Vor der Einweihung erinnert sich Ortsvorsteher Helmuth Brehm

Neuer Kunstrasenplatz in Wolfsanger kurz vor der Fertigstellung

Ortsvorsteher Helmuth Brehm auf dem neuen Kunstrasenplatz, der Ende Oktober eingeweiht werden soll.
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Schicke neue Heimspielstätte: Ortsvorsteher Helmuth Brehm auf dem neuen Kunstrasenplatz, der Ende Oktober eingeweiht werden soll.

Ende Oktober bekommt Wolfsanger einen neuen Sportplatz. Anlass für Ortsvorsteher Helmuth Brehm zurückzublicken ins Jahr 1959, in dem er einen Aufsatz über den damals neuen Sportplatz schrieb.

Kassel - Schon als Zehnjähriger war Helmuth Brehm eine Art Ortsvorsteher von Wolfsanger. In der vierten Klasse schrieb der Schüler 1959 einen Aufsatz mit dem Titel „Unser Sportplatz wird gebaut“. Der alte war schon länger nicht mehr im besten Zustand, wie der kleine Helmuth damals notierte.

In schnörkelloser Prosa beschrieb er, wie Raupen die Muttererde verteilen und der eingesäte Rasen ein Jahr liegen bleiben muss, „damit der Boden fest wird“. Er war schon als Kind sehr interessiert an allem, was in Wolfsanger passierte. Heute ist Brehm 71, tatsächlich Ortsvorsteher und ein bisschen stolz, wie exakt er das damals alles aufgeschrieben hat.

Trotzdem bekam er vom strengen Deutschlehrer nur ein „befriedigend“. Unerklärlich eigentlich. Aber der strenge Herr Sanne, der die Mädchen und Jungen damals noch züchtigte, hatte seine Lieblingsschüler. „Und ich gehörte eher nicht zu den Privilegierten“, sagt Brehm.

60 Jahre später hat der SPD-Politiker den Aufsatz aus einem Karton mit vergilbten Heften gekramt. Denn bald bekommt sein Stadtteil wieder einen neuen Sportplatz. Seit dem Frühjahr entsteht an der Fuldatalstraße ein moderner Kunstrasenplatz mit Quarzsand. Zudem wurde eine Flutlichtanlage installiert. 1,2 Millionen Euro lässt sich die Stadt das kosten.

Die Eröffnung ist für die letzte Oktoberwoche geplant. Dann hat der TSV Wolfsanger, dessen Fußballer für ihre gute Nachwuchsarbeit bekannt sind, wieder eine schicke Heimspielstätte. Die Kinder von heute freuen sich wie der kleine Helmuth damals, dessen Text 1959 mit dem Satz endet: „Nächstes Jahr können wir bestimmt noch spielen.“

Brehm, der nur Beppo genannt wird, erinnert sich an zahlreiche Handballspiele, die er als Jugendlicher auf dem Hartplatz nebenan absolviert hat. Wie auf vielen Sportanlagen im Land spielten sie auch in Wolfsanger jahrzehntelang auf Kieselrot, das erst 1991 wegen seiner Dioxin-Belastung in Verruf geriet. Weder Brehm noch seine Mitspieler haben später gesundheitliche Auswirkungen verspürt, sagt er. Darum geht er davon aus, „dass uns der Kontakt mit dem Gefahrstoff eher abgehärtet hat“.

Der Schreinermeister und Bestatter ist ein Mann der alten Schule. Wahrscheinlich kennt sich in seinem Stadtteil keiner so gut mit der jüngeren Geschichte Wolfsangers aus wie er.

Dafür gab es nur ein „befriedigend“: 1959 schrieb Hellmuth Brehm einen Aufsatz über den neuen Sportplatz.

Der strenge Lehrer Sanne hätte übrigens damals schon ahnen können, dass aus seinem Schüler einmal ein Kommunalpolitiker wird. Im Aufsatzheft aus der vierten Klasse gibt es auch einen Text über den Beruf des Dreschers und die Segnungen des Rentensystems.

In der Zeit, als es noch keine Renten gab, „lebten alle Menschen unzufrieden“, stellte der zehnjährige Brehm fest, ehe er den Fortschritt des deutschen Sozialstaats erklärt: „Wenn ein Drescher alt wird, kann er in das Altersheim gehen. Seine Rente muss er dort abgeben. Dort wird er für das Geld verpflegt, bis er stirbt.“ (Von Matthias Lohr)

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