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Wo die Kutsche fuhr: In Kassel wurde jetzt eine Straße aus dem 19. Jahrhundert entdeckt

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Von: Anna Lischper

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Aus diesen Steinen wurde die Straße gebaut: Silvio Kunkel, Räumstellenleiter von der Firma KMB Kampfmittelbergung aus Magdeburg, an der Fundstelle der Straße aus dem 19. Jahrhundert. Er war darauf gestoßen, weil im Bereich der Steine Bombensplitter aufgespürt wurden.
Aus diesen Steinen wurde die Straße gebaut: Silvio Kunkel, Räumstellenleiter von der Firma KMB Kampfmittelbergung aus Magdeburg, an der Fundstelle der Straße aus dem 19. Jahrhundert. Er war darauf gestoßen, weil im Bereich der Steine Bombensplitter aufgespürt wurden. © Anna Lischper

Bei der Untersuchung auf Kampfmittel wurde auf der Wiese zwischen Grenzweg und Höheweg in Kassel-Wolfsanger, dort wo ursprünglich die Kleingartenanlage Fackelteich hinziehen sollte, ein historischer Weg entdeckt.

Kassel – Für den Einen sind es nur Steine – für den Anderen ist es ein spannendes Zeugnis der Vergangenheit: Bei der Untersuchung auf Kampfmittel wurde auf der Wiese zwischen Grenzweg und Höheweg in Wolfsanger, wo ursprünglich die Kleingartenanlage Fackelteich hinziehen sollte, ein historischer Weg entdeckt.

Das 16 Meter lange und vier Meter breite, freigelegte Stück ist vermutlich nur ein Teil der ehemaligen Straße. „Es deutet sich an, dass hier mit handgroßen Sandsteinen eine Straße gebaut wurde, die mit Sandsteinplatten nach Osten hin angegrenzt ist“, sagt Eveline Saal, Bezirksarchäologin beim Landesamt für Denkmalpflege in Marburg, das von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Kassel eingeschaltet wurde. Kurz nach dem Fund in 1,4 Meter Tiefe hatte es einen Ortstermin gegeben, bei dem die Archäologin auf erste Spurensuche ging.

Laut Saal muss es sich dabei um eine wichtige Straße gehandelt haben, die Wolfsanger und Ihringshausen verband: „Man erkennt Spurrillen von Kutschen oder anderen Fahrzeugen, in denen sich Boden abgesetzt hat.“

Und es spricht noch eine weitere Beobachtung für die Relevanz des Weges. „Wir haben mit einem Bagger einen Profilschnitt anlegen können und gesehen, dass der Weg in zwei Phasen angelegt wurde.“ Vielleicht eine Nacharbeit aufgrund der starken Nutzung, so ihre Vermutung. Zurück im Landesamt, hatte die Wissenschaftlerin nach dem Ortstermin in Wolfsanger die Koordinaten mit historischen Karten abgeglichen. Und siehe da: Man erkennt den Weg auf einer Karte des Kurfürstenthums Hessen von 1895 – und sogar auf Google Maps. Auf der Satellitenansicht (Breitengrad: 51.335964, Längengrad: 9.535759) sei eine deutliche Verfärbung der Wiese zu erkennen, erklärt Saal. „Da zeichnet sich die Straße ab.“ Diese Bewuchsanomalie, wie es die Archäologin nennt, komme, weil die Wiese oberhalb von Sandstein besser wächst.

Ausgegraben wurde nur ein Teil der Straße. Zu erkennen ist sie an der Anordnung der Steine.
Ausgegraben wurde nur ein Teil der Straße. Zu erkennen ist sie an der Anordnung der Steine. © Lischper, Anna

In Kürze werde nun eine externe Grabungsfirma den Fund putzen, vermessen und die Erkenntnisse in einem Grabungsbericht dokumentieren. „Wer weiß, vielleicht kommen dabei noch ganz andere, spannende Erkenntnisse zutage“, sagt Saal, für die es der erste historische Straßenfund in ihren vier Jahren als Bezirksarchäologin ist.

Weiter ausgegraben werde nicht, weil man anhand des Fundes und der Karten auf den weiteren Verlauf der Straße schließen könne. „Aber bei der Grabung wird schon noch rechts und links des Weges geschaut, dabei könnte auch noch der eine oder andere alte Nagel entdeckt werden.“ Danach wird der Weg mit einem Vlies abgedeckt, auf das wieder Erde bis zum ursprünglichen Bodenniveau aufgefüllt wird, sagt Hans-Jürgen Lengemann vom Liegenschaftsamt vorausblickend. „Fundobjekte sind im Boden am besten aufgehoben“, sagt Saal.

Rainer Konrath von den Heimatfreunden Wolfsanger ist von dem Fund begeistert. „Ich hätte nicht vermutet, dass Dinge von solch historischer Bedeutung im Boden schlummern.“

Entdeckt hatte das Bodendenkmal Silvio Kunkel. Er leitet die Kampfmitteluntersuchung der zwölf Fußballfelder großen Fläche für die Firma KMB Kampfmittelbergung aus Magdeburg. Am 9. November habe er bei der Bodenuntersuchung zwei Splitter gemessen. „Als wir beim Graben auf Steine stießen, vermuteten wir, dass es sich um einen Unterstand handelt, in dem im Zweiten Weltkrieg Munition gelagert wurde. Doch dann erkannten wir eine Struktur.“ Es wurde weitergegraben, bis man auf die Straße stieß. Für Kunkel ist die Straße Nebensache. Sein Fokus liege darauf, Kampfmittel zu finden. Er habe selten eine so belastete Fläche gesehen.

„Wir haben 30 bis 40 Funde am Tag. Die Belastung von Brand- und Sprengbomben ist hier ungewöhnlich hoch.“ Vermutlich, weil sich auf dem Areal im Zweiten Weltkrieg Flakstellungen befanden. (Anna Lischper)

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