Bebauungsplan in der Kritik

Wolfsanger: 100 Wohneinheiten auf ehemaligem Sportpark

So sieht das Städtebauliche Konzept für das Campus-Gelände aus: Die höchste Bebauung mit drei Vollgeschossen in der Quartiersmitte, in den Randbereichen eine Bebauung mit kleineren Mehrfamilien- und Reihenhäusern. Grafik: hna/Quelle: BAS

Wolfsanger. Ein schöner Anblick war es in den vergangenen Monaten nicht: das Gelände der abgerissenen Sporthalle Campus in Wolfsanger. Doch jetzt soll etwas passieren.

Holger Möller und Jochen Scharf vom Kasseler Büro für Architektur und Stadtplanung (BAS) und Volker Mohr, Leiter des Amtes für Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz der Stadt, stellten jetzt dem Ortsbeirat Wolfsanger-Hasenhecke die Pläne des Hamburger Eigentümers für das rund 18.000 Quadratmeter große Grundstück im Neubaugebiet zwischen Wolfsanger und Hasenhecke vor.

Das Städtebauliche Konzept, das BAS in Abstimmung mit dem Amt für Stadtplanung ausgearbeitet hat, sieht eine gemischte Wohnbebauung mit bis zu 100 Einheiten in Mehrfamilien- und Reihenhäusern in „einer der Umgebung angepassten Höhe“ vor. Geplant ist laut Möller eine Architektur mit zwei oder drei Vollgeschossen plus Staffelgeschoss. Alle Gebäude erhalten begrünte Flachdächer. Die Wohnungen sollen zwischen 80 und 120 Quadratmetern groß sein, die Reihenhausgrundstücke zwischen 200 und 300 Quadratmetern.

Die Planer rechnen mit rund 150 Fahrzeugen, die Parkplätze benötigen. Rund 80 Parkplätze könnten um das Grundstück herum am Straßenrand entstehen und etwa die gleiche Anzahl unter der Erde. Die Zufahrt zu den Tiefgaragen sei über den Triftweg und den Schmalen Weg vorstellbar. Mit diesem Konzept will man laut Mohr der steigenden Nachfrage nach Wohnraum in Kassels zentralen Lagen gerecht werden. Ziel sei es, so Möller, eine gemischte Bevölkerungsstruktur anzusprechen. Beide sind sich einig: „Das Konzept wird den Stadtteil aufwerten.“

Stadtteilvertreter und Anwohner lehnen die Pläne b. Ihre Kritik: Wenn im Kern des Neubauviertels eine verdichtete Wohnanlage entstehe, würde das den Charakter der Siedlung deutlich verändern, die überwiegend von Einfamilienhäusern geprägt ist. Die Gebäude seien zu hoch, die Bebauung zu kompakt, die Tiefgaragen zu aufwändig. „Dies ist wohl eine Idee, die nur mit teuren Eigentumswohnungen realisierbar scheint“, sagt Ortsvorsteher Alfred Langner (SPD). „Eine soziale Durchmischung ist so nicht möglich.“

Stefan Kortmann (CDU) ist schockiert: „Das ist eine Wahnsinns-Ausnutzung eines Grundstücks. Das ist eine Sünde und Schande.“ Für diejenigen, die dort in den vergangenen Jahren gebaut hätten, stellten diese Pläne eine starke Beeinträchtigung dar.

Die Kommunalpolitiker fragen sich auch, warum die Fläche nicht wieder für eine Sportanlage genutzt werde, da der Bedarf im Stadtteil enorm sei. Es gebe keine vernünftige Halle in Wolfsanger, seit vielen Jahren habe man hierfür Bedarf angemeldet. Kortmann ist sich sicher: „Wenn wir diese Fläche aufgeben, wird es keine Fläche mehr in Wolfsanger für Schul- und Vereinssport geben. Das ist nicht akzeptabel“. Der Ortsbeirat fordert deshalb, zumindest einen Teil des Campus-Geländes dafür vorzuhalten. „So lange wir das nicht wissen, können wir einer Umwidmung nicht zustimmen“, betont Langner.

Von Helga Kristina Kothe

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