Kasseler Gymnasien reagieren verunsichert auf G8 und G9

Keine Wahl: Diese Schüler einer achten Klasse des Wilhelmsgymnasiums absolvieren ihre Zeit bis zum Abitur in acht statt wie Generationen vor ihnen in neun Jahren. Vorn am Tisch (von links): Vivian Grüneklee, Betty Frank, Tatjana Tumarkina und Maryam El Morabiti, rechts Lehrerin Dr. Susanne Kliem. Archivfoto: Malmus/nh

Kassel. Alle Gymnasien sollen zum Schuljahresbeginn 2013/2014 die Wahl haben: Führen wir die Schüler in acht oder in neun Jahren bis zum Abitur?

Mit dieser Aussage überraschten jetzt Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Kultusministerin Nicola Beer (FDP) die Gymnasien - auch in Kassel. Für Verwirrung und Unmut sorgte zudem Bouffiers Zusatz, die anstehende Wahlmöglichkeit stehe im Zusammenhang mit der selbstständigen Schule.

Einzelheiten im September

„Wir reden von allen Gymnasien“, präzisiert der Sprecher des Ministeriums, Christian Henkes. Fakt sei eine gemeinsame Erklärung Bouffiers und Beers. Sie besage, dass alle Gymnasien zu Beginn des Schuljahres 2013/2014 die Wahl bekommen sollen, ob sie bei der achtjährigen Gymnasialzeit bleiben oder zu der neunjährigen Schulzeit zurückkehren wollen. Weitere Einzelheiten gebe es im September.

„Ich finde solche Erklärungen drei Tage vor den Ferien ärgerlich. Hier wird wieder etwas übers Knie gebrochen“, sagt Ludger Becklas, der Schulleiter des Goethe-Gymnasiums. Wie könne da noch etwas im Kollegium besprochen werden, beispielsweise wenn es darum gehen soll, ob sich die Schule in die Selbstständigkeit begibt. Im Herbst fänden bereits Informationsveranstaltungen für die neuen fünften Klassen statt. „Was sollen wir denn diesen Eltern verbindlich sagen?“ Möglicherweise werde sich das Kollegium des Goethe-Gymnasiums für eine Rückkehr zu G9 entscheiden, aber nicht, wenn dies an den Übergang in die selbstständig Schule geknüpft sei. Bei aller Kritik an G8: Sinnvoll sei es, die Abiturergebnisse des ersten G8-Jahrgangs im kommenden Jahr abzuwarten. „Wir wollen endlich in Ruhe arbeiten.“

Es sei problematisch für die Schulen, wenn sie Neuerungen, die offenbar mit der heißen Nadel gestrickt seien, aus der Zeitung erführen, sagt Stefan Alsenz, der Leiter der Albert-Schweitzer-Schule. Er warnt: „Wir dürfen uns in dieser wichtigen Bildungsdebatte nicht vor den Karren des Wahlkampfs spannen lassen.“ Es müsse dringend debattiert werden, aber dies könne nicht auf die Schnelle in den bevorstehenden Ferienwochen geschehen.

Die neuerliche Diskussion um G8 sei verwirrend, sagt auch Helmut Dörr, Leiter der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule. Man müsse die Debatte im Schulverbund betrachten und führen. Er stelle aber fest, dass sich eine Reihe von Eltern „mit einer gut gemachten verkürzten Schulzeit bis zum Abitur“ wohlfühle.

Schulen entscheiden

Dass Schulen entscheiden können, ob sie ihren Schülern G8, G9 oder auch beides anbieten, findet Dr. Hans-Jürgen Ziegler, der Leiter des Wilhelmsgymnasiums, „nicht dumm“. „Für Gymnasien mit zwei Geschwindigkeiten gibt es in Kassel bestimmt Bedarf.“

In der Erklärung Bouffiers und Beers heißt es, G8 werde noch immer als „vorteilhaftes Modell“ angesehen. Es habe aber Klagen von Eltern gegeben, die eine Wahlmöglichkeit forderten. Den kooperativen Gesamtschulen war diese Wahl nach Elternprotesten schon früher zugestanden worden. KOMMENTAR

Von Christina Hein

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