Neue Straße ist zur Rennstrecke geworden

Autoraser in Wolfsanger: Anwohner klagen über Poser im Mercedes-AMG

+
Gerade neu gemacht: Zehn Monate lang war der Wolfsgraben wegen Bauarbeiten gesperrt. Nun ist aus der Schlaglochpiste in Wolfsanger eine Rennstrecke geworden, auf der viele zu schnell unterwegs sind.

Nach fast zehn Monaten Bauzeit ist der Wolfsgraben in Kassel-Wolfsanger wieder freigegeben. Nun aber klagen Anwohner über Raser. Damit soll jetzt Schluss sein.

  • Nach der Erneuerung der Fahrbahn ist der Wolfsgraben in Kassel-Wolfsanger wieder freigegeben.
  • Bewohner beklagen nun die vielen Raser auf der Strecke. 
  • Mit dem Rasen soll aber bald Schluss sein.

Gerd Hartdegen aus Kassel wohnt an einerFormel-1-Rennstrecke. So sieht es jedenfalls der 65-Jährige, dessen Haus im Wolfsgraben in Wolfsanger steht. Fast zehn Monate wurde die Hauptverkehrsroute des Stadtteils saniert.

Kassel-Wolfsanger: Neuer Straßenbelag ruft Raser auf den Plan 

Nun hat sie unter anderem einen neuen Belag und ist „besser ausgebaut als der Hockenheimring“, wie Hartdegen findet. Viele Autofahrer geben tatsächlich Gas, als seien sie auf einem Motorsport-Parcours.

„Unsere herrliche ausgebaute Straße mutiert zur Rennstrecke“, klagteOrtsvorsteher Helmuth Brehm in der Sitzung des Ortsbeirats am Donnerstag. Der Sozialdemokrat wohnt ebenfalls im Wolfsgraben. 

Sein Parteikollege, der Landtagsabgeordnete Wolfgang Decker, sagt: „Manche haben hier schon vorher richtig auf den Pinsel getreten und machen das jetzt erst recht.“

Kassel-Wolfsanger: Ortsbeirat will gegen Raser vorgehen

Mit dem Rasen soll bald Schluss sein. Einstimmig verabschiedete der Ortsbeirat einen Antrag der SPD, der „präventive Maßnahmen“ fordert, um die Sicherheit zu erhöhen. Dazu zählen regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen, entsprechende Verkehrszeichen und eine elektronische Geschwindigkeitsanzeige in beide Richtungen.

Zudem soll es Fußgängern leichter gemacht werden, von einer Straßenseite auf die andere zu kommen. In einigen Abschnitten könnte die Stadt Kassel Tempo 30 einführen, so der Ortsbeirat.

Kassel-Wolfsanger: Anwohner zählte die Autos

Wie schlimm die Situation im Wolfsgraben ist, hat Hartdegen bereits vor einem Jahr dokumentiert. An einem Montagmorgen setzte sich der ehemalige Autoverkäufer von 7 bis 8 Uhr an den Straßenrand und zählte die Fahrzeuge. 

Gerd Hartdegen, Anwohner

Auf zwölf Stunden hochgerechnet kam er auf mehr als 11.000 Stück. Seine private Verkehrserhebung ist nicht repräsentativ, aber sie bestätigt das Gefühl der meisten Anwohner, die von den Rasern genervt sind.

Mercedes-AMG-Fahrer seien am schlimmsten

„Am schlimmsten sind die Poser in Mercedes-AMGs“, sagt Hartdegen: „Die machen gern absichtliche Fehlzündungen und sind bis zu 80 km/h schnell.“ 

Er ärgert sich über den Zustand auch deswegen, weil die Anwohner von der Stadt für die Sanierung zur Kasse gebeten werden. Hartdegen schätzt, dass er mindestens 14.000 Euro zahlen muss. Er meint: „So schlecht war die alte Straße nicht.“

Allerdings war sie so kaputt, dass auf einzelnen Abschnitten Tempo 30 galt. Diese Begründung könne nun nicht mehr herangezogen werden, wie ein Sprecher der Stadt sagt: „Auch Schulen, Krankenhäuser oder Kitas, die eine Geschwindigkeitsbeschränkung ermöglichen würden, sind an der Straße nicht vorhanden.“ 

Kassel-Wolfsanger: Verkehrsberuhigung auf der Hauptstraße nicht möglich

Der Einbau von Elementen zur Verkehrsberuhigung sei auf Hauptverkehrsstraßen wie dem Wolfsgraben nicht möglich. Allerdings soll im Frühjahr ein Schutzstreifen für Radfahrer aufgemalt werden, der die Straße optisch verengt. Zudem gibt es mobile Geschwindigkeitsmessungen.

Anwohner Hartdegen ist das zu wenig. Er hofft, dass doch bald Geschwindigkeitsanzeigen aufgestellt werden: „Die Poser werden trotzdem weiter rasen. Aber vielleicht bringt ein Smiley die anderen dazu, langsamer zu fahren.“

Raser und Geschwindigkeitsüberschreitungen

Bereits als der Wolfsgraben noch eine Baustelle war, beklagten Anwohner Raser und Falschfahrer an der Baustelle im Wolfsanger in Kassel. 

Immer wieder gibt es Raser die alle geschwindigkeitsbegrenzungen ignorieren. Kürzlich wurde ein Mann auf der A7 mit einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 74 km/h in der Baustelle erwischt

Das Rasen nicht nur teuer, sondern vor allem für andere Menschen gefährlich ist, zeigt ein Fall aus Würzburg. Dort hatte ein 20-Jähriger eine 42 Jahre alte Frau überfahren. Weil die Polizei ein unerlaubtes Autorennen vermutete, musste der junge Mann wegen Verdachts des versuchten Mordes in Untersuchungshaft. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.