Schaustellerpaar lernte sich vor zwölf Jahren auf Kasseler Frühlingsfest kennen

Im Wohnwagen funkte es

Leben für den Rummel: Dennis Ruppert und Jessica Bergmann müssen ihren Sohn Emil oft im Kassenhäuschen ihres Fahrgeschäfts bei Laune halten. Fotos: Ludwig

Kassel. Zwischen Autoscooter und Würstchenbude sind sich Jessica Bergmann (29) und Dennis Ruppert (30) schon als Kinder über den Weg gelaufen. Die Nürnbergerin und der Bad Wildunger kommen beide aus Schaustellerfamilien. Auf dem Kasseler Frühlingsfest vor zwölf Jahren ist es nicht bei einer flüchtigen Begegnung geblieben. Damals funkte es im Wohnwagen einer Bekannten zwischen den beiden. Derzeit stehen sie mit ihrem eigenen Fahrgeschäft wieder auf der Schwanenwiese – inzwischen sind sie zu dritt.

Gefühle fuhren Achterbahn

Dennis Ruppert erinnert sich noch gut an den Abend, als die Gefühle Achterbahn fuhren: „Jessica feierte bei einer Freundin im Wohnwagen ihren 18. Geburtstag.“ Kurze Zeit später arbeitete die Nürnbergerin im elterlichen Betrieb von Dennis Ruppert mit. Sie wusste, was auf sie zukommt: Schon als Kind hatte sie am Kinderkarrussell ihrer Eltern kassiert und beim Ausschank geholfen.

Eigentlich wollte die Nürnbergerin Hotelfachfrau werden, aber dann ging es ihr wie vielen Schaustellerkindern: Sie blieb in der Branche. Bei Dennis Ruppert war es ähnlich. Er ließ die Schule irgendwann schleifen. „Schließlich hat mein Lehrer seine Bemühungen aufgegeben und meinen Eltern gesagt: ,Der hat sowieso nur die Schaustellerei im Kopf.‘“

Zuhause auf Rollen

Ihr heutiges Zuhause hat Rollen, bietet 60 Quadratmeter Platz und ist mit Badewanne und Fußbodenheizung ausgestattet: Von März bis November leben sie in ihrem Riesenwohnwagen, mit dem sie etwa 20 Volksfeste im Jahr ansteuern. Den Platz brauchen sie auch, denn vor 14 Monaten kam ihr Sohn Emil zur Welt.

Der Nachwuchs hält beide mächtig auf Trab. Während einer sich ums Windelwechseln kümmert, sitzt der andere im Fahrgeschäft, kassiert, steuert die Anlage und macht die Ansagen fürs Publikum: „Neue Runde, einsteigen, dabei sein!“

„Du musst für dieses Leben geboren sein. Wenn du jedes Wochenende woanders bist, ist es schwierig, eine Beziehung aufzubauen“, sagt Dennis Ruppert. Deshalb gebe es viele Schausteller-Ehen.

Im Jahr 2005 hat sich das Paar mit einem eigenen Fahrgeschäft, dem „Fliegenden Teppich“, selbstständig gemacht. Vergangenen Winter investierten sie eine halbe Million in ein neues: „Frisbee“ heißt es und bringt die Fahrgäste heftig ins Rotieren.

Damit sich die Investition rentiert, muss die Kleinfamilie ihren Urlaub auf die Zeit zwischen Januar und März beschränken. In der Adventszeit ruft die Arbeit auf den Weihnachtsmärkten. „Es wird immer schwieriger, über die Runden zu kommen, weil die Kosten für Strom und Diesel ständig steigen“, sagt Ruppert.

Emil hat auch schon das Rummelfieber gepackt. Das Mikro für die Ansagen fasziniert ihn – besonders der Hall-Effekt. Damit klingt sein Gebabbel geisterbahnreif.

Von Bastian Ludwig

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