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Fachkräftemangel: Bäckereien suchen dringend Bäcker

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Von: Claudia Feser

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Bäckerei Apel wirbt in ihrer Filiale um Mitarbeiter mit Hinweisschild.
Auch Quereinsteiger willkommen: Die Bäckereien in der Region suchen Mitarbeiter, im Bild ein Hinweisschild in einer Apel-Filiale. © Claudia Feser

Die Bäckereien in der Region suchen dringend nach Fachkräften. Auch Quereinsteiger haben mittlerweile gute Chancen; manche Bäckereien bieten niedrigschwellige Bewerbungsmöglichkeiten wie Whatsapp und Steckbrief an.

Bäckerei Amthor

„Seit einem Jahr ist die Lage richtig brisant“, sagt Marcel Simon, Firmeninhaber der Bäckerei Amthor aus Hofgeismar (Kreis Kassel), insbesondere beim Verkaufspersonal. Der Bäckermeister hat 150 Mitarbeiter und betreibt 17 Filialen und Cafés in Nordhessen. In seiner Bäckerei sei der Mitarbeiterstamm ziemlich stabil, das liege am modernen Arbeitsumfeld: 2015 war das Unternehmen in einen Neubau nach Hofgeismar gezogen, dort arbeiten die Beschäftigten in einem modernen Umfeld aus mehr Platz und modernen Maschinen.

Außerdem lege er bei seinen Mitarbeitern Wert auf ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeit und Freizeit, betont Simon. Damit seine Bäcker alle zwei Wochen ein langes Wochenende haben, setzt das Unternehmen auf eine Produktion mit Langzeitkühlung: Von Montag bis Donnerstag wird in die Kühlung produziert, damit am Wochenende mit weniger Personal gearbeitet werden kann. Außerdem werde „wesentlich über Tariflohn“ gezahlt.

Simon stellt auch ein verändertes Kundenverhalten fest: Unter der Woche greifen die Kunden bei den Aufbackstationen der Supermärkte zu. „Am Wochenende gönnen sie sich dann Brötchen vom Bäcker.“

Mitte April musste de Bäckerei Amthor die Preise anheben: Sie sind um sieben Prozent auf das Gesamtsortiment gestiegen. Außerdem seien im Konditorbereich einige „sehr aufwendige“ Produkte gestrichen worden.

Ein Personalproblem gebe es auch aufgrund von Vertragsbindungen mit Discountern: Die Amthor-Filialen im Eingangsbereich seien verpflichtet, bis 22 Uhr geöffnet zu haben und Personal bereitzustellen. „Wenn früher Schluss wäre, würden wir hier eher Leute finden.“ Nach 19.30 Uhr gebe es in der Regel keine Kostendeckung in einer solchen Bäckerfiliale. Und die Wechselbereitschaft bei Verkäuferinnen sei hoch.

Schwälmer Brotladen

Auch beim Schwälmer Brotladen aus Gilserberg (Schwalm-Eder-Kreis), einer der größten Bäckereien in der Region, ist der Fachkräftemangel ein großes Thema. Das Unternehmen hat 1000 Mitarbeiter, darunter 200 Bäcker und Konditoren sowie 50 Auszubildende. „Wir profitieren von relativ hohen Ausbildungszahlen in der Vergangenheit“, sagt Firmenchef Jürgen Viehmeier, „aber der demografische Wandel bereitet uns sicherlich Sorgen, und der Fachkräftemangel in unserer Branche ist gerade im Moment stark zu spüren.“

Deshalb suche das Unternehmen „auf allen Kanälen“ und arbeite mit Schulen und Berufsschulen zusammen, um Nachwuchs fürs Unternehmen und neue Mitarbeiter zu bekommen.

Als Anreize dienen Arbeitszeiten, die „so flexibel wie möglich“ seien: Auch in Konditorei und Bäckerei gebe es mittlerweile vermehrt die Möglichkeit, tagsüber zu arbeiten. Außerdem gebe es eine faire, leistungsgerechte Bezahlung sowie Sonderzahlungen, Zuschläge und Personalrabatte, auch für die Auszubildenden.

Eine Verkürzung der Öffnungszeiten sei bislang noch ausgeblieben, außerdem habe das Sortiment noch nicht stark eingrenzt werden müssen, teilt Viehmeier weiter mit. Er leitet das Familienunternehmen in dritter Generation, die vierte Generation arbeitet bereits mit. Die Viehmeiers betreiben zwischen Gießen und Kassel, Bad Hersfeld und Frankenberg mehr als 85 Filialen und beschäftigen insgesamt rund 800 Verkäufer.

Bäckerei Thiele

Die Bäckerei Thiele aus Göttingen wirbt mit einer Startprämie von jeweils 2000 Euro für alle ausgeschriebenen Stellen um neues Personal, auch für Auszubildende. Auf der Internetseite des Unternehmens sind 30 offene Stellen in allen Bereichen des Unternehmens ausgeschrieben, hauptsächlich für Verkaufspersonal. Gegenüber der HNA wollte sich das Unternehmen bis Redaktionsschluss nicht zum Thema Fachkräftemangel äußern.

Die Bäckerei Thiele betreibt laut Internetseite 44 Filialen in Nordhessen und Südniedersachsen. Seit 2009 gehört die Bäckerei Apel aus Niestetal (Kreis Kassel) auch zu Thiele. 2021 wurden beide Bäckereien an das Frankfurter Unternehmen „Haus der Bäcker“ verkauft, das nach eigenen Angaben gegründet wurde, um mittelständischen Bäckereibetrieben eine Nachfolgelösung zu bieten. (Claudia Feser)

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