Wohnungsprostitution am Schwanenweg

Wohnungsprostitution: Unterneustadt wird zum Rotlicht-Viertel

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Wohnungsprostitution im großen Stil: In dem Mehrfamilienhaus am Schwanenweg bieten Frauen Sex gegen Geld an

Kassel. Die Unterneustadt entwickelt sich immer mehr zu einem Schwerpunkt der Wohnungsprostitution. Sexarbeiterinnen bieten dort gleich häuserweise ihre Dienste an. Alteingesessenen Hauseigentümern ist das Gewerbe in der Nachbarschaft ein Dorn im Auge.

Sie befürchten, dass ihnen die Mieter davonlaufen und sie keine neuen finden.

Der Polizei sind gleich mehrere Adressen an der Leipziger Straße bekannt, in denen Frauen der Prostitution nachgehen. „Das nimmt zu“, sagt Jörg Kruse, Leiter des Kommissariats für Sittendelikte und Milieustraftaten (K12) bei der Kasseler Polizei, über Wohnungsprostitution. Seit der EU-Erweiterung 2009 und der Einreise von Osteuropäern wie Bulgaren und Rumänen gebe es deutlich mehr Wohnungsprostitution. In der Unterneustadt sei eine Konzentration zu beobachten. Konkrete Zahlen gibt es nicht.

Auch in dem Mehrfamilienhaus gegenüber dem Messeplatz am Schwanenweg bieten Frauen ihre Körper an. Das Haus hatte zuletzt Schlagzeilen gemacht, weil dort eine junge Bulgarin zur Prostitution gezwungen worden war. Wohnungsprostitution gibt es laut Polizei im Kasseler Osten auch an der Schützenstraße und der Hartwigstraße.

Haustüren stehen offen

In den sogenannten Laufhäusern stehen die Eingangstüren immer offen, Plakate an den Wohnungstüren geben Auskunft über die einzelnen Prostituierten und deren Angebot. Die Freier können dann wählen, an welcher Tür sie klingeln. „Das geht morgens ab 9, 10 Uhr los“, sagt Kruse. Die Polizei kontrolliert regelmäßig in diesen Häusern. „Je mehr Kontrollen, umso mehr wird entdeckt.“ Wo Prostitution stattfinde, gebe es meist auch begleitende Kriminalität.

Größere Auseinandersetzungen im Milieu habe es in Kassel bislang aber kaum gegeben. „Wir haben nicht so viele Einsätze dort.“ Gegen die Wohnungsprostitution hat die Polizei laut Kruse keine Handhabe. Eingreifen könne man nur, wenn etwa durch aufreizende Plakate an der Hauswand für die sexuelle Dienstleistung geworben werde.

Rotlichtmilieu: An den Wohnungstüren werben die Frauen für ihre Dienste.

Bis auf Rotlicht in den Fenstern weist in der Regel kaum etwas auf das Sexgeschäft hin. „Das Problem ist immer, das Gewerbe nachzuweisen“, sagt Wolfram Kieselbach vom Kasseler Haus- und Grundeigentümerverband. „Sperrbezirke gelten nur für die Straße. Wenn die Damen in den Wohnungen auch leben, wird’s schwierig.“

Was sich da drinnen abspielt, das kriegen wir hier nicht mit“, sagt Helmut Metz, seit fast 30 Jahren in Diensten des am Schwanenweg ansässigen Dachdeckerbetriebes Rudolph. Bis auf die vielen Autos mit bulgarischen und rumänischen Kennzeichen, die nun im Schwanenweg parken. „Der Ostblock lässt grüßen.“

Auch Schrottautos werden dort immer wieder abgestellt, klagt eine Anwohnerin. Strafzettel nutzten nichts. „Das Ordnungsamt müsste aktiver werden.“ Angst macht ihr das Gewerbe in der Nachbarschaft nicht. „Es stimmt mich aber traurig, dass den Frauen eine große Zukunft versprochen wird und sie sich für einen Apfel und ein Ei verkaufen müssen.“ Trotz aller Toleranz: Wohnen bleiben will sie mit ihrer Familie dort nicht. Ihr Kind soll in einer besseren Umgebung aufwachsen.

Von Ellen Schwaab

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