Planung für Bürgermeister-Brunner-Straße

Neubau auf dem Gewölbe: Wohnkomplex entsteht in der Innenstadt

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Bislang ungenutzt: Um das Areal an der Bürgermeister-Brunner-Straße / Ecke Akazienweg steht bereits ein Bauzaun. Unser Foto entstand von der Engelsburg aus. Foto: Fischer

Kassel. Eigentlich ist es ein Filetstück in der Kasseler Innenstadt. Und doch hat das Grundstück an der Bürgermeister-Brunner-Straße / Ecke Akazienweg lange brachgelegen. Grund dafür ist ein alter Gewölbekeller unter dem 1250 Quadratmeter großen Areal, der aus Denkmalschutzgründen erhalten werden muss.

Nun hat die Kasseler Aydin & Ay GbR die Herausforderung angenommen und errichtet dort bis Ende 2016 einen Komplex mit 28 Eigentumswohnungen.

Das Grundstück, das gegenüber des Engelsburg-Gymnasiums liegt, gehörte bis vor einigen Jahren der Schule. Nach dem Abriss provisorischer Nachkriegsbauten war ein historisches Gewölbe aufgetaucht, das im Krieg als Luftschutzkeller diente.

So soll es werden: Der Neubau mit 28 Wohnungen aus Blickrichtung Bürgermeister-Brunner-Straße. Rechts der Akazienweg.

Bekanntheit erlangte das unterirdische Baudenkmal durch den in Kassel gedrehten ZDF-Krimi „Tödliches Vertrauen“ (2002), für den das verzweigte Gewölbe als Drehort genutzt wurde.

Weil die Schule keine Verwendung für das Areal fand, verkaufte sie es wieder. Von dem zwischenzeitlichen Eigentümer erwarb es die Aydin & Ay GbR, die in Kassel schon Wohnbauprojekte realisiert hat. Der Eigentümer hat die Auflage, den Gewölbekeller zu erhalten und ihn weiter zugänglich zu halten. Diesen Vorgaben will er auf HNA-Anfrage „gern entsprechen“.

Vor allem für die statischen Berechnungen war eine längere Planungsphase nötig. Eine Bauvoranfrage soll die Stadt bereits genehmigt haben, ein Bauantrag liegt vor. In zwei Monaten soll mit den ersten Arbeiten begonnen werden. Der Bauzaun steht bereits.

Neben den 28 schlüsselfertigen Eigentumswohnungen (60 bis 140 Quadratmeter), die für 2500 bis 2900 Euro pro Quadratmeter angeboten werden, entsteht im Erdgeschoss eine Gewerbefläche. Diese ist etwa für einen Bäcker angedacht. Auch werden 28 Tiefgaragenstellplätze geschaffen. Das Gebäude soll als Niedrigenergiehaus errichtet werden. Vermarktet wird das Objekt durch Heymann Immobilien.

Erst Bierkeller, dann Luftschutzbunker

Von oben ist nicht zu erahnen, welche düsteren Welten sich unter dem zugewachsenen Areal gegenüber des Engelsburg-Gymnasiums verbergen. Hinter einer verschlossenen Tür führt eine Treppe in acht Meter Tiefe. Dort liegt ein weitläufiges System von Gängen, das bis zur Friedrich-Engels-Straße reicht. Ab 1840 wurde das Gewölbe an der Bürgermeister-Brunner-Straße/ Ecke Akazienweg vom Bierbrauer Ernst Schulz genutzt. Ab 1905 gehörte der Bierkeller der Brauerei Chr. Eissengarthen. Die Nähe zum Hauptbahnhof war optimal, so konnten die Bierfässer gut transportiert werden.

Im Krieg wurde der Bierkeller zum Luftschutzbunker umfunktioniert. Es wurden unter anderem eine Belüftungsanlage und Latrinen installiert. Die damaligen Gebäude an der Oberfläche wurden unterschiedlich genutzt. So betrieben in den im Krieg zerstörten Häusern auf dem Areal ein Bäcker, ein Kaffeeverkäufer und ein Weinhändler ihre Geschäfte. Zeitweise waren dort auch ein Schmiedemeister und die Firma Kühn Automobile beheimatet. (bal/bea)

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