Ausweichgelände ist neun Hektar groß

Schadstoffe am Fackelteich: Stadt will neue Kleingartenanlage in Wolfsanger bauen

Das Kleingartengelände Fackelteich in Kassel Unterneustadt. Rechts im Bild die Bundesstraße B 83 / Nürnberger Straße.
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Gartenfreunde müssen umziehen: Die Kleingartenanlage Fackelteich an der B 83 in der Unterneustadt gilt seit 2016 als schadstoffbelastet. Das Gelände mit 270 verpachteten Parzellen soll brach gelegt werden.

Nach 2022 müssen die Parzellenmieter des Kleingartenvereins Fackelteich wegen Schadstoffen im Boden ihre Parzellen räumen. Der Verein soll auf ein neues Gelände in Wolfsanger ziehen.

Kassel - Einem Umzug des Kleingartenvereins Fackelteich von der Unterneustadt an den nordöstlichen Stadtrand steht prinzipiell nichts mehr im Weg, wie die Stadt Kassel mitteilt: Erneute Bodenuntersuchungen haben ergeben, dass es zwischen Grenz- und Höheweg in Wolfsanger ausreichend unbelastete Flächen für die Ansiedlung von Gartenparzellen gibt. Daraufhin hat der Projektbeirat als Vertretungsorgan der Kleingärtner erklärt, dem Umzugsprojekt zuzustimmen und die Stadt mit der Planung einer neuen Kleingartenanlage am Höheweg zu beauftragen.

Die müsste ab 2023 besiedelt werden können. Denn auf dem Fackelteich-Gelände sollen die Vereinsmitglieder nur noch bis Ende nächsten Jahres gärtnern, haben Gesundheitsamt und Regierungspräsidium empfohlen. Seit 2016 steht fest, dass das Gelände entlang der B 83 mit Giftstoffen belastet ist. Ursache ist eine Müllkippe, die die Stadt Kassel dort vor vielen Jahren betrieben hat. Die Flächen sollen daher brachgelegt werden. Die angrenzenden Kleingartenvereine Waldauer Wiesen und Schwanenwiese sind nicht betroffen.

Für die zuletzt rund 270 Gartenpächter des Vereins Fackelteich wird schon länger nach einer Lösung gesucht. Die glaubte man 2019 gefunden zu haben, mit einer Ersatzfläche südlich des Reiterhofs am Höheweg, Bei Untersuchungen stellte sich dann aber heraus, dass auch diese Böden – wenn auch in geringerem Umfang – teilweise schadstoffbelastet sind. So kam man nur auf maximal 35 bis 40 mögliche Gartenparzellen. Der Verein benötigt zum Umzugsstart aber mehr und mittelfristig eine Erweiterungsmöglichkeit auf 150 Gartenparzellen.

Neue Perspektive: Am Stadtrand bei Wolfsanger in Richtung Ihringshausen soll ein neues Kleingartengelände entstehen. Im Hintergrund die Hasenhecke.

Dafür ist nun auf der anderen Seite des Höhewegs ein unbelastetes, bisher landwirtschaftlich genutztes Areal ins Auge gefasst. Es biete „neun Hektar bestens geeignete Flächen, also mehr als eigentlich nötig“, sagte Stadtbaurat Christof Nolda. Dort habe die Stadt Kassel die Möglichkeit, „eine attraktive und auch unter ökologischen Gesichtspunkten innovative Kleingartenanlage zu planen“, sagte Umwelt- und Gartenamtsleiterin Anja Starick.

Von den betroffenen Kleingärtnern gebe es dafür grünes Licht, sagte die Unterneustädter Ortsvorsteherin Kerstin Linne, die dem Projektbeirat Fackelteich vorsitzt, gegenüber der HNA. Über die Umzugsperspektive sei Einvernehmen erzielt worden in einer Online-Runde, bei der sich in der vergangenen Woche Vertreter der Stadt Kassel, des Regierungspräsidiums, der Hessischen Landgesellschaft, des Vereins Fackelteich, des Stadt- und Kreisverbands sowie des Landesverbandes der Kleingärtner abgestimmt hätten. Ein entsprechender Beschluss sei in einem schriftlichen Umlaufverfahren gefasst worden.

Auf Anfrage der HNA wollten sich die Kleingärtner selbst allerdings nicht äußern. Vereinsvorsitzender Michael Zaun lehnte eine telefonische Stellungnahme ab, ebenso wie Vorsitzender Wolfgang Böcker vom Stadt- und Kreisverband Kassel der Kleingärtner. Böcker bezeichnete den Vorgang als „schwebende Sache“, die „noch nicht fertig verhandelt“ sei.

Währenddessen wird an einem Sanierungskonzept für das Fackelteich-Gelände gearbeitet. Bis zum Sommer sollen Fachbüros ihre Planwerke dem Regierungspräsidium übergeben, teilt die Stadt mit. (Axel Schwarz)

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