Container als Notschlafstellen

Wohnungslosigkeit nimmt zu: 200 Menschen in Kassel haben keine Bleibe

Kurz vor der kalten Jahreszeit sind in Kassel etwa 200 Menschen wohnungslos. Die Zahl ist seit Jahren konstant. Deutschlandweit ist dagegen ein drastischer Anstieg feststellbar.

„Es sind mal etwas mehr und mal etwas weniger“, berichtet Sozialamtsleiterin Ute Pähns über die Situation in Kassel. Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe ist deutschlandweit dagegen ein drastischer Anstieg feststellbar. Demnach hat die Zahl der Menschen ohne Bleibe einen neuen Höchststand erreicht. Seit 2012 ist sie um 18 Prozent auf 335.000 Betroffene gestiegen. Von 2015 bis 2018 befürchtet die Arbeitsgemeinschaft einen weiteren Zuwachs um 200.000 auf mehr als eine halbe Million Wohnungslose.

Dass Kassel vom drastischen Anstieg der Obdachlosen verschont bleibt, führt Sozialamtsleiterin Pähns auf die gute Kooperation der Stadt mit Hilfsorganisationen zurück. Diese funktioniere bereits seit Jahren. Pähns: „Ich sehe es als unsere Aufgabe an, die Wohnungslosen gut über den Winter zu bringen. Bisher ist das immer gelungen.“

Anfang November werden in Kassel wieder Container und Appartements als Notschlafstellen geöffnet. Zunehmende Probleme haben die Hilfsorganisationen aber bei ihrem Bemühen, für die Betroffenen Wohnungen anzumieten.

„Die Situation hat sich verschärft“, sagt Stefan Jünemann vom Verein Soziale Hilfe Kassel. In der Stadt mangele es an kleinen günstigen Wohnungen, meint der Leiter der Tagesaufenthaltsstätte Panama an der Kölnischen Straße. „Wir finden für unsere Leute keinen bezahlbaren Wohnraum mehr.“

Als Hauptursachen für die große Zahl der Wohnungslosen werden der Wohnungsmangel, die hohen Mieten, Verarmung und sozialpolitische Fehlentscheidungen genannt. Die Zuwanderung von EU-Bürgern und Asylbewerbern wirke dabei lediglich als Katalysator und Verstärker, erklärt die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe.

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