Klärwerk an der Gartenstraße

In Wolfsanger wächst ein Faulturm

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Gigantisch: Gar nicht profan wirkt der Bau des Faulturms. Die Verschalung wächst in die Höhe, und auch die 45 cm dicken Wände aus Stahlbeton.

Wolfsanger. Verborgen vor den Augen der meisten Kasseler wächst an der Gartenstraße, am Ufer der Fulda, ein außergewöhnliches Bauwerk in den Himmel: Kassel-Wasser baut hier einen 42 Meter hohen Faulturm in Eiform.

„Das ist eine ganz besondere Baustelle“, sagt Projektleiter Harald Jordan. Wenn der Faulturm nach zwei Jahren Bauzeit im August 2014 fertig gestellt ist, wird in ihm als dritter Turm am Klärwerk Methangas aus Klärschlamm erzeugt. Mit allen dazugehörigen Bauwerken, Maschinen und Ausrüstung investiert Kassel-Wasser hier elf Millionen Euro. „In Anbetracht der Strompreisentwicklung wird sich das schnell bezahlt machen“, sagt Betriebsleiter Jürgen Freymuth: Wenn der neue Faulturm zusammen mit den beiden anderen in Betrieb ist, werde Kassel-Wasser im eigenen Blockheizkraftwerk jährlich zehn Millionen Kilowattstunden Strom in einem Wert von zurzeit 1,7 Millionen Euro produzieren. Der Eigenbetrieb der Stadt werde damit energetisch autark sein.

Hendrik Jordan

Das Prinzip: Der Klärschlamm wird in den Turm gepumpt und fault dort unter Einsatz von Methanbakterien bei einer Temperatur von 35 Grad Celsius aus. Der Prozess dauert 20 Tage und die organische Masse wird dabei um die Hälfte reduziert. Um eine gute Gasausbeute zu erzielen, muss der Klärschlamm im Behälter durchmischt werden. „Strömungstechnisch“, erklärt Jordan, sei die Eiform hierfür optimal geeignet. Der Turm wird später ein Nutzvolumen von 7500 Kubikmeter haben.

Auf der Baustelle am Klärwerk arbeiten zurzeit 20 Facharbeiter ruhig, konzentriert und gleichzeitig so schnell, dass man zusehen kann, wie die Verschalung mit den grüne Verstrebungen und gelben Brettern in die Höhe wächst. „Mit Hilfe der kathedralenartigen Spezialschalung ist es möglich, die 2500 Kubikmeter Beton schnell und sicher einzubauen“, sagt Jordan.

Klärwerk: In Wolfsanger wächst ein Faulturm

Später wird der gefüllte Behälter mit einem Gesamtgewicht von 17 800 Tonnen über das 21 Meter breite und 2,50 Meter starke Fundament auf den Baugrund drücken.

Von Christina Hein

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