Rundgang am Fachbereich Architektur: Kassel-Projekte stehen im Mittelpunkt

Türme zum Wohnen und Schauen: Die Studentinnen Ananda Ehret mit Aussichtsturm (von links), Denise Kerkmann mit ihrem Wohnturm für die Dönche und Isabel Werner mit einem Übernachtungsturm für Kanufahrer. Fotos: Dilling

Kassel. Kassel habe ein Problem, sagt Architekturprofessorin Maya Reiner von der Universität Kassel: „Die Stadt hat extrem schöne, aber auch extrem scheußliche Ecken.“ Letztere standen dieses Semester im Mittelpunkt bei vielen Studenten im Fachbereich Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung (ASL).

Ihre Projektarbeiten präsentieren sie bis Donnerstag beim traditionellen Rundgang. Mehr als die Hälfte der 75 Projekte beschäftigten sich mit der Fuldastadt, sagt Prof. Ariane Röntz. Die Stadt sei selbst auf die Uni zugekommen, die studentischen Arbeiten könnten der Stadtentwicklung neue Impulse geben.

Die studentischen Entwürfe - abseits von Kostendruck und anderen Hemmnissen einer Stadtverwaltung - sind zuweilen recht spektakulär: Da erhebt sich auf Stelzen ein überdimensionales, vogelhausartiges Jugendhotel mit angeschlossener Gaststätte 40 Meter hoch über das hässliche Parkhaus an der Fünffensterstraße, mit herrlichem Blick über die Stadt und zum Rathaus. Andere Zweitsemester haben sich weitere Lösungen ausgedacht, wie man den dunklen Fleck der Innenstadtarchitektur in ein schöneres Kleid hüllen kann - beispielsweise durch eine ansprechende Überbauung (Präsentation heute, 10 Uhr, Raum 2110 a).

Wie löst man das Problem fehlenden Wohnraums und sorgt zugleich für Hingucker im Stadtbild? Studierende von Prof. Wolfgang Schulze haben originelle Antworten gefunden: Sie planen eine Reihe von Mini-Hochhäusern, die beispielsweise aus dem Häusermeer am Entenanger ragen, an der Fulda Kanusportler als Übernachtungsquartier dienen oder den Rand der Dönche begrenzen. Als Sahnehäubchen vervollständigt ein Aussichtsturm im Asch-See unweit der Löwenburg das Ensemble.

Andere Studenten haben den Kasseler Hafen im Blick. Sie wollen aus dem bescheidenen Bootshaus des Yachtclubs mit unterschiedlichen Bauvarianten einen öffentlichen Ort für Veranstaltungen und Begegnungen machen, inklusive Fahrradverleih. Diese Modelle werden morgen, 11 Uhr, im Raum 2132 präsentiert.

Weitere Arbeiten beschäftigen sich damit, den Verkehr auf der Frankfurter Straße und der Wilhelmshöher Allee zu bändigen und Fußgängern mehr Raum zu geben. Sogar internationales Flair hat die Ausstellung: ASL-Studenten und angehende Designer der Kunsthochschule entwerfen mit einem Fräsroboter eine muschelartige Konstruktion für den Uni-Campus der australischen Stadt Melbourne.

ASL-Rundgang im K 10 (Henschelstr. 2), im Torhaus und bei Kolbenseeger (Gottschalkstr. 22 / 28) heute von 10 bis 19 Uhr, Donnerstag von 10 bis 18 Uhr.

Von Peter Dilling

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.