Bei erster Nachprobe keine Belastung mehr, Wasser aber weiter abkochen

E-Coli-Keime in Kassel: Weitere Stadtteile sind betroffen

Kassel. Von eventuell mit E-Coli-Keimen verunreinigtem Trinkwasser sind mehr Stadtteile betroffen, als zunächst von Kasselwasser vermeldet wurde.  

In den Stadtteilen und Stadtbereichen Brasselsberg, Brückenhof, Helleböhn, Mattenberg, Neuholland, Nordshausen, Niederzwehren, Oberzwehren, Süsterfeld, Wehlheiden, Wilhelmshöhe, und Stadtmitte sollte das Wasser vorsorglich abgekocht werden. Die Herkunft der E.coli-Bakterien, die im Kasseler Trinkwasser festgestellt wurden, ist noch unklar.

Bei den Städtischen Werken läuft die Ursachenforschung nach dem E-Coli-Keim, der am Dienstag im Wasserhochbehälter am Brasselsberg festgestellt wurde.

Bekannt wurde die Keimbelastung durch eine Probe, die nach der Reinigung des Behälters genommen wurde. Bei einer erneuten Probe, die bereits am Dienstag gezogen wurde, aber zunächst 24 Stunden im Brutkasten gelagert werden musste, war kein Keim mehr erkennbar. Allerdings ist es für eine Entwarnung noch zu früh. In der Regel müssen die Proben an drei aufeinanderfolgenden Tagen keimfrei sein, bevor das Gesundheitsamt wieder grünes Licht gibt. „Wann dies geschieht, darüber entscheidet aber das Gesundheitsamt“, sagt Dr. Gudrun Stieglitz, Leiterin des Labors bei den Städtischen Werken.

Als Ursache für den Eintrag des E-Coli-Bakteriums sind unterschiedliche Wege denkbar sagt Tobias Krohne, Leiter des Betriebs Wasser bei den Städtischen Werken. Eine Erklärung wäre eine Verunreinigung bei den Reinigungsarbeiten am Behälter, eine andere das Einsickern im Quellgebiet – zum Beispiel tierische Fäkalien. Es fänden enge Kontrollen im Wassernetz statt, sodass eine Keimbelastung immer zeitnah entdeckt werde, so Krohne.

In Sand Milliarden Keime

Bei einem Keim auf 100 Millilitern, wie im aktuellen Fall, bestehe für Menschen mit intaktem Immunsystem aber keine Gefahr, sagt Laborleiterin Stieglitz. Wenn ein Kind beispielsweise eine Hand Sand in den Mund nehme, führe es sich Milliarden von Keimen zu.

Als Gegenmaßnahme wird derzeit das Wassernetz gespült. „Im Moment chloren wir in Absprache mit dem Gesundheitsamt nicht“, sagt Krohne. Dass nur ganz bestimmte Kasseler Bereiche (siehe Karte rechts) von dem vom Gesundheitsamt verhängten Abkochgebot des Wassers betroffen sind, hänge mit der Topografie der Stadt zusammen. Im Netz gebe es 45 Druckzonen und der vom Keim betroffene Hochbehälter versorge, gemeinsam mit anderen Behältern, nur die benannten Bereiche der Stadt.

Der letzte Keim im Trinkwasser war in Kassel im Jahr 2007 aufgetaucht. (bal)

 

Kontrolle am Dienstag

Über die Verunreinigung informieren wir aktuell auf www.kassel-live.de.

Am Dienstagnachmittag war bekannt geworden, dass bei einer Kontrolle ein E-Coli-Keim an einem Wasserhochbehälter am Brasselsberg entdeckt worden war. Das Trinkwasser muss seitdem in mehreren Kasseler Stadtteilen abgekocht werden. Das Abkochgebot betrifft Trinkwasser, das zum Trinken, Waschen und Zubereiten von Obst und Gemüse, für Getränke oder andere ungekochte Nahrungsmittel verwendet wird. Das Gleiche gilt für Trinkwasser zum Zähneputzen und für Eiswürfel.

Service: Wasser abkochen und abkühlen lassen

Um eventuelle Keime im Wasser sicher abzutöten, rät das Gesundheitsamt, Trinkwasser einmal sprudelnd abzukochen und langsam über mindestens zehn Minuten abkühlen zu lassen.

• Diese Abkochgebot betrifft Trinkwasser, das zum Trinken, Waschen und Zubereiten von Obst und Gemüse, für Getränke, andere ungekochte Lebensmittel, Eiswürfel und zum Zähneputzen verwendet wird.

• Da die meisten Kaffeemaschinen das Wasser nicht aufkochen, sollten betroffene Haushalte nur vorher abgekochtes Wasser beziehungsweise Mineralwasser aus Flaschen fürs Kaffeekochen verwenden.

• Beim Zubereiten von Tee sollte es ausreichen, das Wasser wie gewohnt sprudelnd aufkochen zu lassen und das Aufgussgetränk langsam abkühlen zu lassen, bis es Trinktemperatur erreicht hat.

• Spüllappen und -schwämme in der Küche sollten ohnehin in kurzen Abständen ausgetauscht beziehungsweise bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Betroffene Haushalte sollten diese Utensilien zur Sicherheit aktuell erneuern.

• Da Zahnbürsten in der Regel zwischen den Zahnputzzeiten abtrocknen, sei ein Austausch in der Regel nicht notwendig, erläutert Thurid Marten, Sachgebietsleiterin des Gesundheitsamtes.

• Beim Duschen, Händewaschen und dem Toilettengang bestehe nur ein sehr geringes Risiko. Offene Wunden aber sollten vorsichtshalber mit wasserfesten Pflastern vor dem Kontakt mit Wasser geschützt werden. (hei)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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