In Hessen sollen 200 Biber leben

Immer mehr Biber rund um Kassel - Naturschützer warnen vor Tier-Tourismus

Biber arbeiten vor allem nachts: Diesen Biber nahm der Kasseler Fotograf Wilfried Martin an der Fulda bei Wolfsanger auf.
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Biber arbeiten vor allem nachts: Diesen Biber nahm der Kasseler Fotograf Wilfried Martin an der Fulda bei Wolfsanger auf.

Immer wieder entdecken Spaziergänger rund um Kassel Fraßspuren von Bibern. Nun hat ein Fotograf erstmals ein Tier abgelichtet. Experten warnen aber vor einem Tier-Tourismus.

Kassel – Wilfried Martin hat schon viele Tiere fotografiert und 40 000 Bilder davon auf seiner Festplatte, aber auf diese Aufnahmen ist er besonders stolz. Mit einer Wildkamera hat der Kasseler Fotograf den Biber an der Fulda bei Wolfsanger festgehalten. Das ist ungewöhnlich, da man zwar die Fraßspuren der Nager öfter sieht, die Tiere aber nur sehr selten, weil sie nachtaktiv sind.

Nachdem Hobbyläufer Martin vor einigen Wochen bei seiner morgendlichen Runde auf dem Fuldaradweg angenagte Weiden entdeckt hatte, brachte er seine Spezialkamera abends in der Mitte zwischen dem Kasseler Ortsschild und dem Lokal „Roter Kater und Graue Katze“ an. Gleich fünfmal zwischen 18 Uhr und 5 Uhr am Morgen wurde das Gerät ausgelöst. Die Bilder zeigen etwa, wie der Biber, der normalerweise Weiden bevorzugt, auch an einer kleinen Eiche nagt.

Ähnliche Spuren hat die HNA-Leserin Marina Ivancic bei einem Spaziergang in der Nähe des Fuldawehrs zwischen der Neuen Mühle und Fuldabrück-Bergshausen fotografiert. Für Carolin Bräuer ist das keine Überraschung. „Es werden immer mehr Tiere“, sagt die Mitarbeiterin des Kasseler Regierungspräsidiums (RP), die dort unter anderem für das Biber-Management zuständig ist.

Hessenweit gibt es etwa 900 Tiere, wie Bräuer schätzt, in Nord- und Osthessen sollen es rund 200 sein. Die meisten davon leben an der Fulda und ihren Zuflüssen. Mehr als drei Jahrzehnte nach ihrer Ansiedlung in Hessen ist der Biber für Naturschützer längst zu einer Erfolgsgeschichte geworden. 1987 waren im Main-Kinzig-Kreis 18 Elbe-Biber aus der DDR ausgesetzt worden. Nach Norden werden es allerdings immer weniger. „In Trendelburg ist der Biber noch nicht angekommen“, sagt Bräuer.

An der Fulda rund um Kassel wird man seine Fraßspuren nun aber wohl noch öfter entdecken. Seit Oktober baut er verstärkt an seinen Burgen und bereitet sich so auf den Winter vor. Zugleich, so sagt es die RP-Expertin, pflegt er mit der Arbeit an den Bäumen seine Zähne.

Bei aller Freude über ein Wildtier, das in der Region wieder heimisch geworden ist, warnt Bräuer jedoch vor einem Tier-Tourismus. Als Anfang des Jahres Fraßspuren an Bäumen am Losse-Ufer in der Nähe des Kaufunger Ortsteils Papierfabrik entdeckt worden waren, begaben sich viele Spaziergänger dort auf die Suche nach dem Biber. Bräuer sah, wie Kinder und Hunde auf den Dämmen liefen, die die Tiere gebaut hatten. Der Andrang könnte Folgen haben: „Wir dachten schon, der Biber sei weitergezogen.“

Darum warnt sie, zu nah an die Burgen zu gehen, die sich oft in Ufernähe befinden. Zudem seien die bis zu 30 Kilo schweren Tiere sehr wehrhaft.

Fotograf Martin, der auch dieses Jahr seinen Kalender „Faszination Natur Nordhessen“ herausgibt, hofft derweil, den Biber auch mal tagsüber vor die Kamera zu bekommen. Einmal saß der 68-Jährige in seinem Tarnzelt an der Ahne-Mündung, als ein Biber „an mir vorbei marschierte. Aber er war zu schnell für mich.“ (Matthias Lohr)

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