Schuldneratlas von Creditreform

Wohlstandsgefälle in Kassel: Rothenditmolder tief in den Schulden

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Industrie prägte den Stadtteil: In Rothenditmold kann jeder dritte Bewohner über 18 Jahren seine Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen.

Kassel. Der neue Schuldneratlas der Wirtschaftsauskunftei Creditreform offenbart einmal mehr ein starkes Wohlstandsgefälle innerhalb Kassels. Die Übersicht:

Rothenditmold ist das Armenhaus Kassels. In dem Stadtteil ist jeder dritte Bewohner über 18 Jahren überschuldet. Die wenigsten Finanzprobleme haben die Menschen am Brasselsberg, wo die Schuldnerquote bei gut fünf Prozent liegt. Hier die Übersicht:

Was negativ auffällt

  • Die Stadt Kassel lag 2016 mit einer Schuldnerquote von 16,37 Prozent weiterhin deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 10,06 Prozent. Damit waren in Kassel 26.774 erwachsene Personen überschuldet – dies entspricht jeder sechsten volljährigen Person. Unter den Städten mit den höchsten Schuldnerquoten belegt Kassel Platz 12. Im Landkreis Kassel lag die Quote mit 9,3 Prozent unter dem Bundesschnitt.
  • Besonders in den Stadtteilen Waldau und Rothenditmold war eine Zunahme überschuldeter Haushalte zu beobachten. Mit 32,56 Prozent ist Rothenditmold der neue Negativspitzenreiter. Im Vorjahr war die rote Laterne an Nord-Holland gegangen, wo 2016 immerhin noch 31,9 Prozent der Menschen zu viele Verbindlichkeiten hatten.
  • Insgesamt ist zu beobachten, dass besonders die östlichen Stadtteile, die ohnehin unter einer hohen Überschuldung leiden, weiter abgerutscht sind. Der Anstieg ist vor allem auf stark und mehrfach überschuldete Personen zurückzuführen, die trotz guter Arbeitsmarktlage ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen.
  • Auffällig ist, dass zunehmend Frauen in finanzielle Schieflage geraten. In 19 der 23 Kasseler Stadtteile gab es eine zunehmende weibliche Überschuldung.
  • Auch das Thema Altersüberschuldung ist brisant. Auf die Gruppe der 60 bis 69-Jährigen entfallen in Rothenditmold, Nord-Holland und Wesertor die höchsten Schuldnerquoten.
Schuldneratlas 2016 für Kassel

Was positiv auffällt

  • Die Zahl überschuldeter Personen ist in Kassel leicht rückläufig. Die Quote sank um 0,1 Prozentpunkte – das entspricht etwa 250 Betroffenen. Damit entwickelte sich Kassel gegen den Bundesschnitt, der ein Plus von 0,14 Prozentpunkten verzeichnet
  • Erfreulicherweise zeigen 17 der 23 Kasseler Stadtteile im Jahresvergleich 2015/2016 keinen Anstieg der Schuldnerquoten. Es gibt einige Stadtteile, in denen der Anteil der überschuldeten Haushalte besonders stark abgenommen hat: Spitzenreiter ist die Unterneustadt, wo die Quote noch bei 22,3 Prozent lag. Bereits in den Vorjahren war dort die Zahl der Schuldner besonders deutlich gesunken.

Hintergrund: Wer gilt als überschuldet?

Creditreform unterscheidet bei der Analyse der Überschuldungssituation der privaten Haushalte harte und weiche Überschuldungsfaktoren. Als weiche Überschuldungsmerkmale gelten unter anderem unstrittige Inkassofälle, die (noch) nicht zu gerichtlichen Negativeinträgen geführt haben, bei denen aber ein nachhaltiger Zahlungsverzug vorliegt. Harte Überschuldungsmerkmale sind etwa gerichtliche Negativmerkmale wie einen Antrag auf Privatinsolvenz. In Kassel sind die Gruppen, die von harten beziehungsweise weichen Merkmalen betroffen sind, in etwa gleich groß. In jede Gruppe fallen etwa 13.400 Menschen. In den letzten Jahren wuchs vor allem die Zahl der harten Überschuldungsfälle.

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