweden?

Vindelstam: Die deutsche Nationalmannschaft besteht aus Superstars aus der höchsten Fußballelite und mit einer Nation aus 90 Millionen Einwohner als Unterstützung hinter sich. Im Gegensatz hierzu haben wir keine weltbekannten Fußballstars und nur neun Millionen Einwohner. Aber man sollte nie die „Alten Schweden“ unterschätzen.

Was ist für Sie typisch schwedisch?

Vindelstam: Für mich ist Schweden im Sommer die nie untergehende Sonne und im Winter der viele Schnee und die Dunkelheit. Dazu kommt die wunderschöne grüne Natur. Schweden ist einfach Ruhe und Entspannung.

Meine Heimat in Schweden liegt sehr weit im Norden, inmitten von Wald, Elchen und sehr vielen Mücken. Ich bin in einem roten Haus mit weißen Fenstern aufgewachsen mit einem Blick über die unberührte Natur direkt an einem Fluss. Der nächste Nachbar wohnte 800 Meter entfernt und der nächste Fußballverein war 60 Kilometer entfernt.

Was tippen Sie für das Spiel am Samstag?

Vindelstam: Mein Tipp ist, dass Deutschland mit 3:0 gewinnt, aber meine Hoffnung liegt auf einem 2:1 für Schweden.

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