Andere-Welt-Festival auf Gut Kragenhof

Festival mit Milky Chance: Anwohner klagen über jede Menge Lärm

Auch Milky Chance traten auf Gut Kragenhof auf: Von Donnerstag bis Sonntag gab es beim Andere-Welt-Festival Musik bis tief in die Nacht und sogar in den Morgen.
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Auch Milky Chance traten auf Gut Kragenhof auf: Von Donnerstag bis Sonntag gab es beim Andere-Welt-Festival Musik bis tief in die Nacht und sogar in den Morgen.

Für die Besucher des Andere-Welt-Festival auf Gut Kragenhof in Kassel war die Premiere ein voller Erfolg. Im Fuldatal beschwerten sich jedoch zahlreiche Anwohner über Lärm.

Kassel/Fuldatal – Am vergangenen Wochenende hat Klaus Röhring kein Auge zugemacht. Der 80-Jährige wohnt in Fuldatal-Rothwesten und hörte dort jede Nacht die Techno-Beats, die vom Andere-Welt-Festival auf Gut Kragenhof bei Kassel stammten. Röhring lobt das nachhaltige Konzept des neuen Festivals, mit dem die Organisatoren von Donnerstag bis Sonntag 2000 Besucher anlockten. Aber er sagt: „An diesem nächtlichen Lärmterror ist nichts anders als das Übliche bei solchen Festivals.“

Mit seiner Kritik ist Röhring nicht allein. Bei der Polizei gingen Beschwerden „in einem niedrigen zweistelligen Bereich“ ein, wie eine Sprecherin sagt. Vor allem aus Rothwesten und Simmershausen. Offensichtlich hat der Südwestwind die Klänge auf die andere Fuldaseite geweht. Selbst im weit entfernten Wilhelmshausen klagten Anwohner über den Krach vom Gut Kragenhof.

Kritik über Lärm vom Musik-Festival: „Dafür habe ich kein Verständnis“

Bärbel Dührsen aus Ihringshausen dachte zunächst, ein Teenager in der Nachbarschaft „dreht am Rad“. Doch dann war klar, dass die Musik vom Festival kommt. Die 66-Jährige findet es „wunderschön, dass die Halbinsel belebt wird“. Aber die Techno-Bässe seien vier Tage und Nächte durch Mark und Bein gegangen – meist bis in den frühen Morgen: „Selbst bei geschlossenen Fenstern mit Dreifachverglasung ist man aufgewacht. Dafür habe ich kein Verständnis. In der Form kann es auf keinen Fall wieder stattfinden.“

Eine zweite Auflage können sich Organisator Patrick Schorn und Familie Merz, die Gut Kragenhof betreibt, gut vorstellen. Julian Merz ist angetan von den vielen positiven Reaktionen der Besucher, die es gegeben habe. Und Schorn sagt nach der für ihn gelungenen Premiere: „Es kann sein, dass wir das jahrzehntelang machen.“ Darum wolle man weitere Gespräche führen. Mit einigen Anwohnern, die sich über den Lärm beschwert hatten, telefonierte er noch während des Festivals. Sie hätten dann Verständnis gezeigt.

Andere-Welt-Festival in Kassel: Lärmproblematik wurde im Vorfeld besprochen

Schorn versichert, dass „wir uns an alle Vorgaben gehalten haben“. Auch die vom Umwelt- und Gartenamt geforderten Lärmmessungen seien durchgeführt worden. Die Protokolle werden bei der Stadt Kassel nun von Fachleuten geprüft, wie ein Sprecher des Rathauses sagt: „Sollten Auflagenverstöße festgestellt werden, werden diese mit dem Veranstalter besprochen und weitergehende Maßnahmen erörtert.“ Über eine mögliche Lärmproblematik hatten Mitarbeiter der Stadt im Vorfeld immer wieder mit den Veranstaltern gesprochen.

Sollte es die „Andere Welt“ auch nächstes Jahr geben, könnte vielleicht eine Idee von Klaus Röhring aufgegriffen werden. Der Fuldataler hat einst das John-Cage-Kunstprojekt in Halberstadt mitgegründet. Von dem US-Komponisten stammt unter anderem das Musikstück „4’33“, das aus viereinhalb Minuten Stille besteht. Darüber könnte sich im Fuldatal dann niemand beschweren. (Matthias Lohr)

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Im Vorfeld des Festivals gab es zunächst noch Kritik von einer ganz anderen Seite: Im Fokus stand dabei die 400.000-Euro-Förderung des Open-Air-Festivals durch das Land Hessen und das bei Kartenpreisen von 200 Euro. Die Veranstalter wehrten sich gegen die Kritik: „Wir sind regional statt Schickimicki“. Zudem reagierten sie, in dem die Tickets für das Open-Air-Festival dann für 0 Euro ausgegeben wurden - allerdings nur an Geimpfte und Genesene.

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