Immer ein offenes Ohr

Korn, Kondensmilch und Kondome: Kasseler Kiosk "Bei Manuela" gibt es seit über 30 Jahren

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Hat immer ein offenes Ohr: Manuela Reuter betreibt seit über 30 Jahren einen Kiosk im Stadtteil Wolfsanger.

Kassel. Korn, Kondensmilch oder Kondome: Manuelas kleine „Schaltzentrale“ ist mehr als nur ein Kiosk.

Seit über dreißig Jahren betreut Manuela Reuter an der Wolfsangerstraße ihre Stammkunden – nicht nur mit Zeitungen und Schnucke, sondern mit allem, was die gerade so brauchen. Aber auch für kleine Problemchen hat die 57-Jährige an ihrem Verkaufsfenster immer ein offenes Ohr.

Die blau-weiß-gestreifte Markise, die Sitzgruppe unter dem Vordach, leuchtende Sonnenblumen, bunte Gartenzwerge und eine kleine Ecke für Flohmarktverkäufe: Wie eine kleine Insel liegt der Kiosk zwischen der viel befahrenen Fuldatalstraße und der Wolfsangerstraße. Die Idee, einen Kiosk zu eröffnen, kam Reuter eigentlich eher zufällig. „Ich hatte damals einige Wochen keinen Job und hab dann gedacht, mache ich mal ein kleines Büdchen auf“, erzählt die gelernte Einzelhandelskauffrau. 

Kiosk ist auch an Heiligabend geöffnet

Sieben Tage die Woche ist „Bei Manuela“ geöffnet – sogar an Heiligabend bis 16 Uhr. „Da kriegt auch der Letzte noch einen Weihnachtsbaum“, sagt Reuter. Im Inneren des Lädchens gibt es fast nichts, was es nicht gibt. Einige Artikel sind je nach Saison im Sortiment – zurzeit natürlich Sonnencreme, im Winter Glühwein. Andere Dinge gibt es immer: Die Ahle Wurscht, die in Nordhessen nicht fehlen darf, oder das klassische Schnuckzeug.

Verkauft wird durch das Fenster, und das ab 6 Uhr. Dann gibt es Kaffee, frische Brötchen und die aktuellen Tageszeitungen. „In den dreißig Jahren hat sich viel verändert“, sagt Reuter. „Früher gab es bei uns die Zeitungen und die Brötchen beim Bäcker, heute backen wir auch, und beim Bäcker kann man auch Zeitungen bekommen.“

Supermärkte als Konkurrenz

Aber nicht nur das: Noch vor einigen Jahren war der Kiosk die einzige Möglichkeit im Stadtteil, am späten Abend noch kalte Getränke oder Süßigkeiten zu kommen. Heute haben die umliegenden Supermärkte größtenteils bis mindestens 20 Uhr geöffnet – einige in der Stadt sogar bis Mitternacht. „Unsere Stammkunden kommen natürlich auch weiterhin“, sagt Reuter, „aber es hat sich schon bemerkbar gemacht.“

Der Kioskbetrieb grenzt an Reuters Elternhaus an. Auf dem Gelände, wo heute der Verkaufsraum ist, befand sich früher mal eine Tankstelle. Die ganze Familie unterstützt beim Verkauf. Früher hat Reuter den gesamten Verkauf alleine gestemmt – von morgens um 6 bis abends um 22 Uhr. Aber mittlerweile werden die Schichten aufgeteilt. Größtenteils zwischen Reuter und ihrer Tochter Nicole, die bei ihr angestellt ist. „Aber im Notfall springen auch mein Ehemann oder mein Bruder ein“, sagt Reuter.

Das Besondere ist der Kontakt zu Menschen

Ein Leben ohne Kiosk? Das ist für Reuter undenkbar. „Wenn ich in den Urlaub fahre, dann braucht es erst mal ein paar Tage, bis ich mich daran gewöhnt habe“, sagt sie. Aber eigentlich will sie sich das auch gar nicht vorstellen: „Das Besondere an meinem Alltag ist der Kontakt zu vielen Menschen, das macht mir immer noch großen Spaß und soll noch lange so bleiben.“

Hier befindet sich der Kiosk von Manuela Reuter

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