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16 Jahre sind ihr nicht genug: Eva Kühne-Hörmann strebt Wiederwahl als Vorsitzende der CDU Kassel an

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Von: Andreas Hermann

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Eva Kühne-Hörmann
Will Vorsitzende der Kasseler CDU bleiben: Eva Kühne-Hörmann. Unser zeigt die hessische Justizministerin 2021 bei einer Pressekonferenz in Frankfurt. © Julia Cebella/dpa

Eva Kühne-Hörmann strebt beim Parteitag am Samstag die erneute Wiederwahl als Vorsitzende der Kasseler CDU an.

Kassel – Kürzlich hat Eva Kühne-Hörmann Angela Merkel überholt. „EKH“, wie sie von Parteifreunden genannt wird, ist seit Januar 2006 Vorsitzende der Kasseler CDU, also 16 Jahre und zwei Monate. Merkel war von November 2005 bis Dezember 2021 Kanzlerin, also „nur“ 16 Jahre und einen Monat.

Was den Parteivorsitz angeht, da hat Merkel mit über 18 Jahren als CDU-Bundeschefin die Nase vorn. Noch. Denn Eva Kühne-Hörmann, die vor wenigen Tagen ihren 60. Geburtstag feierte, hat nach den 16 Jahren an der Spitze der Kasseler CDU nicht genug: Sie strebt beim Kreisparteitag am Samstag, 26. März, in Eppos Clubhaus ihre erneute Wiederwahl an, kündigt sie auf Anfrage unserer Zeitung an.

Die Partei

Dass ihr jemand den Vorsitz streitig machen könnte, ist undenkbar. Für eine Gegenkandidatur drängele sich auch keiner vor, heißt es aus Partei- und Fraktionskreisen. Kühne-Hörmann, die hessische Justizministerin und stellvertretende Landesvorsitzende, ist das Aushängeschild der Kasseler CDU. Von ihr hängt Wohl und Wehe des Kreisverbandes ab.

Die Rolle

Viele Kasseler Christdemokraten sind froh, eine CDU-Frau zu haben, die in Partei und Politik auch auf überregionaler Ebene ein gewichtiges Wörtchen mitredet. Eine, die gute Drähte nach Wiesbaden und Berlin hat. Andere wiederum sehen genau darin das Problem für die Kasseler CDU. Kühne-Hörmann lässt in ihrer dominierenden Rolle weder Platz für andere Personen noch für andere Positionen. Als sie 2006 den Vorsitz übernahm, setzte sie sich gegen innerparteiliche Schwergewichte wie Jürgen Gehb und Christoph Holler durch. Danach hat sie ihre Führungsrolle ausgebaut. Sie hat dafür gesorgt, dass niemand an ihr vorbeikommt. Sie hat damit aber auch verhindert, dass sich neben ihr jemand entwickeln und für größere Aufgaben profilieren konnte.

Das Problem

Zur Wahrheit der Kasseler CDU gehört aber auch: Die Zeiten, in denen es ihr gelang, in der SPD-Hochburg Kassel den Oberbürgermeister zu stellen, an der Stadtregierung beteiligt zu sein oder eine Wahl zu gewinnen, sind lange vorbei. Daran hat die Parteivorsitzende in 16 Jahren nichts ändern können. Im Gegenteil: Die letzte Oberbürgermeisterwahl 2017 war eine Riesenenttäuschung. Der von ihr unterstützte Kandidat Dominique Kalb war chancenlos. Auch CDU-Leute sahen es als Fehler an, dass Kühne-Hörmann nicht selbst angetreten war. Doch zeigte die Landtagswahl 2018, dass auch sie keine Erfolgsgarantin ist. Im Kasseler Westen schnappte ihr die junge Grüne Vanessa Gronemann den Wahlkreis weg. Nur der enge Draht zu Ministerpräsident Volker Bouffier bewahrte sie davor, nach dem Landtagsmandat auch noch das Ministeramt zu verlieren.

Die Fraktion

Seit der Kommunalwahl 2021 ist die CDU nur noch drittstärkste Kraft in Kassel. In der Stadtverordnetenversammlung drückt sie weiter die ungeliebte Oppositionsbank. In der Fraktion, der Kühne-Hörmann nach wie vor angehört, steht eine Verjüngung aus. An ihrer Spitze ist auf einen Generationswechsel verzichtet worden. Auf Norbert Wett ist Michael von Rüden gefolgt, ein langjähriger Weggefährte Kühne-Hörmanns und einer der dienstältesten Stadtverordneten in Kassel.

Die Kritiker

Kritik an EKH gibt es – nach Wahlschlappen. Da moniert die Junge Union ihren Führungsstil und fordert, es müssten andere Themen besetzt und andere Kandidaten nominiert werden. Doch wenig später ist die Kritik verstummt. Und auch die kritischen Töne ehemaliger CDU-Größen, etwa die von Jürgen Gehb, verpuffen. Der Funke springt nicht über. Bis heute hat die Vorsitzende von aktiven Partei- und Fraktionsmitgliedern keinen ernsthaften Druck zu fürchten.

Die Aussichten

Ob mit 86,2 Prozent – wie bei der Wahl 2020 – oder mit mehr oder weniger: Eva Kühne-Hörmann wird am Samstag als Kasseler CDU-Vorsitzende wiedergewählt. Für Partei und Fraktion bleibt es damit beim gewohnten Kurs. Für die 60-Jährige selbst könnte sich aber bald etwas ändern. So wird in politischen Kreisen auf Landesebene spekuliert, dass die Kasselerin durch die geplante Ministerpräsidenten-Nachfolge von Volker Bouffier zu Boris Rhein und damit verbundenen weiteren Personalwechseln eine neue Aufgabe erhalten wird. Sie selbst weist dies bislang zurück. Die Kasseler CDU würde sich aber gewiss über eine Innenministerin als Vorsitzende freuen.

Schon gewusst?

. Die von CDU-Parteifreunden gern genutzte Abkürzung „EKH“ greift für Eva Kühne-Hörmann viel zu kurz. Das neue Online-Portal zur Hessischen Parlamentsgeschichte gibt den kompletten Namen der gebürtigen Kasselerin an: „Eva Maria Petra Klara Helene Kühne-Hörmann“.

. Die CDU-Frau, eine geborene Kühne, stammt nicht gerade aus einem christdemokratisch geprägten Elternhaus. Ihr Vater Gerhard Kühne war lange Stadtkämmerer in Kassel und bekennender Sozialdemokrat. So zog er etwa am 19. Oktober 1978 einen roten Helm auf, um ins Führerhaus eines Baggers zu steigen und mit dessen Schaufel den symbolischen Spatenstich für das Industrie- und Gewerbegebiet Kassel-Waldau zu vollziehen.

. Bundesweite Aufmerksamkeit erregt Eva Kühne-Hörmann im Jahr 1995. Bei der Landtagswahl gewann die CDU-Kandidatin das Direktmandat im Kasseler Westen gegen einen prominenten Sozialdemokraten – den hessischen Ministerpräsidenten Hans Eichel.

. Seit 2009 war Kühne-Hörmann Ministerin für Wissenschaft und Kunst, seit 2014 ist sie Justizministerin in Hessen. Ihren ersten Redebeitrag als Landtagsabgeordnete hält sie am 5. April 1995 aber zu einem ganz anderen Thema: Sie kritisiert die Beförderungspraxis für Lehrer des damaligen Kultusministers Hartmut Holzapfel (SPD) als „rechtswidrig“. So ein bisschen hatte das ja doch schon mit Justiz zu tun.

(Andreas Hermann)

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