Verkauf in regionalen Supermärkten

Nordhessens Antwort auf Pizza und Flammkuchen: Der Roggen-Henner aus Kassel

Petra und Sven Siegner vom Restaurant „Zum Goldenen Lauch“ in Kassel Wolfsanger haben den „Roggenhenner“, eine Art Pizza / Flammkuchen, erfunden und vertreiben ihn jetzt in regionalen Supermärkten.
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Handgemacht für die Pizza-Truhen im Handel: Petra und Sven Siegner vom Restaurant „Zum Goldenen Lauch“ in Wolfsanger haben den „Roggen-Henner“ erfunden. Bisher vier Supermärkte in Kassel verkaufen ihn.

Ein Kasseler Lokal vertreibt seine Spezialität in regionalen Supermärkten - die Idee wurde wegen des Corona-Lockdowns in der Gastronomie entwickelt

Kassel – Der Corona-Lockdown bringt in Kassels Gastronomie nicht nur Schwierigkeiten mit sich, sondern auch kreative Ideen hervor – so etwa „Nordhessens Antwort auf Pizza und Flammkuchen“, die neuerdings auch in Kühltruhen regionaler Supermärkte erhältlich ist. Roggen-Henner heißt der rustikale Sauerteigfladen mit verschiedenen Belägen, der im Stadtteil Wolfsanger erfunden wurde.

Dort hatten Sven und Petra Siegner vor einem Jahr gerade ihr Restaurant „Zum Goldenen Lauch“ aufgemacht, das nach wenigen Tagen wegen Corona schon wieder schließen musste. Da musste eine Idee her für ein Produkt, das abgeholt oder geliefert noch lecker und attraktiv bei den Gästen zu Hause ankommt, erzählt Sven Siegner.

Flammkuchen eigne sich da weniger, eine Pizza sollte es nicht sein, „weil wir kein italienisches Restaurant sind“. Also tüftelte Siegner mit Bäcker Klaus Hanke aus dem Stadtteil an der Sauerteigmischung für seine Idee eines regionalen Imbissfladens.

Als der „Goldene Lauch“ dann ab Mai wieder Gäste empfangen durfte, wurde der Roggen-Henner zum Renner: Mit Schmand oder veganer Creme bestrichen und in neun Varianten belegt gehört die regionale Pizza-Alternative mittlerweile zu den beliebtesten Speisen auf der Karte. Jetzt, in erneuten Lockdown-Zeiten, kann man ihn warm oder zum Fertigbacken für daheim ordern.

Die rege Nachfrage ermutigte Sven und Petra Siegner, neue Absatzwege auszuprobieren und drei Henner-Sorten – mit Ahler Wurscht, mediterran und vegan – in Supermärkten anzubieten. Der Edeka-Markt Koch im Stadtteil war gleich dabei, bei vier Rewe-Märkten in Kassel und Homberg ist die nordhessische Pizza-Alternative seit ein paar Tagen ebenfalls im Sortiment. Auch die Fuldaer Tegut-Kette habe bereits Interesse geäußert, sagt Siegner. Verkauft wird der Roggen-Henner zu Preisen um 6 Euro.

Um den Einstieg ins Supermarkt-Sortiment möglich zu machen, habe das Gastronomenpaar „noch mal in der Größenordnung eines Kleinwagens“ investieren müssen. Benötigt wurden ein Schnellgefrierschrank für die vorgebackenen Fladen, eine Folienschrumpfmaschine für deren Versiegelung und die Leistungen einer Werbeagentur, die sich um die Website und um die Verpackungsaufmachung mit allen lebensmittelrechtlichen Angaben kümmert. Für seinen Roggen-Henner hat Sven Siegner außerdem Markenschutz angemeldet.

Der Supermarkt-Vertrieb ist vor ein paar Tagen angelaufen. Daher bleibt es vorerst ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang, wie sich die Sache entwickelt. Klar aber ist für die Erfinder: Der Roggen-Henner soll Handarbeit bleiben. „500 Stück können wir am Tag schaffen“, sagt Petra Siegner. Zuzüglich einer Küchenkraft sind die Produzenten zu dritt.

Und das Traditionslokal „Goldener Lauch“ in Wolfsanger? Das soll laut Sven Siegner auf jeden Fall ein Restaurant mit Biergarten bleiben. Bei stark steigender Supermarktnachfrage nach dem Roggen-Henner „würden wir das auf Dauer wohl nicht mehr von hier aus machen können“, sagt der Gastronom. (Axel Schwarz)

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