Gelände in Neu-Holland wird verkauft

Schon Loriot genoss hier den Sommer: Gästehaus Sonnenhof wird von Vinzentinerinnen aufgegeben

Schwester Kunigunde Zasadzki (links) und Schwester Maria Thoma Gnau vor dem Gästehaus Sonnenhof in der Krähhahnstraße in Neu-Holland.
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Die guten Geister im Haus: Schwester Kunigunde Zasadzki (links) und Schwester Maria Thoma Gnau haben den Sonnenhof in den letzten zehn Jahren geführt.

Das Gästehaus Sonnenhof in Neu-Holland wird verkauft. Es wurde jahrzehntelang von Schwestern des Vinzentinerinnen-Ordens in Fulda betrieben.

Kassel -Wer aus der Kasseler Innenstadt hoch zum Sonnenhof am Rande des Habichtswalds fährt, der atmet sofort tief durch. Die Ruhe, die klare, frische Luft, das urige Haus, das man eher in der Schweiz als in Nordhessen vermuten würde, und der weitläufige Garten lassen jeden Besucher sofort abschalten. Mehr als 70 Jahre lang wurde der Sonnenhof vom katholischen Orden der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul in Fulda betrieben. Nun geben die Vinzentinerinnen das Gästehaus in Neu-Holland auf.

In jungen Jahren war dort sogar Vicco von Bülow – später besser bekannt als Loriot – zu Gast. Dessen Tante arbeitete im Büro des Sonnenhofs. Ihr Neffe kam regelmäßig zu Besuch, wie es in der Geschichte des Hauses festgehalten ist. Ob er schon damals für Belustigung sorgte oder ob bei einem Mittagessen im Sonnenhof die Idee für den späteren Sketch mit der Nudel („Sie haben da was“) entstand, ist nicht überliefert. Fest steht, dass Loriots Filme dort heute noch gern von den Schwestern geschaut werden.

Das 1913 erbaute und heute unter Denkmalschutz stehende Haus im Chalet-Stil ist seit 1949 im Besitz des Fuldaer Ordens, der auch das Kasseler Marienkrankenhaus betrieb. Nach den Zerstörungen des Kriegs wurde damals die Innere Abteilung in den Sonnenhof verlegt. In den 1950er-Jahren bot eine Schwester dort Bäder, Güsse und Massagen an. Die Ordensschwestern bewirtschafteten einen großen Garten, in dem auch viele Heilkräuter angepflanzt wurden, hielten Hühner und Kaninchen. Ärzte kamen regelmäßig zu Visiten ins Haus.

Als die ausgelagerte Station wieder ins Krankenhaus auf dem Rothenberg gezogen war, wurde der Sonnenhof ab 1970 zum „Erholungsheim“, wie es damals hieß. Nicht nur Ordensschwestern und Geistliche, aber auch Geschäftsleute und Tagungsgruppen wurden in dem idyllischen Haus von den Schwestern beherbergt und verköstigt.

In den letzten zehn Jahren haben Schwester Kunigunde Zasadzki und Schwester Maria Thoma Gnau den Sonnenhof mit seinen 14 Gästezimmern geleitet. Auch wenn sie selbst es in ihrer Bescheidenheit das nie sagen würden: Die beiden 88 und 89 Jahre alten Schwestern sorgten für den „guten Geist“ des Hauses, der auch in vielen Gästebuch-Einträgen der vergangenen Jahre erwähnt wird. „Wir waren wie eine Familie hier“, formuliert es Schwester Kunigunde und denkt an viele Gäste, die immer wiederkehrten. Manche hätten bei der Ankunft sogar gesagt: „Ich bin wieder daheim.“

Ruhe und Entspannung, gutes Essen und die Nähe zur Natur suchten und fanden die Besucher in der katholischen Pension. Wer mochte, konnte in der hauseigenen Kapelle mit Blick auf den parkartigen Garten beten. Gläubigen, die Exerzitien im Schweigen im Haus verbrachten, verstanden es die Schwestern, wortlos nah zu sein. Wer mit dem Glauben weniger anfangen konnte, war ein ebenso gern gesehener Gast, wie die betagten Hausleiterinnen betonen.

Auch für sie geht mit dem Sonnenhof eine Station ihres Lebens zu Ende. „Es war auch für mich ein Geschenk, dass ich hier sein durfte“, sagt Schwester Maria Thoma, die zuvor 25 Jahre im Marienkrankenhaus tätig war. Die regelmäßigen Spaziergänge zum Herkules, der nur zehn Gehminuten entfernt ist, werden ihr fehlen, und der „Krähhahn“, wie die gleichnamige Straße am Waldesrand bei den Anwohnern nur heißt.

Die 88-Jährige zieht diese Woche ins Altenheim des Ordens nach Fulda, ihre Mitschwester Kunigunde wird mit Schwester Dominica Krönung von der Ordensleitung den Übergang des Hauses noch begleiten. Aktuell liefen die „finalen Kaufverhandlungen“, wie es heißt.

Grund für die Aufgabe des Hauses, die man in Fulda schweren Herzens entschieden habe, sei einerseits der fehlende Nachwuchs, so Schwester Dominica. Es gebe schlicht niemanden im Orden, der die Nachfolge antreten könne. Zum anderen sei es schwer, ein Haus mit 14 Betten noch wirtschaftlich zu führen. Auch wenn fast täglich noch das Telefon klingelt und sich Gäste anmelden wollen, ist der Sonnenhof nun Geschichte. Am Sonntag wurde bereits ein Abschiedsgottesdienst gefeiert.

Von Katja Rudolph

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