Streit um den Rückschnitt eines Baums

Keine Gnade für die Kirsche: Kasseler Rentner bat um Rücksicht und bekam Verfahren

+
Verärgert über Reaktion der Verwaltung: Der 80-jährige Ernst Meil hatte die Stadtreiniger gebeten, bei der Anfahrt in den Privatweg (im Hintergrund) auf seinen Baum etwas Rücksicht zu nehmen.

Im Garten von Ernst Meil im Wolfsanger steht ein imposanter Kirschbaum. Dessen Äste ragen über den Zaun in einen Wendeplatz. 

Nachdem die Stadtreiniger mit ihrem Fahrzeug einige Äste abgerissen hatten, wandte er sich mit einer netten E-Mail an das Entsorgungsunternehmen. Statt einer Antwort erhielt er vom Straßenverkehrsamt ein Verfahren wegen Behinderung des Straßenverkehrs.

Das hätte der frühere Ortsvorsteher von Wolfsanger nicht erwartet: Mit einer freundlichen Bitte hatte der 80-Jährige die Stadtreiniger angeschrieben. Er lobte deren Arbeit und bat darum, dass die Müllfahrzeuge bei der Einfahrt über den Wendeplatz zu zwei Grundstücken am Goldregenweg nicht unmittelbar an seinem Zaun entlangfahren, um die Äste zu schonen. Dafür ist ein kleiner Schlenker auf dem Wendeplatz nötig, der genug Platz bietet.

Enttäuscht von Stadt und Stadtreinigern

Eine Rückmeldung der Stadtreiniger blieb aus. Doch wenige Tage später erhielt er ein Schreiben der Stadt Kassel, in dem ihm die Behinderung des Straßenverkehrs vorgeworfen wurde. Er wurde aufgefordert, seinen Baum innerhalb von zwei Wochen zurückzuschneiden. Über der Fahrbahn müsse ein Freiraum von 4,50 Meter bleiben.

„Ich werde den Baum nun zurückschneiden, obwohl es für den Baum im Herbst besser gewesen wäre. Ich bin enttäuscht vom Vorgehen von Stadt und Stadtreinigern – zumal es ohne meine Bitte nie ein Verfahren gegeben hätte“, sagt Meil. Auf eine Bitte müsse die Verwaltung nicht so reagieren.

Zudem seien nicht die Äste seines Baums das eigentliche Problem für die Müllwerker, sondern die viel zu schmale Privatstraße zu den beiden Grundstücken am Goldregenweg. „Wenn ich mein Auto unter der Kirsche parken würde, was erlaubt ist, müssten die Stadtreiniger auch einen Schlenker fahren.“

Auf HNA-Anfrage teilen die Stadtreiniger mit, sie hätten zweimal erfolglos versucht, den Anwohner telefonisch zu erreichen. Daraufhin sei die Angelegenheit an das Straßenverkehrsamt weitergeleitet worden. Die Fahrspuren seien für Einsatzwagen sowie für die 3,40 Meter hohen und 2,50 Meter breiten Müllfahrzeuge freizuhalten. „Dies ist im Goldregenweg 17 durch den fast drei Meter in die Fahrbahn ragenden Ast nicht gegeben“, so eine Sprecherin. Auch durch eine besondere Fahrweise sei eine Kollision nicht zu vermeiden.

„Ich habe einen Anrufbeantworter. Es wäre möglich gewesen, eine Nachricht zu hinterlassen“, sagt Meil.

Auch in Harleshausen gab es schon einmal Streit wegen Grünschnitt. Dort forderte die Stadt Kassel eine Anwohnerin auf ihre Hecke radikal zu schneiden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.