Pilotprojekt

Schlaue Tonne misst Müllmenge - Wohnstadt: Chance auf sinkende Gebühren

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So funktioniert’s: Wohnstadt-Servicecenterleiter Ulrich Türk öffnet mit dem Chip die Klappe der Müllschleuse.

Kassel. Die Bedenken einiger Mieter gegenüber der schlauen Mülltonne seien zu Beginn groß gewesen, sagt Bernhard Gundlach, Hausmeister in der Waldauer Wohnstadt-Siedlung an der Breslauer Straße. Nachdem die Müllschleusen der Firma Innotec einige Monaten in Betrieb seien, gebe es aber kaum noch Klagen.

Im Gegenteil: Die Mieter würden erkennen, dass sie auf diese Weise ihre Müllkosten reduzieren könnten, wenn sie ihren Abfall richtig trennen und so die gebührenpflichtige Restmüllmenge reduzieren. Jeder der Mieter hat einen elektronischen Chip erhalten, mit dem er die Klappen der Schleuse öffnen kann.

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Die Tatsache, dass bei jedem Einwurf eines Müllbeutels sich ihr Anteil an den Gebühren erhöhe, habe bei den Mietern in der Einführungsphase für Zurückhaltung gesorgt, sagt Antje Gerth, bei der Wohnstadt für den Bereich Nebenkosten zuständig. Den Mietern müsse erst klar werden, dass es ohnehin eine Mindestgebühr gebe, die den Einwurf eines 20-Liter-Beutels pro Woche beinhalte.

Derzeit liege die durchschnittliche Restmüllmenge in der Waldauer Wohnstadt-Siedlung, die neben Mietshäusern in Wolfsanger, Oberzwehren und Rothenditmold an das System angeschlossen ist, bei 60 Liter pro Haushalt und Woche. Jede der 600 Mietparteien habe also im Schnitt das Potenzial, 40 Liter zu sparen, sagt Gerth.

Was kostet der Einwurf?

Die Kosten für den Einwurf eines Restmüllbeutels sind nicht bezifferbar. Denn zunächst wird pro Woche jedem Mieter mindestens ein Einwurf berechnet. Dies ist die Mindestmenge, die die Stadtreiniger vorgeben. Neben dieser Mindestmüllmenge (52 Einwürfe pro Jahr) werden die Kosten für die Mehreinwürfe prozentual auf die Mieter verteilt. Das heißt, die Zahl der Einwürfe dient nur als Verteilungsmaßstab für die Müllgebühren. Weil nicht klar ist, wie viele Mehreinwürfe es in einem Jahr gibt, lässt sich im Vorfeld nicht sagen, was jeder einzelne Einwurf kostet. (bal)

Neben der Aufstellung der Müllschleusen kümmern sich Mitarbeiter von Innotec täglich um die Sauberkeit am Müllplatz. Sollten sie dabei Restmüll finden, den Mieter nicht in die Schleuse geworfen haben oder in die falsche Tonne, erledigen sie dies. Die Kosten werden dann auf die Allgemeinheit umgelegt. Und sie entsorgen sperrigen Müll, der nicht in die Klappen passt.

Die Kasseler Stadtreiniger schauen der Firma Innotec kritisch auf die Finger. Mitarbeiter der Stadtreiniger prüften, ob die Mieter – um Kosten zu sparen – ihren Restmüll in den Biotonnen entsorgen, sagt Stadtreiniger-Sprecherin Birgit Knebel. Denn die Stadtreiniger sind trotz der Schleusen weiter für die Abfuhr zuständig und erhalten auch die Müllgebühr. Die Firma Innotec versucht lediglich, diese Gebühren zu senken und ist als Gegenleistung an der Einsparung beteiligt.

Laut Knebel liegt noch kein abschließendes Ergebnis der Kontrollen vor. Sie sieht aber Eltern von Kleinkindern oder pflegende Angehörige wegen deren Windelverbrauch durch das System benachteiligt. „Windeln müssen sie jeden Tag rausbringen“, sagt Knebel. Die Mitarbeiter der Wohnstadt halten die Kritik der Stadtreiniger auch dadurch motiviert, dass diese wohl sinkende Gebühren befürchteten.

Des Problems der Haushalte, in denen viele Windeln anfallen, werde er sich annehmen, sagte Wohnstadt-Servicecenterleiter Türk. Ob bald weitere der insgesamt 7000 Kasseler Wohnstadt-Wohnungen an Müllschleusen angeschlossen werden, sei noch unklar. Zunächst solle das Pilotprojekt abgewartet werden.

Von Bastian Ludwig

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