Kasseler Verein Jumpers ist in zehn Städten aktiv

Jobs in Kassel: Wie Jumpers Jugendliche an Betriebe vermitteln will

Steffi Schürmann (von links), Jumpers-Gründer Thorsten Riewesell und Melanie Vinci vor dem Zuhause des Vereins in Wolfsanger.
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Sie wollen Jugendlichen eine Perspektive geben: Steffi Schürmann (von links), Jumpers-Gründer Thorsten Riewesell und Melanie Vinci vor dem Zuhause des Vereins in Wolfsanger.

Viele benachteiligte Jugendliche wissen nicht, wie sie den richtigen Beruf finden. Darum startet der Kasseler Verein ein neues Angebot, von dem auch Betriebe profitieren könnten.

Kassel – Steffi Schürmann weiß, wie schwierig es ist, einen geeigneten Beruf zu finden. Als die Kasselerin noch bei der Firma Hübner arbeitete, führte sie als Mentorin Jugendliche an die Berufswelt heran. Ein Mädchen mit Migrationshintergrund sagte damals zu ihr, sie wolle Polizistin werden oder im Dönerladen arbeiten. „Das waren die einzigen beiden Berufe, die sie kannte“, sagt Schürmann, die als Mitgründerin des Coworking-Büros Neue Denkerei bestens vernetzt ist.

Auch wegen dieser Erfahrung will sie nun Jugendliche aus benachteiligten Familien und potenzielle Arbeitgeber verbinden. Mit Melani Vinci hat sie für den Verein Jumpers ein Programm entwickelt, mit dem Teenager in Berufe reinschnuppern können, von denen viele keine Vorstellung haben.

„Was macht eigentlich?“, lautet der Arbeitstitel des neuen Angebots. Sollte es Corona zulassen, könnten Jugendliche ab April für sechs Monate Betriebe und Berufe wie Installateur kennenlernen und Tipps für die Suche nach einem geeigneten Job bekommen.

„Es gibt eine unfassbare Orientierungslosigkeit bei Jugendlichen“, hat Vinci festgestellt, die in der Geschäftsführung einer Personaldienstleistungsfirma arbeitet und sich im Jumpers-Förderverein engagiert: „Viele denken beispielsweise, im Handwerk würde man nichts verdienen.“ Gerade solche Unternehmen sollen nun gefunden werden, damit sie in dem Programm nach geeigneten Auszubildenden Ausschau halten können. „Das ist eine Win-win-Situation für alle“, findet Vinci.

Jumpers ist für die beiden Frauen der ideale Partner. Thorsten Riesewell und seine Frau Miriam haben den Verein vor zehn Jahren in ihrem Wohnzimmer in Kaufungen gegründet, um Kinder, Jugendliche und Familien zu unterstützen. Jumpers steht dabei für Jugend mit Perspektive.

Heute beschäftigt der Verein bundesweit 50 Mitarbeiter in zehn Städten. Die christlich-sozialen Stadtteilprojekte sowie Jugend- und Familienzentren werden zum großen Teil aus Spenden finanziert. Im vorigen Jahr kamen laut Riesewell 1,2 Millionen Euro zusammen.

In Kassel, wo die Erfolgsgeschichte von Jumpers begann, ist der Verein, noch relativ unbekannt, wie Schürmann und Vinci finden. Das könnte sich mit der schmucken neuen Heimat in den ehemaligen Räumen der Kasseler Bank in der Wolfsangerstraße ändern, die im August bezogen wurden. Und natürlich mit dem neuen Projekt.

Die beiden Frauen suchen auch den Kontakt zu Schulen und wollen den Jugendlichen wichtige Erkenntnisse für die Berufswelt vermitteln. „Selbst Erwachsene überfordert bisweilen die Frage nach eigenen Stärken und Schwächen“, sagt Vinci: „Die Jugendlichen sollen daher keine Angst haben, auch mal keine Antwort zu haben.“

Kontakt: steffi@neue-denkerei.de sowie melanie@web.de, jumpers.de

Von Matthias Lohr

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