Firma hat sich immer wieder neu erfunden

Mit Olympia fing alles an: Bürotechnik Küpper in Kassel wird 100

Sie sind Bürotechnik Küpper in Kassel: Michael Küpper (von links), Reiner Hofmeister (seit 42 Jahren im Betrieb), Auszubildender Christoph Ehrhardt und Manuela Küpper.
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Von Olympia-Schreibmaschinen zu Kyocera-Multifunktionsgeräten: Michael Küpper (von links), Reiner Hofmeister (seit 42 Jahren im Betrieb), Auszubildender Christoph Ehrhardt und Manuela Küpper.

Bürotechnik Küpper in Kassel gibt es seit 100 Jahren. Es ist ein ungewöhnliches Jubiläum in einer Branche, die sich wandelt wie kaum eine andere.

Kassel – Wahrscheinlich hat die Mehrheit der Nordhessen schon einmal etwas in den Händen gehalten, für das Küpper Bürotechnik mitverantwortlich ist. Die Firma aus dem Kasseler Stadtteil Wolfsanger stattet Behörden, Betriebe und Schulen mit Druckern, Kopierern und Multifunktionsgeräten aus. So kommen etwa Dokumente in Schulen der Landkreise Kassel und Schwalm-Eder aus Kyocera-Geräten, die von Michael und Manuela Küpper sowie ihren fünf Mitarbeitern betreut werden. Auch das neue Impfzentrum in Calden haben sie ausgestattet.

Nun feiert die Firma ihr 100-jähriges Bestehen. Es ist ein ungewöhnliches Jubiläum in einer Branche, die sich gewandelt hat wie kaum eine andere. Die Firmengeschichte erzählt aber auch einiges darüber, wie sich das Leben der Menschen verändert hat. Gegründet wurde das Unternehmen 1921 von Michael Küppers Großvater Wilhelm, der nach dem Ersten Weltkrieg wegen der Liebe aus Wuppertal ins ländliche Nordhessen gekommen war.

Hier vertrieb er Schreibmaschinen des Marktführers Olympia, aber auch Diktiergeräte, Rechen- und Vervielfältigungsmaschinen – zunächst in der Weißenburgstraße, dann an anderen Standorten in der Innenstadt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde er gleich dreimal ausgebombt. Immer wieder musste er mit seinen bis zu 18 Mitarbeitern von vorn anfangen. Der Sohn, der die Firma übernehmen sollte, fiel an der Ostfront. Tochter Franziska, die eigentlich Ballettlehrerin werden wollte, blieb nichts anderes übrig, als in das Geschäft einzusteigen.

Als Wilhelm Küpper 1954 starb, wurde sie Firmenchefin. Ein Jahr später bekam sie Sohn Michael. Von dessen Vater ließ sie sich bald scheiden. Frauen wie Franziska Küpper gab es damals kaum. „Sie hat die Firma geführt, sich um ihre kranke Mutter und mich gekümmert und sich in der Männer-Branche durchgeboxt“, sagt ihr Sohn Michael.

Wichtiges Standbein damals waren Geldzählmaschinen. Die Firma Küpper wartete die Geräte, mit denen Banken Münzen zählen, bis weit über Nordhessen hinaus. Später kam ein Geschäft in der Fünffensterstraße hinzu, wo es alles rund ums Büro gab.

Michael Küpper stieß 1974 zur Firma. Seine Mutter setzte sich erst mit 72 zur Ruhe. Danach musste sich die Firma wieder einmal neu erfinden. Die Firma Olympia ging pleite. Die Konkurrenz im Versandhandel wurde größer. „Im Einzelhandel hat man nur eine Chance, wenn man sich spezialisiert“, sagt Michael Küpper.

1994 zog das Unternehmen nach Wolfsanger, seit 1999 ist es Vertreter von Kyocera-Geräten. Der japanische Konzern war Vorreiter beim klimaneutralen Drucken. Corona hat die Firma kaum getroffen, auch wenn während der Pandemie weniger gedruckt und mehr gescannt wird, wie Michael Küpper sagt.

Trotzdem könnte die lange Geschichte der Firma bald zu Ende sein. Tochter Katharina lebt mit ihrer Familie als Schauspielerin in Berlin und war etwa in der ZDF-Telenovela „Alisa – Folge deinem Herzen“ zu sehen. „In vier Jahren hören wir auf“, sagt der 65-jährige Firmen-Chef. Christoph Ehrhardt, der gerade im Betrieb begonnen hat, könnte der letzte Auszubildende sein. (Matthias Lohr)

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