Wohnraumkonzept - Stadtbaurat Nolda: „Zu viel Bauland schadet“

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Neue Nutzung: Auf dem Gelände der ehemaligen Privatmolkerei Lindenberg, die im Dezember 2004 Insolvenz angemeldet hatte, will ein privater Investor 60 Reihenhäuser bauen. Das Grundstück liegt am Forstbachweg im Stadtteil Forstfeld.

Kassel. Für den Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) sind der Baulandmangel für Eigenheime sowie der knapper gewordene Wohnraum ein vorübergehendes Problem.

Zwar steige Kassels Einwohnerzahl derzeit, 1000 mehr im Jahr 2011, aber wegen der demografischen Entwicklung werde der Anstieg in den nächsten Jahren nachlassen. Wenn jetzt zu viel gebaut werde, sei später Leerstand zu befürchten. Dennoch werde für den gestiegenen Bedarf Wohnbauland geschaffen.

Wie die HNA berichtet hatte, stehen derzeit 370 Interessenten auf der Warteliste für einen städtischen Bauplatz. Dass sich der Druck in Kassels Wohnungsmarkt erhöht hat, belegt zudem eine Leerstandsquote von 2,5 Prozent. „Im Vergleich zu anderen Städten ist die Situation aber noch entspannt. Wenn die Suche nicht einfach ist, heißt das nur, es gibt kaum Leerstand - das ist gut“, sagt Nolda. Weil der Stadt nicht unbegrenzt unbebaute Flächen zur Verfügung stünden, gehe es in den nächsten Jahren vor allem um „eine Verdichtung der Bebauung“.

Zeitaufwändige Vorarbeit

Die Erschließung von Bauland sei in den beengten Verhältnissen nur nach erheblicher Vorarbeit möglich. Die Klärung von Eigentumsverhältnissen, Schallschutzfragen und Nachbarschaftsproblemen sei zeitaufwändig, sodass die Entwicklung oft viele Jahre dauere.

Die Idee von Kämmerer und Ex-Stadtbaurat Jürgen Barthel (SPD), einem Teil der täglich 70 000 Einpendler in Kassel eine Wohnperspektive zu bieten, hält Nolda für utopisch: „Wir werden eine Einpendlerstadt bleiben.“ Für Barthels Idee fehlten die Kapazitäten.

Carl Flore vom Stadtplanungsamt hat den Wohnraum seit Jahren im Blick und kennt die Schwankungen: „Nach der Wende mussten wir wegen des Zuzugs aus dem Osten 1500 Wohneinheiten schaffen. Zur Jahrtausendwende standen 4000 bis 5000 Wohnungen leer, und es wurde die Verslumung einzelner Stadtviertel befürchtet.“ Vor dem Hintergrund warnt Nolda: „Zu viel Bauland schadet.“

Der Stadtbaurat rechnet damit, dass eine sich verschlechternde Wirtschaftlage zum Abebben des Zuzugs in den nächsten vier bis fünf Jahren führen werde. Auch bei den Studentenzahlen werde mit einer Stagnation auf hohem Niveau kalkuliert.

Nolda kennt die Klagen der Makler über fehlende Wohnobjekte. Dass auf dem privaten Wohnungsmarkt dieses Jahr schon 68 Baugrundstücke und 253 Einfamilienhäuser den Besitzer gewechselt hätten, sei aber ein Beleg, dass der Markt nicht brach liege - auch wenn die Stadt derzeit kein Bauland anbiete. In den nächsten Jahren werde der Generationswechsel bei den Eigentümern von Einfamilienhäusern ein großes Thema.

Hintergrund: Neue Wohnflächen - zuletzt 200 im Jahr

Die Bilanz der Wohnraumschaffung wies zuletzt einen Anstieg aus. Hier eine Übersicht über die erteilten Baugenehmigungen. Die Zahl beschreibt die dadurch jeweils entstandenen Wohneinheiten.

• 2007: 155

• 2008: 192

• 2009: 243

• 2010: 182

• 2011: 205

Sternbergstraße: 14-Millionen-Projekt

Auf dem Gelände der ehemaligen Landesfeuerwehrschule in Wehlheiden investiert die GWH Wohnungsgesellschaft Hessen 14 Mio. Euro für den Bau von 70 Wohneinheiten. Die Tiefbauarbeiten sollen kommendes Frühjahr auf dem 16 000 Quadratmeter großen Areal an der Sternbergstraße beginnen. 2015 soll das Projekt fertig sein.

