Ortsbeirat und Kirche versuchten zu schlichten

Streit im Advent: Warum sich zwei Weihnachtsmärkte in Wolfsanger Konkurrenz machen

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Sie machen den Weihnachtsmarkt am Tor zu Wolfsanger: Familie Reuter mit (vorn von links) Manuela, Nicole, Michaela, Axel Homann-Reuter und (hinten) Holger Augustin.

Am Wochenende finden im Kasseler Stadtteil Wolfsanger gleich zwei Weihnachtsmärkte statt - nur wenige hundert Meter entfernt. Der ungewöhnliche Streit spaltet die Dorfgemeinschaft.

Für Ortsvorsteher Helmuth Brehm leben die Menschen in Wolfsanger auf einer „Insel der Glückseligkeit“. In dem Kasseler Stadtteil ist die Welt noch in Ordnung – zumindest bis die Adventszeit beginnt, die ja eigentlich auf das Fest der Liebe einstimmen soll. Derzeit aber „geht ein Keil durchs Dorf“, wie es ein Einwohner sagt.

Das liegt an gleich zwei Weihnachtsmärkten, die beide an diesem Wochenende stattfinden – und zwar nur 300 Meter voneinander entfernt. Familie Reuter, die einen Kiosk in der Fuldatalstraße betreibt, organisiert vor der Haustür zum elften Mal den „Weihnachtsmarkt am Tor zu Wolfsanger“. 

Den „Weihnachtsmarkt auf dem Sportplatz in Wolfsanger“ gibt es erst im zweiten Jahr. Und trotzdem wird auch er von den veranstaltenden Vereinen TSV und VfL als 11. Auflage angekündigt. Wie konnte es zum ungewöhnlichen Weihnachtsmarkt-Wettbewerb kommen?

Streit begann vor zwei Jahren

Fragt man bei beiden Seiten nach, will keiner etwas Schlechtes über den anderen sagen. Man hat ja auch jahrelang gemeinsam ein schönes Fest auf die Beine gestellt. 2009 rief Axel Homann-Reuter mit seiner Familie und dem Unternehmer Hansi Meister den „Weihnachtsmarkt am Tor zu Wolfsanger“ ins Leben. Den Boden legten sie mit Stroh aus. Das ist bis heute geblieben.

Der Charakter des Marktes änderte sich jedoch mit der Zeit. „Es wurde ziemlich laut mit viel Getöse statt beschaulichen Klängen“, sagt ein Einwohner. Vor zwei Jahren gründeten TSV und VfL darum die Konkurrenzveranstaltung. 

„In einer hektischen Zeit wollen wir den Menschen eine Kommunikationsplattform bieten“, sagt Alexander Seufert, der als Vorsitzender des TSV-Fußball-Fördervereins Nachfolger des 2013 gestorbenen Meister ist. 

Organisatoren trotz Streit an einem Tisch

Miteinander haben beide Seiten auch schon kommuniziert. Ortsbeirat und die Kirchengemeinde sorgten dafür, dass sich die Organisatoren der beiden Weihnachtsmärkte an einen Tisch setzen. Ohne Erfolg. So finden die Veranstaltungen wie schon im Vorjahr erneut von Freitag bis Sonntag parallel statt.

Es sei schwierig, die Termine zu koordinieren, beteuern beide Seiten. „Unsere Schausteller haben im Dezember einen vollen Terminkalender“, sagt Seufert. Ortsvorsteher Brehm wird an beiden Orten ein Grußwort sprechen. „Wir können uns den Luxus leisten, zwei Weihnachtsmärkte zu haben“, sagt der SPD-Politiker.

Es wird ja auch allerhand geboten. Beim „Weihnachtsmarkt am Tor zu Wolfsanger“ treten unter anderem eine Ben-Zucker-Coverband und der Chor der Johannis-Kirche auf. Kinder können mit Hessenliga-Fußballern des KSV Hessen kicken. 

Fackellauf und Kunsthandwerk auf dem Sportplatz

Der Weihnachtsmarkt auf dem Sportplatz lockt dagegen mit einem Fackellauf, Kunsthandwerkern sowie dem Posaunenchor. Besonders stolz sind sie beim TSV und VfL, dass ein Teil der alten Weihnachtsbeleuchtung aus der Kasseler Innenstadt nun über dem Sportplatz strahlt.

Was der charismatische Hansi Meister, der den Weihnachtsmarkt in Wolfsanger erst möglich gemacht, wohl zum Nebeneinander gesagt hätte? Ortsvorsteher Brehm glaubt es zu wissen: „Er hätte mit der Faust auf den Tisch gehauen und alle befriedet.“

Termine: Weihnachtsmarkt am Tor zu Wolfsanger: Freitag ab 16 Uhr vor dem Kiosk Reuter. Weihnachtsmarkt auf dem Sportplatz in Wolfsanger: Freitag ab 17 Uhr. Jeweils bis Sonntagabend.

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