150 junge Menschen wurden 2010 in Kasseler Kliniken behandelt

Pro Wochenende drei Kinder im Vollrausch

Kassel. Vorglühen, Rausch-Trinken, Koma-Saufen. Für immer mehr Jugendliche gehören Alkoholexzesse zum gewöhnlichen Freizeitverhalten. An den Wochenenden - ganz besonders an Silvester - wenn junge Menschen verstärkt in Feierlaune sind, herrscht in den Ambulanzen der Krankenhäuser erhöhte Bereitschaft.

 „Wir halten jedes Wochenende drei Betten frei für Jugendliche, die mit einer Alkoholvergiftung gebracht werden“, sagt Dr. Thomas Fischer, Chefarzt der Anästhesie in der Kinderklinik Park Schönfeld. In Kassel sind nach Angaben von Fischer in diesem Jahr um die 150 Jugendliche mit Alkoholvergiftungen ins Kinderkrankenhaus und ins Klinikum eingeliefert worden.

Damit habe sich die Zahl „auf hohem Niveau stabilisiert“. Seit 2000 bewegt sie sich zwischen 140 und 180. Es handelt sich dabei um ebenso viele Mädchen wie Jungen. „Erschreckend ist das junge Alter“, sagt Fischer. Viele seien erst 12-, 13 Jahre alt. Und immer wieder sei das „Teufelszeug Wodka“ mit im Spiel. Ein Großteil der behandelten Jugendlichen hatte einen Promille-Wert zwischen 1,6 und 2,5. Der Höchstwert in Kassel lag bei über 3,5 Promille. Das Durchschnittsalter betrage 15, 16 Jahre.

Die Jugendlichen kämen zu gleichen Teilen aus der Stadt und aus dem Landkreis Kassel. Insgesamt wurden in Hessen im vergangenen Jahr 1757 Kinder und Jugendliche bis 20 Jahre wegen Alkoholvergiftung in Kliniken gebracht. Seit 2000, als 867 alkoholisierte Jugendliche in Kliniken behandelt wurden, hat sich diese Zahl verdoppelt.

Auch wenn der Alkoholkonsum der jüngeren Generation insgesamt rückläufig sei, stelle das Koma-Trinken ein „besorgniserregendes Problem dar“, sagt Petra Müller-Klepper, Staatssekretärin im hessischen Sozialministerium. Die Landesregierung will deshalb im neuen Jahr das Programm „Hart am Limit“ zur Prävention bei jugendlichen Rauschtrinkern starten.

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