Zum Feldlager: Fertigstellung unklar

In Harleshausen, an der Straße „Zum Feldlager“, ist eines der größten Kasseler Baugebiete in Planung. Auf der Fläche sollen Einfamilien- und Reihenhäuser entstehen. Stadtbaurat Christof Nolda spricht von bis zu 120 Wohneinheiten. Weil das Bauland in der Hand mehrerer privater Eigentümer sei, dauere die Realisierung noch einige Jahre. Auf einen genauen Zeitpunkt der Erschließung will er sich nicht festlegen.

Söhrebahn: Erschließung 2013

Schon kommendes Jahr soll das 2,6 Hektar große Baugebiet an der alten Söhrebahntrasse (zwischen Eibenweg und Ochshäuser Straße) im Stadtteil Forstfeld erschlossen werden. Dort sollen 18 Wohneinheiten entstehen. Vorarbeiten laufen bereits auf dem Areal. Ein Großteil der Flächen ist in städtischer Hand.

Osterholz: 110 Wohneinheiten

Im Stadtteil Bettenhausen wird mit dem Neubaugebiet an der Straße „Vor dem Osterholz“ eine der nächsten Bauflächen fertig. Im Jahr 2013 solle bereits mit der Erschließung begonnen werden, sagte Stadtbaurat Christof Nolda. Auf der Fläche von 7,5 Hektar sollen insgesamt 110 Wohneinheiten entstehen.

Reichenberger Str.: 15 Grundstücke

Ein Baugebiet mit 15 Grundstücken entsteht an der Reichenberger Straße in Niederzwehren. Dort gebe es aber zum Teil langwierige Verhandlungen mit den bisherigen Eigentümern über die Flächen, sagt Stadtbaurat Nolda. Wann gebaut werden könne, sei deshalb unklar.

Am Kranichholz: Privater Investor

Für einen privaten Investor erschließt die Stadt derzeit acht Baugrundstücke „Am Kranichholz“ (Niederzwehren).

Jägerkaserne: Platz wird bebaut

Das Gelände der ehemaligen Jägerkaserne an der Ludwig-Mond-Straße soll weiter als Wohnbaufläche umgenutzt werden - zum Teil ist dies bereits geschehen. Derzeit verhandelt die Stadt mit dem Eigentümer, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, über eine Entwicklung des Kasernenplatzes. Dort sollen die Garagen abgerissen werden und weitere Wohnhäuser entstehen.

Alte Molkerei: Investor noch geheim

Auf dem Grundstück der stillgelegten Molkerei Lindenberg am Forstbachweg 25 (Forstfeld) sollen in den nächsten Jahren 60 Reihenhäuser entstehen. Dies teilte Carl Flore vom Stadtplanungsamt mit. Bei dem Investor handele es sich um eine Firma aus dem westdeutschen Raum. Mehr will die Stadt nicht sagen. Ein Entwicklungskonzept liege bereits vor. Zunächst stehe der Abriss der Alt-Gebäude an.

Hinter Salzmann: Im zweiten Schritt

Nach dem Umbau der ehemaligen Salzmann-Fabrik in ein Technisches Rathaus sollen in einem zweiten Schritt bis zu 100 Wohnungen auf der Rückseite des Industriedenkmals an der Melsunger Straße entstehen. Dieses Projekt wird nach den Worten von Stadtbaurat Nolda wohl erst angepackt werden, wenn die Sanierung und der Umbau des historischen Gebäudes 2015 abgeschlossen sind.

Auf der Dönche: Größtes Baugebiet

Südlich der Straße „Auf der Dönche“ im Ortsteil Nordshausen soll langfristig Kassels größtes Baugebiet mit bis zu 500 Wohneinheiten entstehen, sagt Stadtbaurat Christof Nolda. Die Entwicklung werde aber erst beginnen, wenn die Baugebiete „Zum Feldlager“ und „Vor dem Osterholz“ ausgeschöpft seien. Nördlich der Straße „Auf der Dönche“ habe der Landschaftsschutz Vorrang.

Von Bastian Ludwig

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